vergrößernverkleinern
Milan Sasic kam 2007 zum FCK und trainierte zuvor TuS Koblenz © getty

Der FCK feuert Milan Sasic - das trifft ihn hart. Im Gespräch mit Sport1.de spricht er über die Entlassung und Lothar Matthäus.

Von Daniel Rathjen

München - Erst war er der Retter, jetzt ist er der Buhmann.

Milan Sasic wurde am Montagabend überraschend beim 1. FC Kaiserslautern gefeuert.

Als Sport1.de den Kroaten am Morgen danach auf dem Handy erreichte, zeigte er sich tief geschockt von den neuen Entwicklungen.

"Ich bin geschockt. Ich bin traurig. Ich habe den Verein geliebt", sagt der 50-Jährige zu Sport1.de.

Schwartz Interimscoach

Schmutzige Wäsche wollte er aber auf keinen Fall waschen.

Im Heimspiel gegen den FC Augsburg am Freitag werden der bisherige U 23-Trainer Alois Schwartz und dessen Assistent Oliver Schäfer die Mannschaft führen.

Wer danach die Regie übernimmt, steht noch nicht fest.

Matthäus und Foda Nachfolgekandidaten

Nach Sport1.de-Informationen hielt sich der momentan sich auf Jobsuche befindliche Lothar Matthäus in Kaiserslautern auf.

Als Favorit auf den Trainer-Chefsessel gilt jedoch Franco Foda von Sturm Graz.

Der im Februar 2008 verpflichtete Sasic hatte die Pfälzer am letzten Spieltag der vergangenen Saison vor dem drohenden Abstieg gerettet und in dieser Spielzeit wieder zu einem Spitzenteam geformt.

Als Tabellensechster weist der FCK vier Spieltage vor Schluss nur drei Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz auf.

Dennoch war der Graben zwischen dem Trainer und der Vereinsführung immer größer geworden.

Sport1.de: Herr Sasic, der 1. FC Kaiserslautern hat Sie plötzlich gefeuert. Wie tief sitzt der Schock?

Milan Sasic: Wie kann es einem Trainer gehen, der vier Spieltage vor Saisonschluss beurlaubt wurde? Der noch eine reale Chance auf den Aufstieg hatte? Der in der vergangenen Saison mit diesem großartigen Verein ein Wunder vollbracht hat, indem er ihn vor dem Abstieg gerettet hat? Dem ein Traum genommen wurde? Wie tief der Schock sitzt, können Sie sich vorstellen.

Sport1.de: Die Entlassung hat auch Sie aus heiterem Himmel getroffen?

Sasic: Ich kann es nicht verstehen, das ist für mich zu hoch. Einen Trainer zu entlassen, ist normal im Fußballgeschäft. Aber so kurz vor Saisonende, so kurz vor dem großen Ziel. Der Aufstieg war mein großer Traum.

Sport1.de: Wie haben Ihnen die Verantwortlichkeiten die Entscheidung übermittelt?

Sasic: Stefan Kuntz hat mir das mitgeteilt. Ganz einfach.

Sport1.de: Mehr nicht?

Sasic: Alles andere bleibt intern, erst recht nach meinem Weggang.

Sport1.de: Es gab Gerüchte um einen heftigen Streit zwischen Ihnen und Kuntz...

Sasic: Nur soviel: Ich wollte immer nur das Beste für den Verein. Ich habe es aus hundertprozentiger Überzeugung vom FCK getan. Ich habe nie etwas Schlechtes öffentlich über den Verein gesagt. Das werde ich auch in Zukunft nie tun.

Sport1.de: Welche Fehler müssen Sie sich eventuell doch vorwerfen?

Sasic: Das Schlimmste sind die Gerüchte, die entstanden sind! Ich hätte einen zu rauen Umgangston gehabt, hat es geheißen. Das tut richtig weh. Ich habe mit den Jungs sehr gut zusammengearbeitet.

Sport1.de: Die Chemie zwischen Ihnen und der Mannschaft hat also gestimmt?

Sasic: Ja! Wenn nicht: Könnte ein Team wie der FCK - die jüngste Mannschaft der Liga - die meisten Zweikämpfe bestreiten? Die meisten Schüsse abgeben? Am wenigsten Schüsse zulassen? So fit sein, dass sie die meisten Tore in der zweiten Halbzeit geschossen hat? Und zuguterletzt hat die Mannschaft auch noch die reale Chance, aufzusteigen.

Sport1.de: Es gab niemals Konflikte?

Sasic: Natürlich gab es Konflikte. Wo gibt es keine? Aber was zählt, ist doch das Ergebnis. Viele Spieler haben sich hervorragend unter meiner Regie entwickelt. Alle haben letztlich von etwas Reibung profitiert.

Sport1.de: Meinen Sie damit vielleicht auch Erik Jendrisek?

Sasic: Zum Beispiel, ja. Ich hatte viele Konflikte mit ihm. Es war ein harter Zweikampf zwischen uns. Er hat mich gehasst. Aber es ist schön, ihm heute in seine klaren, glücklichen Augen zu schauen. Er ist den Weg gegangen, den ich ihm vorgeschlagen habe. Heute schießt er seine Tore, gibt Vorlagen und ist Nationalspieler der Slowakei geworden.

Sport1.de: Sind Sie ein harter Hund?

Sasic: Nein. Ich behandele die Spieler wie meine Familie. Vertrauen und Respekt sind für mich das allerwichtigste. Ich bin für den Verein, den ich liebe, bis an die Grenzen gegangen. Nur, um letztlich aufsteigen zu können.

Sport1.de: Jetzt dürfen Sie nicht mehr, wie gehen Sie damit um?

Sasic: Es ist ein Schock. Für mich und meine Familie. Jetzt gilt das, was ich meinen Spielern sonst immer sage, für mich: Wieder aufstehen und alles Negative ins Positive umwandeln. Das ist mein Lebensmotto.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel