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Tomas Oral ging 2000 zum FSV Frankfurt - erst als Spieler, später wurde er Trainer © getty

Frankfurts Klassenerhalt war wie ein Wunder. Teamchef Tomas Oral spricht im Sport1.de-Interview über die Saison und die Zukunft.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Das 0:2 am letzten Spieltag beim FC St. Pauli war Tomas Oral am Ende völlig egal.

Da auch Osnabrück, Konkurrent im Kampf gegen den Relegationsplatz, nicht punktete, bleibt Aufsteiger FSV Frankfurt in der Zweiten Liga.

Während seine Mannschaft das Bad in der Menge genoss und mit den Fans und auch den Anhängern des FC St. Pauli feierten, suchte der Trainer Abstand.

Mit dem T-Shirt mit "2. Jahr! 2. Liga! Jaaaaa!" auf der Brust und einem selbstbewussten "Uns werdet ihr nicht mehr los" auf dem Rücken sprach der 36-Jährige mit Sport1.de über die Saison und die Zukunft.

Oral muss zum Trainerlehrgang

Urlaub gibt es für den Teamchef, der zuletzt sechsmal in Folge mit einer von ihm betreuten Mannschaft aufgestiegen war, nicht: Oral muss seinen Trainerschein machen.

Kein Wunder, dass er sich lange mit seinem Gegenüber Holger Stanislawski unterhielt, der diesen Spagat zwischen Köln und Klub in der abgelaufenen Saison machen musste.

Sport1: Wie beurteilen Sie den Klassenerhalt?

Tomas Oral: Der Klassenerhalt ist für uns wie ein Wunder. Das ist vergleichbar mit der Meisterschaft des VfL Wolfsburg. Nach 15 Spieltagen hatten wir neun Punkte. Wir waren doch schon tot.

Sport1: Was war der Grund für den Aufschwung?

Oral: Wir haben eine überragende Rückrunde gespielt. Das war mehr als eine Sensation. Und dann möchte ich mich bei den Klubs bedanken, die sich am Saisonende nicht hängen lassen haben. Für Duisburg ging es gegen unseren Konkurrenten Osnabrück um gar nichts, trotzdem haben sie klar gewonnen.

Sport1: Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie gedacht haben, wir können es ja doch noch schaffen?

Oral: Nein. Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben. Die Mannschaft hat ja viele Spiele nur knapp verloren und war oft nicht das schlechtere Team. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt, aber das hat sich gelohnt. In der Rückrunde haben wir zu Hause acht Mal gewonnen und einmal Unentschieden gespielt. Ich bin stolz auf meine Mannschaft.

Sport1: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass es auswärts nicht ähnlich klappte und Sie als gern gesehener Gast die Punkte meist dagelassen haben?

Oral: Auswärts haben wir immer gegen zwölf Mann gespielt. Die Atmosphäre in fremden Stadien beeindruckt die Jungs doch sehr. Richtig ist, dass das WM-Stadion in Frankfurt zu groß ist. Ich freue mich schon auf die Rückkehr in unser umgebautes Stadion.

Sport1: Mit Wehen als Absteiger und Osnabrück in der Relegation sind zwei Teams in der Abstiegszone, die vor zwei Jahren aufgestiegen sind. Das sogenannte schwierigste zweite Jahr steht dem FSV bevor. Wird es nicht noch härter?

Oral: Nein, so eine Saison wie diese wollen wir nicht noch einmal erleben. Schwieriger kann es gar nicht werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nicht noch einmal so eine stressige Aufholjagd mitmachen müssen.

Sport1: Ist es ein Nachteil, dass Sie erst so spät die kommende Saison planen können, da man nicht wusste, in welcher Klasse es weitergeht?

Oral: Viel schlimmer war, dass wir im Winter nicht ernsthaft für die Zweite Liga planen konnten. Daher blieben viele Themen liegen. Allein bei zwölf unserer Spieler läuft der Vertrag aus. Da muss es in den nächsten Tagen viele Gespräche geben.

Sport1: Was hat sich nach dem Aufstieg verändert?

Oral: Hauptsächlich, dass die Zuschauer in Frankfurt auf den FSV aufmerksam werden. 500 haben uns nach Hamburg begleitet, so viele hatten wir vor nicht allzu langer Zeit bei Heimspielen.

Sport1: Wie geht es für Sie weiter? Machen Sie wenigstens ein paar Tage Urlaub?

Oral: Nein, Urlaub gibt es nicht. Die Saison muss nachbereitet werden, am 29. Mai steht meine Hochzeit bevor, da ist noch einiges zu organisieren, und fünf Tage später beginnt in Köln der Trainerlehrgang.

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