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Hans-Hermann Schwick ist seit 1991 Präsident von Arminia Bielefeld © getty

Am Ende einer chaotischen Jahreshauptversammlung überlegt es sich der eigentlich schon zurückgetretene Präsident Schwick anders.

München - Der Präsident ist weg, es lebe der Präsident.

Hans-Hermann Schwick hat am Montag wie vorher angekündigt seinen Rücktritt vollzogen - um am Ende des Abends für zwei Jahre wiedergewählt zu werden. (Schwick: Rücktritt vom Rücktritt)

Dazwischen lag eine Jahreshauptversammlung, die mit den Worten "Chaos total" noch zurückhaltend umschrieben ist.

"Reif für Hollywood" nennt sie die "Neue Westfälische". Aber eher noch würde man das, was in Bielefeld ablief, im absurden Theater vermuten.

Zunächst zwei Gegenkandidaten

Was war passiert? Eigentlich sollte nach Schwicks Rücktritt die Nachfolgeentscheidung zwischen Aufsichtsratsmitglied Klaus Daudel und dem Unternehmensberater Dirk Obermann fallen.

Den hatte die Oppositionsgruppe "Kritische Arminen" in Stellung gebracht, weil ihnen der designierte Schwick-Nachfolger Daudel - der von einer Gruppe regionaler Unternehmergrößen gestützt wurde - zu nah am bisherigen Vorstand war.

Obermann überrascht mit Kompromiss

Obermann überraschte die Mitglieder jedoch bei der Versammlung mit der Ankündigung, dass man einen Kompromiss gefunden hätte, um eine Kampfabstimmung zu vermeiden.

Daudel sollte gewählt werden und mit einer Führungsriege ins Rennen gehen, in der Vertreter beider Lager vereint worden wären.

Daudel in der Kritik

Doch bei dieser Absprache machten die Mitglieder nicht mit - wohl deshalb, weil Daudel vor der Versammlung schon viel Porzellan zerschlagen hatte.

Daudel hatte vor der Versammlung scharf gegen seine Gegner geschossen: "Die Kritischen Arminen zerstören viel. Auch durch ihr Aufbauschen im Internet behindern sie unsere Arbeit?, hatte er erklärt: "Ich betrachte sie als Opposition, nicht als Arminen."

Dazu verärgerte er einige auch mit seiner recht unwirschen Absage an den von außen ins Spiel gebrachten Trainerkandidaten Lothar Matthäus, den er als "ungebetenen Gast" verspottete.

Plötzlicher Sinneswandel

Während der Versammlung bekam Daudel dann hörbaren Unmut zu spüren.

Seine Vorstellung wurde immer wieder von Buhrufen unterbrochen, es zeichnete sich ab, dass er den Arminen nicht vermittelbar war.

Als Obermann diese Stimmung bemerkte, ging er plötzlich doch wieder in die Offensive.

Er ließ unter dem Jubel der Mitglieder wissen, dass er "seine Kandidatur noch nicht zurückgezogen" habe und hielt fest: "Ich halte mich für den besseren Präsidenten."

Beide Kandidaten ziehen zurück

Wenig später unterbrach Versammlungsleiter Michael Vesper die Szenerie für eine halbe Stunde.

Es folgte der nächste Hammer: Daudel und Obermann, die sich nun beide verbrannt hatten, zogen ihre Kandidatur zurück.

Obermann, so berichtet die "Neue Westfälische" hatte offenbar Signale erhalten, dass er nicht auf rückhaltlose Unterstützung der Bielefelder Wirtschaft hätte zählen können.

Schwick mit knapper Mehrheit gewählt

An der Spitze der neuen Kompromissmannschaft stand der eben zurückgetretene Schwick.

Mit 904:865 wurde Schick dann gewählt - ein deutliches Zeugnis eines zerrissenen Vereins.

Das Wahlergebnis, das erst lange nach Mitternacht bekanntgegeben werden konnte, wurde dann auch von Pfiffen begleitet: Ein großer Teil der Fans wünschte offenbar einen klareren Neuanfang.

Slomka: "Ich bin es nicht"

Den zuletzt als Trainerkandidat gehandelten Mirko Slomka zieht es derweil wohl nicht nach Bielefeld.

"Wenn der Verein bis zum Trainingsauftakt am Donnerstag den Neuen vorstellen will, kann ich sagen: Ich bin es nicht. Es ist momentan sehr unwahrscheinlich, dass ich Arminia-Trainer werde", erklärte der ehemalige Schalke-Coach.

Es habe seit dem ersten Gespräch mit Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier keinen Kontakt mehr gegeben und "ich glaube auch nicht, dass es noch zu einer weiteren Kontaktaufnahme kommen wird".

Mit dem Chaos auf der Jahreshauptversammlung habe das nichts zu tun: "Ich bin noch nicht informiert, was dort passiert ist."

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