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Ewald Lienen trainierte vor Panionos Athen In Deutschland zuletzt Hannover 96 © getty

Nach neun Spielen ohne Sieg hat 1860 München die Reißleine gezogen. Zuvor hatten die Fans das Team in Wehen übelst beschimpft.

Von Martin Volkmar

München - 1860 München hat auf die anhaltende Talfahrt in der Zweiten Liga reagiert:

Nach neun Spielen in Folge ohne Sieg und akuter Abstiegsgefahr haben die "Löwen" Interimstrainer Uwe Wolf gefeuert und Ewald Lienen als "Feuerwehrmann" verpflichtet.

Der 55-Jährige, der zuletzt Panionios Athen trainierte, wurde ohnehin als neuer 1860-Coach ab Sommer gehandelt.

Nun übernimmt Lienen bereits zwei Spieltage vor Schluss bei den Münchnern, die nach dem 0:0 bei Absteiger SV Wehen Wiesbaden gerade noch vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben.

Es ist der zwölfte Trainerwechsel der laufenden Spielzeit in der Zweiten Liga.

"Möchte gute Atmosphäre herstellen"

Lienen gab bei seiner Präsentation nur eine kurze Stellungnahme ab, ehe er das erste Training leitete. "Ich möchte die kurze Zeit bis Sonntag nutzen, um auf dem Platz eine gute Atmosphäre herzustellen", erklärte er.

"Es geht nicht darum, den Spielern das Fußballspielen beizubringen, sie müssen es jetzt einfach rauslassen. Sie haben ja schon gezeigt, dass sie zu guten Leistungen in der Lage sind."

"Die Lage ist sehr ernst"

"Die Lage ist sehr ernst", erklärte Geschäftsführer Manfred Stoffers den Trainerwechsel.

"Der Relegationsplatz rückt bedrohlich nahe. Jetzt brauchen wir einen erfahrenen und krisenfesten Coach, der unsere Mannschaft durch den mental extrem belastenden Kampf um den Ligaerhalt führt."

Sportdirektor Miroslav Stevic setzt ebenfalls auf den ehemaligen Bundesligacoach.

"Gerne hätte ich Ewald Lienen die Mannschaft zu Beginn der neuen Saison auf einem sicheren Tabellenplatz übergeben", sagte der Serbe.

"Ich bin ihm sehr dankbar, dass er in dieser schwierigen Situation zu uns kommt, um uns aus der aktuellen Krise zu helfen."

Zudem dankte Stevic Wolf für seine Arbeit: "Leider hat ihm die kleine Prise Glück gefehlt, die du für den Erfolg brauchst."

Wolf kritisiert Vereinsführung

Der Coach verbrachte die Zeit nach seiner Entlassung Weißbier trinkend vor dem "Löwenstüberl" und warf der Vereinsführung fehlende Rückendeckung vor.

"Ich bin schon sehr überrascht. Ich bin überzeugt, dass ich mit der Mannschaft schon die Punkte geholt hätte", meinte Wolf.

Stattdessen soll Nachfolger Lienen die Sechziger vor dem Absturz in die Drittklassigkeit retten.

Der neue Coach war vor Athen bislang beim MSV Duisburg (1993-94), Hansa Rostock (1997-99), dem 1. FC Köln (1999-2002), CD Teneriffa (2002-03), Borussia Mönchengladbach (2003) und Hannover 96 (2004-05) als Trainer tätig.

Als Spieler bestritt er 333 Bundesliga- (49 Tore) und 171 Zweitligaspiele (27 Tore) für Arminia Bielefeld, Duisburg und die Gladbacher, mit denen er 1979 den UEFA-Pokal gewann

Sein neuer Assistent wird Abder Ramdane.

Morddrohungen der Fans gegen die Mannschaft

Bei den "Löwen" hatte sich die Situation nach dem 0:0 in Wehen nochmal zugespitzt, als die mitgereisten Fans die Spieler übel beschimpft hatten.

"Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch alle tot", skandierten sie und schickten die in Richtung Fan-Block gegangenen Akteure wieder weg.

"Verständlich, dass die Fans sauer sind", meinte Kapitän Benny Lauth.

Ähnlich äußerte sich auch Stevic: "Jeder Fan hat das Recht, unzufrieden zu sein. Aber wir brauchen die Fans jetzt mehr denn je. Nur so ist das Minimalziel noch zu erreichen, die Saison zu retten."

Ziel sei es nun, mit einem Heimsieg gegen Alemannia Aachen am Sonntag das Abstiegsgespenst zu vertreiben. "Es wurde immer vom Endspiel geredet, jetzt haben wir es am Sonntag gegen Aachen", so Stevic.

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