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Robin Dutt trat zur Saison 2007/08 die Nachfolge von Volker Finke an © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Freiburgs Trainer Robin Dutt über das Breisgauer Erfolgsrezept und die Planungen für die Bundesliga.

Von Mathias Frohnapfel

München/Freiburg - Kaum ist der Aufstieg geglückt, steckt der SC Freiburg mitten in den Planungen für die Bundesliga.

Doch Trainer Robin Dutt denkt bei aller Aufbruchstimmung weiter zuerst an das Team, mit dem er drei Spieltage vor Schluss der Zweiten Liga das große Ziel erreicht hat (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir wollen nicht alibimäßig die ganze Mannschaft umkrempeln", sagt er Sport1.de.

Im Interview spricht der 44-Jährige auch über das Breisgauer Erfolgsrezept, einen ungewöhnlichen Motivationstrick und darüber, wie ein Spieler wie Ömer Toprak seinen Marktwert optimal steigern kann.

Sport1.de: Herr Dutt, wie sehr haben Sie die letzten Tage genossen nach den anstrengenden Monaten zuvor?

Robin Dutt: Wir haben den Abend nach dem Koblenz-Spiel natürlich ausklingen lassen und es ging auch bis in die Nacht. Ich denke, das versteht jeder.

Sport1.de: Was bedeutet Ihnen der Aufstieg?

Dutt: Er war unser Ziel. Wir haben jetzt mit Nürnberg, Mainz, auch Fürth, namhafte Konkurrenz hinter uns gelassen. Es überrascht mich ein Stück weit selbst, so einen deutlichen Vorsprung zu haben. Aber die Mannschaft hat nach der Hinrunde eine hervorragende Leistung gezeigt.

Sport1.de: Wo liegen aus Ihrer Sicht die Bausteine für den Erfolg?

Dutt: Im Teamgeist, im Charakter der Mannschaft, in ihren technischen Fähigkeiten, aber vor allem auch in unseren offensiven Qualitäten. Und wir haben es geschafft, diese guten Spieler auch in einer guten Organisation unterzubringen.

Sport1.de: Es war auch ein Erfolgsgeheimnis von Freiburg, dass man das Ziel Aufstieg von Anfang an offensiv vertreten und gesagt hat, man möchte in die Bundesliga. Wieso haben Sie das so geregelt, Ihre Trainerkollegen machen es ja gerne umgekehrt?

Dutt: Vor der Saison haben wir diese Ziele mit der Mannschaft besprochen. Wir haben uns selber etwas in die Pflicht genommen und gesagt, wenn wir das öffentlich machen, dann muss jeder bereit sein, alles dafür zu tun. Der Gedanke war gegenläufig zum Gewohnten: Das geht sicher nicht immer gut, aber dieser Mannschaft habe ich es vom Charakter her zugetraut.

Sport1.de: Sie haben jetzt oft vom Charakter gesprochen. Es gibt auch sehr viele junge Spieler, die Sie in die Mannschaft eingebaut haben. Wie sieht es für die nächste Saison aus, welche Mannschaftsteile brauchen noch Verstärkung?

Dutt: Wir sind da relativ entspannt, weil wir alle Spieler unter Vertrag haben, außer Daniel Schwaab, der ja nach Leverkusen wechselt. Wir wollen die Mannschaft auch in der Ersten Liga zum Großteil aus diesem Kader zusammenstellen. Wir werden drei, vier Neuzugänge haben und die werden sich durch alle Mannschaftsteile ziehen.

Sport1.de: Kann man allein mit punktuellen Verstärkungen, wie sie auch Ihr Sportdirektor Dirk Dufner angesprochen hat, die Klasse halten?

Dutt: Das wird sich letztlich zeigen. Wir sehen, dass unsere Mannschaft ein Entwicklungspotenzial hat. Nur auf Verdacht Spieler zu verpflichten und damit der Mannschaft das Misstrauen auszusprechen, das ist nicht unser Stil. Wir werden Ende der Vorrunde die Lage analysieren. Und wenn man sich dann verstärken muss und kann, werden wir das tun. Aber wir wollen nicht alibimäßig die ganze Mannschaft umkrempeln. Deshalb haben wir die Mannschaft auch so aufgestellt, dass sie sich weiterentwickeln kann.

Sport1.de: Unter anderem sind bereits Julian Schuster und Ömer Toprak in den Fokus anderer Klubs gerückt. Wie groß sehen Sie Ihre Chancen, die Mannschaft beisammen zu halten?

Dutt: Wir werden definitiv von unseren Stammspielern keinen abgeben. Sie haben wie Toprak auch alle langfristige Verträge. Außerdem kann ein Spieler in der Ersten Liga noch seinen Marktwert steigern. Wir können also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, er kann uns die nächsten ein, zwei Jahre noch sportlich helfen und gleichzeitig seinen Marktwert steigern.

Sport1.de: Wollen Sie den ausgeliehenen Stürmer Vitali Rodionov von Bate Borisov verpflichten?

Dutt: Wir haben eine Kaufoption und müssen uns im Sommer entscheiden, möchten aber alles abwägen und die Zeit ausnutzen.

Sport1.de: Es ist von einer Ablöse von 1,5 Millionen Euro die Rede.

Dutt: Ich möchte die Zahl weder bestätigen noch dementieren. Das ist Aufgabe des Sportdirektors. Ich werde irgendwann meine sportliche Empfehlung aussprechen, ob es finanziell machbar ist, wird dann Dirk Dufner entscheiden.

Sport1.de: Wie wird die Spielweise des SC Freiburg in der Bundesliga aussehen? Ähnlich offensiv angelegt wie derzeit oder mit mehr kämpferischen Elementen?

Dutt: Der technisch ausgerichtete Fußball wird natürlich beibehalten. Aber es wird so sein, dass die Ballbesitzzeiten in der Ersten Liga, ob wir wollen oder nicht, weniger sein werden als in der Zweiten Liga. Da hatten wir zum Teil 70 Prozent Ballbesitz. Es wäre naiv zu glauben, dass das gegen die Topvereine der Ersten Liga auch so ist. Natürlich wollen wir im Ballbesitz weiter technisch orientierten Fußball spielen, gleichzeitig müssen wir in der Defensive sehr, sehr gut stehen, das ist ganz klar.

Sport1.de: Werden Sie nun in den letzten Spielen durchrotieren und möglichst vielen Spielern Einsatzzeiten geben?

Dutt: Wir werden gegen die Mannschaften, bei denen es noch um was geht, mit der bestmöglichen Mannschaft spielen. Ansonsten würden wir eventuell auch jungen Spielern noch Einsatzzeiten geben.

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