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Sami Allagui (r.) kam 2008 vom FC Carl Zeiss Jena nach Fürth © getty

Während die Fürther vor dem Frankenderby im Trainingslager ein Schweigegelübde ablegen, bemüht sich "Club"-Coach Oenning um "Normalität".

Fürth/Nürnberg - Im 253. Frankenderby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg geht es um mehr als nur drei Punkte.

Die beiden Rivalen ringen am Sonntag (ab 13.45 Uhr LIVE) um eine Vorentscheidung im Aufstiegskampf der 2. Liga - doch trotz des außergewöhnlichen Ereignisses plant Club-Trainer Michael Oenning keine außergewöhnlichen Maßnahmen.

"Wir gehen jetzt nicht in einen Klettergarten oder so", scherzte er vor dem Duell.

Oenning hat gut Lachen, sein Club rangiert einen Zähler vor dem ungeliebten Nachbarn auf Relegationsplatz drei. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Fürth legt Schweigegelübde ab

Und so ist es sein Gegenüber Benno Möhlmann (Trainerportrait), der sich vor dem Nachbarschaftsstreit etwas Besonderes hat einfallen lassen.

Sein Team weilte im Trainingslager in Bad Gögging und legte sich dort ein Schweigegelübde auf.

Nur der Trainer sprach. "Ein Unentschieden im Derby gibt es nicht. Da gibt es nur einen Sieg oder eine Niederlage", meinte Möhlmann.

Fürth im alten Stil

Deshalb hat sich die SpVgg auch etwas einfallen lassen - und tritt mit einer Sondergenehmigung der DFL ganz im alten, traditionellen Stil an: Mit weißen Trikots, schwarzen Hosen und schwarzen Stutzen.

Während Tabellenführer SC Freiburg den Aufstieg zeitgleich in Koblenz schon perfekt machen kann, pflegen die fränkischen Rivalen im Ronhof vor 15.700 Zuschauern ihre uralten Ressentiments.

Vor 107 Jahren fand bereits das erste Derby statt, damals demütigte der FCN die SpVgg beim 15:0.

Die "Unaufsteigbaren"

In den 1920er Jahren, als die beiden benachbarten Städte Deutschlands Fußball-Hochburg bildeten und die Nationalmannschaft zeitweise nur aus Spielern der beiden Klubs bestand, war die Rivalität so groß, dass die Akteure getrennt zum Spiel fuhren.

Diese und ähnliche Anekdoten befeuern die Begegnung noch heute. Gut 2000 Kleeblatt-Fahnen zieren Balkone und Zäune in der Fürther Innenstadt, "1. Liga wir kommen" grüßt es auf Transparenten von den Häusern.

In den vergangenen acht Jahren hat sich der Fusionsverein aber mit sechs fünften Plätzen den Ruf der "Unaufsteigbaren" erspielt.

Harter Kampf um die letzten Karten

Möhlmann will diesen Fluch bannen: "Wir haben weiter die Chance, aus eigener Kraft aufzusteigen. Diese Chance wollen wir nutzen."

Nur sieben Kilometer entfernt zeigt die "Derby-Fieberkurve" in Nürnberg ebenfalls steil nach oben.

Dort haben die ganz treuen Fans vor dem Klubhaus mit Würstchen und Schlafsäcken ausgeharrt, um doch noch eine der begehrten Karten zu ergattern.

Sturm auf die Tickets

Binnen neunzig Minuten war das Nürnberger Kontingent von 3000 Tickets vergriffen.

Auf dem Schwarzmarkt wurden bis zu 400 Euro für eine Karte aufgerufen.

Damit im Umfeld alles friedlich bleibt, hat die Polizei analog zur WM 2006 Sicherheitsbereiche rund ums Stadion eingerichtet.

"Club" will positive Bilanz fortführen

Ohne Karte darf keiner an die Arena heran, zudem gilt beim "Risikospiel" striktes Alkoholverbot.

Im sportlichen Bereich hofft der FCN, seine positive Bilanz (131 Siege bei 70 Niederlagen) fortführen zu können, damit sich die Fans "beim Brötchenholen nicht blöd anmachen lassen" müssen, wie Stürmer Christian Eigler betont.

Im Hinspiel (2:1) erzielte der gebürtige Fürther das Siegtor, und auch am Sonntag ruhen auf ihm die Hoffnungen, weil die Torjäger Marek Mintal (Spielerportrait) und Isaac Boakye gesperrt sind.

Kapitän Andreas Wolf fehlt verletzt, doch trotz der Nürnberger Personalsorgen habe Fürth "größeren Druck", sagte Trainer Oenning.

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