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Harald Gärtner ist seit der Saison 2007/08 Sportdirektor beim FC Ingolstadt 04 © getty

Nach dem Abstieg spricht Ingolstadt-Sportdirektor Harald Gärtner im Sport1.de-Interview über die Ziele für die kommende Saison.

Von Jürgen Blöhs

Ingolstadt - Seit Donnerstagabend 22.04 Uhr ist dem größten Optimisten klar, der FC Ingolstadt kann den Abstieg nicht mehr verhindern.

Schiedsrichter Jochen Drees hatte die Partie kaum abgepfiffen, da blickten die Verantwortlichen schon in die Zukunft.

Natürlich frage man sich, wie man nach Platz 12 und 21 Punkten am Ende der Hinrunde im Jahr 2009 (bisher) ohne Sieg bleiben und so weit abstürzen konnte, doch "wir müssen nach vorn schauen", erklärt Harald Gärtner im Gespräch mit Sport1.de.

"Ein ganz bitterer Weg"

Der direkte Wiederaufstieg ist für den Sportdirektor kein Thema: "Bis jetzt haben wir noch nicht einmal eine Mannschaft. Unser Ziel ist natürlich, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, um in der ja nicht einfachen Dritten Liga bestehen zu können."

In der Saison 2010/11 wollen die "Schanzer" in ihrem neuen Stadion spielen und weiter "in die Infrastruktur" investieren". Im Interview spricht Harald Gärtner über die Perspektiven des Klubs und die Personalplanung.

Sport1.de: Herr Gärtner, haben Sie vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli noch an den Klassenerhalt geglaubt?

Harald Gärtner: Ja, natürlich. Im Fußball glaubt man immer an die Chance. Wenn man da nicht an Wunder glaubt, ist man fehl am Platz. Es gab immer wieder Situationen, in denen das Unmögliche möglich gemacht wurde. Aber jetzt ist die Rechnerei vorbei. Wir wissen, dass wir abgestiegen sind und müssen nach vorn schauen.

Sport1: Ist das Team noch motiviert für die letzten zwei Spiele in der Zweiten Liga?

Gärtner: Ganz klar. Wir wollen uns mit Anstand verabschieden. Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie genau so engagiert auftritt, wie in den letzten Spielen. Das gehört einfach zum Professionellen dazu.

Sport1: Wird man in den Aufstellungen für die letzten zwei Partien das Gerüst der Mannschaft für die kommende Saison erkennen?

Gärtner: Nein. Wir werden mit dem besten Aufgebot rangehen, um - wie es sich gehört - eine Chancengleichheit herbeizuführen. Es kämpfen noch viele Mannschaften gegen den Relegationsplatz; da muss man alles geben.

Sport1: Haben Sie eine Erklärung für den Absturz in der Rückrunde?

Gärtner: Das gute Resultat führte vielleicht dazu, sich in Sicherheit zu wiegen. Das darf man im Fußball nie tun. Aber es gibt darüber hinaus viele Mosaiksteinchen, die uns in den Abstiegsstrudel gerissen haben.

Sport1: Sowohl Heiko Gerber als auch "Zecke" Neuendorf haben signalisiert, auch in der Dritten Liga bleiben zu wollen. Wollen Sie die Routiniers halten?

Gärtner: Wir werden uns in den Gremien zusammensetzen und die Weichen für die Zukunft stellen. Nichts ist ausgeschlossen.

Sport1: Wie sieht es mit Horst Köppel aus? Hat der Trainer einen Vertrag auch für die Dritte Liga?

Gärtner: Nein, der ist für die letzten Saisonspiele gekommen. Vielleicht etwas spät, dieser Kritik müssen wir uns stellen.

Sport1: Köppel hat vor der Partie gesagt, er würde auch im Falle des Abstiegs zur Verfügung stehen?

Gärtner: Das ist richtig. Wir werden mit ihm Gespräche führen und schauen, ob wir mit der Philosophie zusammenkommen.

Sport1: Das Ziel lautet Wiederaufstieg?

Gärtner: Nun mal langsam. Bis jetzt haben wir noch nicht einmal eine Mannschaft. Unser Ziel ist natürlich, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, um in der ja nicht einfachen Dritten Liga bestehen zu können. Wir dürfen nicht so tun, als wären wir ein gestandener Zweitligist. Wir sind auf- und ein Jahr später wieder abgestiegen.

Sport1: Der FCI gilt als finanziell gesunder Verein, baut gerade ein neues Stadion. Da trifft der Abstieg doch doppelt bitter?

Gärtner: Das ist absolut richtig. Wir sind ein Verein auf gesunder wirtschaftlicher Basis. Wir freuen uns, dass Sponsor Audi sein Engagement bis 2013 ausgeweitet hat. Darüber hinaus sind wir im Jugend-Bereich dabei, professionelle Strukturen zu schaffen. Die Teams stehen in ihren Ligen vor dem Aufstieg. Und die U 23 spielt in der Bayernliga eine gute Rolle. Wir wollen 2010/11 im neuen Stadion spielen. Natürlich ist es ein ganz, ganz bitterer Weg, den wir über die Dritte Liga gehen müssen. Wir investieren in die Infrastruktur, um uns im Profi-Fußball auf längere Zeit etablieren zu können.

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