Durch den zweiten Bundesliga-Aufstieg hat sich Mainz 05 auf der Fußball-Landkarte etabliert - und sich vom "Übervater" gelöst.

Es war eine Mischung aus enttäuschter Aufstiegshoffnung und Abschiedsschmerz vor einem Jahr am Mainzer Bruchweg.

Trotz eines 5:1-Sieges gegen den FC St. Pauli verpassten die Mainzer am 18. Mai 2008 die direkte Bundesliga-Rückkehr.

Doch für die Fans fast noch schlimmer: Kultcoach Jürgen Klopp verabschiedete sich vom Mainzer Publikum und machte sich auf zu Borussia Dortmund.

Viele stellten damals in Frage, ob die Mainzer ohne Einpeitscher und Maskottchen Klopp überhaupt noch mal eine Chance auf den Aufstieg haben würden. Zu sehr schien der Klub von den Ideen und Emotionen des einstigen "TV-Bundestrainers" abhängig zu sein.

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Doch gut zwölf Monate später ist klar: Die Mainzer können es auch ohne ihren "Übervater"!

Der FSV ist unter Klopps Nachfolger Jörn Andersen erwachsen geworden und spielt im kommenden Jahr wieder mit in der höchsten Spielklasse.

Andersen wurde mit gemischten Gefühlen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt empfangen.

Schließlich war der Norweger in der vergangenen Saison mit Kickers Offenbach aus der Zweiten Liga abgestiegen.

Doch Andersen - eine Empfehlung von Klopp übrigens - führte die Mainzer sofort in die Erfolgsspur. An 32 von 34 Spieltagen standen die 05er auf einem Aufstiegsplatz, überzeugten mit erstaunlichen elf Auswärtssiegen und zusätzlich einer beeindruckenden Effektivität:

Mit fast der selben Tordifferenz wie im Vorjahr (2007/08: 62:36; 2008/09: 62:37) holten die Mainzer fünf Punkte mehr. Das Pokal-Halbfinale rundete eine perfekte Saison zusätzlich ab.

Zudem hat Andersen, der mit Top-Torjäger Aristide Bance (14 Tore) den besten Mainzer Angreifer aus Offenbach mitbrachte, das Spiel der Rheinhessen taktisch weiterentwickelt.

Lernten die Spieler unter Klopp vor allem defensiv gut "gegen den Ball" zu arbeiten, verbesserte sich in dieser Saison auch das spielerische Element.

Entscheidender Handgriff dabei: Die Versetzung des überragenden Markus Feulner von der linken Außenbahn ins defensiv-zentrale Mittelfeld.

Klubs, die einmal in der obersten Liga von sich reden machten und dann wieder in der Versenkung verschwanden, gibt es genug.

Mainz hat sich durch die Rückkehr in die Bundesliga endgültig auf der Fußball-Landkarte etabliert.

Auf dieser ist der 1. FC Nürnberg schon immer eine feste Größe. Trotz des verpassten direkten Aufstiegs gehen die Clubberer aber mit breiter Brust in die Relegationsduelle mit Energie Cottbus. Und auch das hängt mit einem Trainer zusammen, dem nur Wenige solch erfolgreiche Arbeit zugetraut hätten.

Michael Oenning hat den FCN nach zwischendurch großem Rückstand auf Platz drei geführt. Das bei seiner ersten Station als Cheftrainer im Profi-Geschäft.

Auch Oenning ist beim Club sozusagen erwachsen geworden. Die Party, die Jörn Andersen in Mainz aber schon anheizen konnte, muss Oenning noch verschieben.

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