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Club-Präsident Michael A. Roth (r.) und Trainer Michael Oenning © getty

Bei Sport1.de spricht der Club-Chef Michael A. Roth vor dem Relegations-Rückspiel über die mögliche Rückkehr in die Bundesliga.

Von Conny Konzack

München - Er beschäftige schon erfahrene Trainergrößen wie Klaus Augenthaler, Wolfgang, Wolf, Hans Meyer, Thomas van Heesen - oder Felix Magath.

Aber ausgerechnet ein Trainer-Nobody, seine mittlerweile "Interims-Dauerlösung" Michael Oenning, macht Michael A. Roth, 73, am meisten Spaß.

Kein Wunder: Der 43jährige Coach, der selbst nie in der Bundesliga kickte, dafür Sport und Germanistik studierte und kurz vor seiner Doktorarbeit doch den Trainerjob wählte, versetzte den umtriebigen "Patriachen-Präsidenten" des 1.FC Nürnberg am Freitagabend in gute Laune.

3:0 gewann der Club im Relegations-Hinspiel bei Energie Cottbus und steht unmittelbar vor der Rückkehr in die Bundesliga. (zum Spielbericht)

Roth blickt im Sport1.de-Interview auf das Relegations-Rückspiel am Pfingstsonntag (ab 15 Uhr LIVE) - und ein wenig draüber hinaus.

Sport 1.de: Herr Roth, Ihr Interimstrainer erweist sich als Glückgriff. Was schätzen Sie so an Michael Oenning?

Michael A. Roth: Seine Ruhe und Gelassenheit. Der flippt bei Erfolgen nicht gleich aus, das hat man ja Freitagabend nach dem 3:0 gegen Cottbus gesehen. Er blieb angenehm zurückhaltend und bescheiden, weil er intelligent ist: Der weiß am allerbesten, das man auch das Heimspiel gerade wegen der drei Tore jetzt nicht allzu leicht nehmen darf. Aber Michael Oenning nimmt nichts auf die leichte Schulter und hat alles gut im Griff. Die Spieler vor allem...

Sport 1.de: Bleibt er denn nun ihr Trainer?

Roth: Ja, freilich, warum nicht? Er hat ja noch einige Jahre Vertrag bei uns, obwohl wir am Anfang mit ihm natürlich ein gewisses Risiko eingegangen sind. Michael Oenning war zwar beim württembergischen und deutschen Fussballverband als Nachwuchstrainer tätig, aber wir wussten zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung ja nicht, wie er sich in seinem ersten Job als Vereinstrainer in der Bundesliga entwickelt. Die Feuertaufe hat er jetzt schon bestens bestanden, wir sind sehr zufrieden mit ihm und denken, er ist es auch.

Sport 1.de: Oenning sagte aber schon vor dem 3:0 in Cottbus, dass die Relegationsspiele und die Bundesliga für die vielen jungen Spieler in Ihrer Mannschaft vielleicht ein Jahr zu früh kommen.

Roth: Wieso? Sicher haben wir eine relativ junge Mannschaft, aber sie ist absolut tauglich für die erste Liga und ich denke, wir müssen nicht viel ändern und vielleicht nur zwei, drei Spieler holen - wenn wir aufsteigen!

Sport1.de: Sie sind noch vorsichtig?

Roth: Naja, ich hab ja in über drei Jahrzehnten mit dem Club schon viel erlebt. Alleine sechs oder sieben Abstiege und Wieder-Aufstiege. Höhen und Tiefen. Aber ich glaube, Sonntag lassen wir nichts mehr anbrennen.

Sport 1.de: Ist der Club denn endlich mal dafür gerüstet, längerfristig erstklassig zu bleiben?

Roth: Das möchte ich noch erleben! Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Die Mannschaft samt Trainer ist wie gesagt meines Erachtens dafür gerüstet und wirtschaftlich stehen wir sehr gut da. Der Club erfüllt alle Kriterien für die erste Liga, ist wirtschaftlich abgesichert und vor allem schuldenfrei. Viele Vereine, die aufsteigen, fangen ja sportlich und wirtschaftlich von vorne an, das ist bei uns nicht der Fall. Ich habe gerade in Cottbus gesehen, dass es anderen Clubs nicht so gut geht wie uns.

Sport1.de: Aber das Nervenkostüm Ihrer treuen Fans, die man mit denen von Schalke, 1860 München oder St. Pauli vergleichen kann, wurde immer arg strapaziert:

Roth: Ja, sicherlich stimmt das. Aber die Nürnberger sind das schon gewohnt, immer wieder durch Höhen und Tiefen gehen zu müssen. Wir sind halt ein besonderer Bundesligaverein und ich denke, die Club-Fans haben in ganz Deutschland mehr Freude mit dem Verein als Sorgen.

Sport 1.de: Apropos: Haben Sie noch einen Plan B für die Zweite Liga in der Schublade.

Roth: Sicherlich! Noch habe ich ihn und es wäre meines Erachtens auch keine Schande gewesen, wenn wir noch ein Jahr in der Zweiten Liga geblieben wären. Aber jetzt direkt aufzusteigen, ist mir natürlich auch lieber. Das war ja auch unser Saisonziel.

Sport 1.de: Mußten Sie eigentlich immer hart kämpfen, um Stars wie beispielsweise Mintal zu halten?

Roth: Nein, weil er erstens noch zwei Jahre Vertrag bei uns hat, den wir möglicherweise bald sogar noch um ein Jahr verlängern, und weil er zweitens treu ist. Einer wie Mintal hält sein Wort, das ist ein ganz echter, der auch auf dem Teppich bleibt.

Sport1.de: Was müßte denn der Club diesmal anders machen, um ganz oben zu bleiben?

Roth: Das ist die Frage aller Fragen. An der Mannschaft müssen wir nicht viel ändern, die Leistung gegen Cottbus kam ja nicht von ungefähr und es sollte uns - wenn wir aufsteigen - auch gelingen, dass wir in der ersten Bundesliga schneller von den Abstiegsplätzen wegkommen, als das bisher oft der Fall war. Wirtschaftlich? Wenn man so zwischen 50 und 100 Millionen zur Verfügung hätte, wie es bei Wolfsburg der Fall war, lässt sich natürlich leichter etwas aufbauen.

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