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Claus-Dieter "Pele" Wollitz stieg 2007 mit Osnabrück in die Zweite Liga auf © getty

Vier Teams wollen die Abstiegsrelegation vermeiden. Alle müssen auswärts ran und setzen auf unterschiedliche Glücksbringer.

Von Christian Stüwe

München - Den direkten Abstieg in die Dritte Liga haben Sie alle schon vermieden, doch zittern müssen vier Kellerkinder der Zweiten Liga noch immer.

Denn der Relegationsplatz wäre noch zu vergeben. Heißester Kandidat für die Ausscheidungsspiele gegen den Dritten der Dritten Liga ist derzeit der VfL Osnabrück.

Mit 36 Punkten und dem mit Abstand schlechtesten Torverhältnis liegt die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter "Pele" Wollitz auf dem Relegationsplatz.

Rostock (37), Frankfurt (38) und Koblenz (38) liegen noch in Reichweite, aber erschwerend kommt hinzu, dass die Osnabrücker beim MSV Duisburg (So., ab 13.30 LIVE) vor einer unangenehmen Auswärtsaufgabe stehen.

Doch Wollitz wäre nicht Wollitz, wenn er sich nicht kämpferisch geben würde.

"Meine Mannschaft ist verrückt, ich bin verrückt. Schreiben Sie uns nicht ab", sagte "Pele", direkt nach dem enttäuschenden 2:2 zu Hause gegen Ahlen an vergangenen Sonntag.

Osnabrück mobilsiert die Fans

"Wir müssen gewinnen", erklärte Wollitz und bemühte alte Weisheiten: "Es ist nicht einfach, aber im Fußball ist alles möglich."

Dennoch scheint man sich in Osnabrück schon auf die Relegationsspiele einzustellen. Auf der Homepage der "Lila-Weißen" werden bereits die Vorverkaufsdaten für die möglichen Ausscheidungsspiele genannt.

"Noch ist es nicht soweit, noch glaube ich dran", will Wollitz das Spiel aber nicht schon im Voraus abschenken.

Und der Verein mobilisiert die bekannt euphorischen Fans, um in Duisburg Heimspiel-Atmosphäre zu schaffen.

"Jeder Osnabrücker bringt uns dem Sieg näher"

Der VfL subventioniert Busfahrten nach Duisburg. Manager Lothar Gans rechnet in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mit 5000 bis 7000 Auswärtsfans.

"Das muss auch ein zusätzlicher Ansporn für die Mannschaft sein", hofft Gans: "Das zeigt, wie sehr die Leute mitfiebern. Jeder Osabrücker, der fährt, bringt uns dem Sieg ein Stück näher."

Doch selbst wenn die Osnabrücker in Duisburg drei Punkte holen sollte, müssen sie noch auf Patzer der Konkurrenz hoffen.

Rostock wäre mit nur einem Punkt mehr der erste Kandidat, der eingeholt werden könnte. Allerdings befindet sich die Elf von Andreas Zachhuber im Aufwind und muss beim bereits feststehenden Absteiger SV Wehen Wiesbaden antreten.

"Aber sicher ist noch gar nichts"

Doch die Hanseaten, hinter denen eine komplett verkorkste Saison liegt, sind weiter vorsichtig.

"Ich erwarte einen Sieg, weil wir uns damit aus eigener Kraft retten können", sagt Sportdirektor Rene Rydlewicz.

"Wir haben nach langen Wochen auf einem Abstiegsplatz jetzt einen Rang über dem Strich", so Rydlewicz weiter: "Das ist sehr positiv und hat viel Kraft und Anstrengung gekostet. Aber sicher ist noch gar nichts."

Frankfurt ohne Barletta

In Reichweite liegt auch der nach einem Zwischenhoch schwächelnde FSV Frankfurt. Die Hessen haben zwei Punkte mehr auf dem Konto und müssen bei St. Pauli ran.

Kapitän Angelo Barletta kann nicht eingreifen, er fehlt wegen seiner zehnten Gelben Karte.

"Das ist natürlich schlimm, dass ich am Sonntag beim FC St. Pauli nicht spielen darf", ärgert sich der Verteidiger: "Aber ich werde trotzdem mit der Mannschaft nach Hamburg fahren und versuchen, von außen zu helfen."

Fahnen für Auswärtsfans

Zuletzt spielten die Frankfurter wenig überzeugend, gegen den bereits abgestiegenen FC Ingolstadt gab es ein 1:1.

Nach einer tollen Aufholjagd in der Rückrunde droht die Luft auszugehen, die Gefahr eines Patzers scheint gegeben.

Doch auch in Frankfurt wird alles versucht, um die wichtigen letzten Punkte einzufahren. Fans, die nach Hamburg fahren, erhalten eine Autofahne des FSV gratis.

TuS muss in Ingolstadt ran

Auch die TuS Koblenz zittert, kann aber nach dem Wirbel um die "Beinahe-Einwechslung" von Njazi Kuqi und den falschen Spielberichtsbogen (Koblenz kann aufatmen) froh sein, die drei Punkte vom letzten Wochenende gegen St. Pauli behalten zu dürfen.

Inwiefern dieser Trubel die Spieler beeinträchtigt hat, wird sich am Sonntag zeigen, wenn die TuS beim Absteiger in Ingolstadt vor einer eigentlich lösbaren Aufgaben steht.

"Wäre schade um den Urlaub"

Aber allein die Tatsache, dass alle vier potenziellen Relegationsteilnehmer auswärts ran müssen, lässt die Wahrscheinlichkeit von Punktverlusten steigen.

In Osnabrück darf also gehofft werden. Und sollte es nicht klappen, besteht immer noch die Möglichkeit, in den Ausscheidungspielen die Klasse zu halten.

Das weiß auch "Pele" Wollitz, der sich gewohnt entspannt gibt: "Dann gehen wir eben in die Relegation. Das wäre schade um den Urlaub, denn nach so einer langen Saison braucht man etwas länger, um sich zu erholen."

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