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Uwe Neuhaus trainiert Union Berlin seit dem Jahr 2007 © imago

Im Sport1.de-Interview schildert Uwe Neuhaus seine persönlichen Ambitionen und die Möglichkeiten von Union Berlin.

Von Robert Gherda

München - Union Berlin hatte kein Experte auf der Rechnung, als es vor der vergangenen Saison um die Aufstiegskandidaten der neu geschaffenen Dritten Liga ging.

Doch die "Eisernen" waren unter Trainer Uwe Neuhaus die Konstante und wurden souverän Meister. Für den Trainer war es bereits der zweite Aufstieg in die Zweite Liga, nachdem er 2005/06 bereits Rot Weiss Essen in den Profifußball führte.

Mit einem neuen Stadion im Rücken und einer nur punktuell verstärkten Aufstiegsmannschaft will der Verein in der kommenden Saison weiter für Furore sorgen.

Im Sport1.de-Interview spricht Neuhaus über die bisherige Vorbereitung, das Saisonziel, die Rolle der Fans beim Stadionumbau und seine persönlichen Ambitionen als Trainer.

Sport1.de:Herr Neuhaus, Ihre Mannschaft ist in der vergangenen Saison souverän Erster in der Dritten Liga geworden. Hat Sie die Art und Weise des Aufstiegs überrascht?

Uwe Neuhaus: Sicherlich war damit in dieser Art und Weise nicht zu rechnen. Wir haben eine Souveränität an den Tag gelegt, die schon erstaunlich und beeindruckend war.

Sport1.de: Worauf führen Sie diese Dominanz zurück?

Neuhaus: Wir waren die konstanteste Mannschaft von allen und hatten eine klasse Abwehr. Wir haben von den 38 Spielen 21-mal zu Null gespielt. Das ist ein überragender Wert. Unser größtes Plus war zusätzlich unsere Eingespieltheit. Im Vergleich zur Saison davor haben wir uns nur punktuell verstärkt. Somit waren die Spielabläufe bereits sehr gut einstudiert.

Sport1.de: Nach Dominic Peitz, Björn Brunnemann und Bernd Rauw ist vor der aktuellen Saison mit John Jairo Mosquera nun der vierte neue Spieler verpflichtet worden. Was versprechen sie sich von ihm?

Neuhaus: Er ist ein Spieler, der uns sportlich helfen kann. Wir brauchten auf der Stürmer-Position noch jemanden.

Sport1.de: Wie läuft die Vorbereitung auf die anstehende Zweitliga-Saison, wie weit ist Ihr Team?

Neuhaus: Es ist schwer zu sagen, wie weit wir letztendlich sind. Wir haben bisher sehr ordentlich gearbeitet. Die Mannschaft zieht super mit, und wir haben bisher kaum Ausfälle. Das ist schon erstaunlich und darauf können wir sicherlich aufbauen, wenn es vor dem Pokalspiel gegen Bremen darum geht, dem Team den nötigen Feinschliff zu verpassen.

Sport1.de:Sie haben fast alle Leistungsträger bei Union gehalten. Was ist in der neuen Saison für Berlin möglich?

Neuhaus: Der Ziel ist natürlich der Klassenerhalt. Das haben wir so formuliert, es erscheint uns realistisch. Alles andere würde nur die Erwartungshaltung im Umfeld erhöhen und somit auch den Druck auf die Mannschaft verstärken. Ich denke auch, dass jeder hier zufrieden wäre, wenn wir die Klasse halten.

Sport1.de:Welche Bedeutung hat das neu ausgebaute Stadion für die Mannschaft?

Neuhaus: Das muss man schon differenziert betrachten. Die Stimmung ist im neuen Stadion durch das Dach gigantisch. Doch es wird ungleich schwerer, auf dem Platz noch Anweisungen an die Mannschaft weiterzugeben. Zudem muss man abwarten, wie die Spieler mit der neuen Atmosphäre umgehen. Sie dürfen nicht undiszipliniert werden und die Defensivarbeit vernachlässigen. Es kann auch nach hinten losgehen. Aber wir erhoffen uns schon, dass wir mit der Unterstützung der Fans das eine oder andere Pünktchen mehr holen können.

Sport1.de: Apropos Fans: Die haben bei diesem Projekt tatkräftig mitgeholfen. Was sagen Sie dazu?

Neuhaus: Der Wortschatz gibt keine Superlative mehr her, um das zu beschreiben. Es ist schon wirklich bemerkenswert, welches Leiden die Fans auf sich genommen haben, bei eisigem Wetter ohne Bezahlung mitzuhelfen. Die Fans haben sich hier wirklich selbst ein Denkmal gesetzt, von dem sie ein ganzes Leben zehren können. Das ist eine einmalige Leistung, die hier vollbracht wurde.

Sport1.de: Was sind Ihre persönlichen Ziele bei Union, ist der Bundesliga-Aufstieg in naher Zukunft möglich?

Neuhaus: Das muss man von Jahr zu Jahr neu beurteilen. Mein persönliches Ziel ist natürlich die Bundesliga. Wenn es mit Union gelingt, wäre es umso schöner. Aber vorher muss man erst vernünftig arbeiten, die Klasse halten und sehen, wie sich die Gesamtstruktur des Vereins verändert. Ich bin der Meinung, dass das mit den Möglichkeiten, die hier bestehen, nicht utopisch ist. Aber die Erste Liga ist schon noch mal ein Quantensprung. Da muss man sich sportlich Stück für Stück nach vorne arbeiten. Dieser Prozess wird sicherlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen und kann nicht in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Sport1.de: In Ihrer Zeit als Co-Trainer bei Borussia Dortmund haben sie an der Seite von Trainern wie Matthias Sammer oder Udo Lattek gearbeitet. Haben Sie sich von denen etwas abgeschaut?

Neuhaus: Natürlich schaut man sich bei jedem Trainer etwas ab ? positiv wie negativ. Auch von Trainern, die man als Spieler hatte. Aber letztlich muss man doch versuchen, seinen eigenen Weg zu gehen. Es ist aber schon so, dass ich meine Zeit in Dortmund sicherlich nicht missen möchte. Sie hat mir persönlich sehr geholfen.

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