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Michael Oenning gibt beim Club wohl schon bald die Richtung vor - als neuer Trainer © imago

Was hatten sie gemauert beim 1. FC Nürnberg: Doch nun läuft es ungemein offen auf Michael Oenning hinaus als neuen Trainer.

Von Christian Paschwitz

Nürnberg - Eigentlich wollen sie beim "Club" nichts überstürzen bei ihrer Suche nach einem neuen Trainer.

So zumindest hatte es Martin Bader noch am Freitag formuliert. "Wir haben alle Interessenten auf einen Zeitpunkt nach dem Wochenende vertröstet", präzisierte der Sportdirektor des 1. FC Nürnberg, der sich tags zuvor mit Trainer Thomas von Heesen darauf verständigt hatte, nach nur sieben Monaten schon wieder getrennte Wege zu gehen.

Was dessen Nachfolge angeht, so Bader, sei der bisherige Co-Trainer Michael Oenning eine Option, "über die nachgedacht wird". Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Durch die Länderspielpause bestehe ohnehin "keine akute Not", befand Bader.

Inzwischen allerdings und nach nur vier Punkten als Bilanz dreier Spieltage bringt Nürnbergs Sportdirektor den Kandidaten Oenning unerwartet stark in Position als ersten Anwärter für den Trainer-Job beim letztjährigen Bundesliga-Absteiger. Die Wahrscheinlichkeit, dass der 42-Jährige die volle sportliche Verantwortung übertragen bekommt, sei "sehr, sehr hoch", sagte Bader nun im Bayerischen Fernsehen.

Bader spricht vom neuen Weg

Und auch andere Aussagen des Sportdirektors sprechen für Oenning: "Warum immer die üblichen Verdächtigen? Warum sollte man nicht einmal einen neuen Weg gehen?" Was durchaus so verstanden werden kann, als dass man in Nürnberg mittlerweile die Nase voll davon hat, stets prominente Trainer zu verpflichten. Die woanders gescheitert sind. Und die auch in Nürnberg letztlich nichts bewegen.

Gen null gesunken scheinen damit offenbar die Job-Chancen von Mirko Slomka, Thomas Doll, Winfried Schäfer, Falko Götz oder Markus Schupp. Ebenso die der unmittelbar nach von Heesens Rücktritt gehandelten Wolfgang Sidka und Petrik Sander. Sowie die der ehemaligen Club-Trainer Wolfgang Wolf und Hans Meyer. Dabei war alles, was Rang oder zumindest Namen hat und derzeit arbeitslos ist, zunächst durch die Nürnberger Gassen getrieben worden.

Finke fällt raus

Ganz rausgefallen aus dem Kandidaten-Karussell ist neben den ohnehin abgelehnten Peter Neururer und Lothar Matthäus derweil auch Volker Finke. "Er passt nicht nach Nürnberg", meinte via Abendzeitung Präsident Michael A. Roth, in dessen 18-jähriger Amtszeit bereits 15 Übungsleiter verschlissen wurden. Nicht zuletzt auch immer wieder gern mal wegen Roths persönlicher Differenzen mit dem sportlichen Leiter. So war es auch bei von Heesen.

Bei Oenning könnte die menschliche Gemengelage harmonischer ausfallen. Denn Roth meint über den gebürtigen Münsterländer: "Oenning war nie von Heesens Lakai." Gegen ihn spreche auch nicht, dass er im vergangenen Februar zusammen mit von Heesen zum Club gekommen sei. Was genau stark für die Berufung des bisherigen Co-Trainers zum Chefcoach gelten kann: "Wir sprechen mit niemandem", sagt Roth. "Außer mit Michael Oenning."

Respekt auch von Roth

Ein Fingerzeig: Bei dem streitbaren Roth ist Oenning ("Ich mag Menschen, die eine Meinung haben") demnach schon mal wohl gelitten. Obwohl Roth nach dem missratenen Saisonstart die Nürnberger Profis ? und damit auch Oenning ? in die Pflicht nimmt: "Bisher hat das Team noch nicht geglänzt. Da muss jetzt was kommen", mahnte Roth in der "Bild".

Oenning selbst, beim 2:2 am vergangenen Sonntag gegen Aachen schon als Interimslösung auf der Bank, erfüllt allerdings umso besser das Anforderungsprofil an den neuen Mann. Weil er einen guten Draht zur Mannschaft hat, wie Torwart Raphael Schäfer zugibt: "Er hat uns in ganz kurzer Zeit wieder Spaß am Spiel vermittelt."

Akzeptanz der Fans

Mindestens genauso wichtiges Kriterium indes für das Engagement beim Traditionsverein: Oenning fühlt sich wohl in Franken. Ihm wird nachgesagt, sich mit Leib und Seele dem Club zu verschreiben. Und gerade dafür dürfte er - anders als von Heesen ? auch von den Anhängern voll akzeptiert werden. Die Sprache der Masse spricht Oenning sowieso: Nach der WM 2002 war der studierte Germanist mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Wegen seiner fachlichen wie eloquenten Spielanalysen.

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