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Reichenberger spielte in der Bundesliga für Leverkusen, Frankfurt und Cottbus © imago

Vor dem Relegations-Derby gegen Paderborn spricht Osnabrücks Reichenberger über fußballverrückte Osnabrücker und den Gegner

Von Christian Stüwe

München/Osnabrück - Thomas Reichenberger galt lange als "Wandervogel".

Doch beim VfL Osnabrück hat der Stürmer (Spielerporträt) nach zahlreichen Vereinswechseln seine sportliche Heimat gefunden. Gemeinsam mit dem extrovertierten Trainer Claus-Dieter "Pele" Wollitz ist er das Aushängeschild des Vereins.

2007 stieg Reichenberger mit Osnabrück in die Zweite Liga auf und erzielte in der ersten Saison gleich 16 Tore.

Im Moment allerdings leidet der 34-Jährige an Ladehemmung. Seit Mitte März hat er nicht mehr getroffen.

Dabei kommt es gerade jetzt drauf an. In zwei heißen Relegationsderbys gegen den SC Paderborn (ab 20.15 Uhr LIVE) gilt es, die Zweite Liga im zweiten Jahr der Liga-Zugehörigkeit zu sichern.

Im Sport1.de-Interview spricht Reichenberger über die fußballverrückten Osnabrücker, Trainer Pele Wollitz, Gegner Osnabrück und das spannende Derby gegen Paderborn.

Sport1.de: Herr Reichenberger, Relegationsspiele an und für sich haben schon einen besonderen Charakter. Für Osnabrück stehen nun auch noch zwei Derbys gegen Paderborn an. Wird die Situation dadurch noch heißer?

Thomas Reichenberger: Sicherlich ist da noch mal ein bisschen mehr Brisanz drin. Auf der anderen Seite kann uns die gewisse räumliche Nähe nur zu Gute kommen. Denn wir können fast von zwei Heimspielen ausgehen. Denn unsere Fans werden sicherlich auch in Paderborn das Stadion rocken.

Sport1.de: Allerdings waren die zahlreichen mitgereisten Fans nach dem 1:4 in Duisburg verstimmt, glauben Sie dennoch an die gewohnt starke Unterstützung?

Reichenberger: Das hoffen wir. Wir waren auch enttäuscht. "Pele" ist direkt auf den Zaun gestiegen und hat versucht die Fans zu kriegen, indem er ihnen gesagt hat: "Lasst uns jetzt nicht zwei Spiele vor Schluss aufeinander eindreschen. Lasst uns weiter in die gleiche Richtung gehen." Ich glaube, das ist ganz gut angekommen. Außerdem wissen wir, dass in dieser Stadt viel mehr passieren muss, als nur eine Niederlage, damit die Fans uns nicht mehr unterstützen.

Sport1.de: Aber ist das 1:4 in den Köpfen der Spieler hängengeblieben?

Reichenberger: Grundsätzlich haben wir uns in solchen Situationen noch mehr zusammengerauft als es ohnehin schon der Fall war. Ich sehe auch keinen Grund, warum wir uns auseinanderdividieren sollten. Am Mittwoch hat der absolute Countdown begonnen. Wir werden uns ordentlich vorbereiten und hart arbeiten und dann voll da sein.

Sport1.de: Sind Sie als erfahrener Spieler jetzt besonders gefragt?

Reichenberger: Ja natürlich. Wir haben mehrere erfahrene Jungs. Thomas Cichon oder Mathias Surmann. Wir sind alle gefragt, dass wir unsere Erfahrung mit einbringen. Wir müssen auch Ruhe ausstrahlen auch die etwas nervöseren Charaktere. Aber zuviel Ruhe darf auch nicht sein, es muss auch eine gewisse Anspannung geben. Wir müssen die richtige Mischung finden.

Sport1.de: Wie sieht die Vorbereitung aus? Üben sie etwas Spezielles?

Reichenberger: Nein. Das würde nicht zu uns und auch nicht zu "Pele" passen. Wenn man ihn manchmal so am Spielfeldrand sieht, könnte man denken, dass er in einer solchen Situation ganz besonders komische Sachen macht. Aber wenn man ihn ein bisschen kennt, weiß man, dass er in solchen Situationen zu 1000 Prozent da ist. Er wirft nicht alles um, er weiß genau, was das Richtige ist. Er wird sicher die richtigen Worte finden.

Sport1.de: Sehen Sie sich als klassenhöheren Klub im Vorteil?

Reichenberger: Letztlich ist das ein 50:50-Spiel. Paderborn hat eine gute Saison gespielt. Sie sind in der Dritten Liga, die ja auch nicht so ganz ohne ist, auf den Relegationsplatz gekommen. Wir waren in der Zweiten Liga sicherlich grundsätzlich auch eine Bereicherung, haben es aber nicht gepackt, die entscheidenden Punkte einzufahren. Deswegen ist in solchen Spielen alles drin. Aber speziell auf die Frage sage ich trotzdem, dass wir einen kleinen Vorteil haben. Weil wir in der Zweiten Liga ein höheres Spieltempo hatten und eine höhere Konzentration haben mussten. Das sollte uns in die Karten spielen.

Sport1.de: Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen von Paderborn?

Reichenberger: Das wird uns der Trainer sicherlich bis zum Spiel genau gesagt haben.

Sport1.de: Ist es ein Vorteil, zuerst auswärts zu spielen?

Reichenberger: Grundsätzlich schon. Auch in den europäischen Wettbewerben wird es ja bevorzugt, zuerst auswärts zu spielen. Es sollte auf keinen Fall ein Nachteil sein, dass zweite Spiel an der Bremer Brücke zu haben. Dafür müssen wir aber zunächst in Paderborn bestehen.

Sport1.de: Vor dem Spiel gegen Duisburg hat "Pele" Wollitz gesagt, "meine Mannschaft ist verrückt, ich bin verrückt. Schreiben sie uns nicht ab." Was genau hat er damit gemeint?

Reichenberger: Da muss man sich nur ein paar Spiele von uns anschauen. Wir zeigen in jedem Spiel alle Facetten, die man zeigen kann. Von richtig gut bis richtig schlecht. Vom guten Spiel bis zum grauenhaften Spiel. Irgendwie passt das zu uns. Das ist aber trotzdem unser Stil. Wir wollen immer nach vorne kommen. Wir suchen uns Heil immer in der Offensive und da braucht man ein bisschen positive Verrücktheit.

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