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Ewald Lienen gewann 1979 mit Mönchengladbach den UEFA-Pokal © getty

Ewald Lienen über das Fanpotenzial, die Rahmenbedingungen des Klubs und die Umbauarbeiten im Kader der Münchner "Löwen".

Von Thorsten Mesch

München - Die zweite Runde des DFB-Pokals haben die Münchner "Löwen" durch ein 1:0 in Paderborn erreicht (glücklicher Sieg für 1860) , und mit Kenny Cooper auch die gewünschte Verstärkung im Sturm unter Dach und Fach. (1860 verpflichtet Cooper)

Die Voraussetzungen vor dem Zweitliga-Auftakt am Sonntag gegen TuS Koblenz (ab 13.15 Uhr LIVE ) sind gut.

Im Sport1.de-Interview spricht 1860-Trainer Ewald Lienen über den Cooper-Transfer, das Fanpotenzial bei 1860, die Rahmenbedingungen des Klubs und die Gründe für die umfangreichen Umbauarbeiten im Kader.

Sport1.de: In der vergangenen Saison haben sie die Begeisterung der 1860-Fans in der Allianz Arena schon selbst miterlebt. Beim "Giesinger Heimatabend" waren Sie kürzlich zum ersten Mal bei einem Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße. Wie haben Sie die Atmosphäre dort empfunden?

Ewald Lienen: Als sehr gut. Es war ein schöner Abend für alle. Für die Fans, die etwas in Nostalgie schwelgen konnten, und für uns, weil wir das Spiel gewonnen haben. ("Löwen" schlagen Real Mallorca)

Sport1: Ihre letzten Stationen in Deutschland waren in der Bundesliga. Was hat Sie an 1860 gereizt?

Lienen: Die Perspektive. 1860 ist ein schlafender Riese. Das Fanpotenzial ist groß, die Rahmenbedingungen sind bundesligatauglich.

Sport1.de: Nach dem 1:0 gegen Mallorca haben Sie die Erwartungen gedämpft und gesagt, die erste Halbzeit sei fürchterlich gewesen und habe "mit dem Fußball, den wir uns vorstellen, nichts zu tun" gehabt. Wie stellen Sie sich denn den Fußball Ihres Mannschaft konkret vor?

Lienen: Dass wir den Ball laufen lassen, dass wir versuchen, das Spiel aktiv zu gestalten: Dazu müssen wir uns aber viel bewegen, jeder muss anspielbar sein, das ist die Grundvoraussetzung. Und natürlich, dass wir erfolgreich spielen.

Sport1.de: War die Mannschaft in den letzten Jahren von der Zusammensetzung her nicht reif genug für eine Rückkehr in die Bundesliga?

Lienen: Ich möchte nicht über die Vergangenheit sprechen. Wir, damit meine ich Geschäftsführer Manfred Stoffers, Sportdirektor Miki Stevic und ich, haben eine Mannschaft zusammengestellt, die erfolgreich Fußball spielen und die Ziele des Klubs realisieren soll.

Sport1.de: Einige junge Spieler wurden abgegeben, erfahrenere Profis wurden geholt. Eine Abkehr von der alten Philosophie?

Lienen: Alte oder neue Philosophie, das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist am Ende eine erfolgreiche Philosophie.

Sport1.de: Waren die "Umbauarbeiten" in dieser Form notwendig?

Lienen: Wir wollen ja nicht wieder Zwölfter in der Zweiten Liga werden, sondern wesentlich besser abschneiden.

Sport1.de: Mit Kenny Cooper haben Sie noch einen Stürmer verpflichtet. Wie würden Sie ihn charakterisieren und wie passt er zu den anderen Angreifern?

Lienen: Kenny ist ein Stürmer, der Präsenz auf dem Platz hat und auch technisch sehr gut ist. Er ist schnell, kopfballstark und torgefährlich im Strafraum. Als Stürmer bringt er alles mit, was wir uns vorgestellt haben. Er ist nicht nur der klassische Strafraumspieler, sondern bringt viele Qualitäten mit. Wir sind froh, dass Kenny jetzt bei uns ist.

Sport1.de: War seine Leistung beim Gold Cup ausschlaggebend oder bestand der Kontakt schon länger?

Lienen: Wir haben uns in der Tat schon länger mit Kenny beschäftigt und natürlich viele DVDs von ihm gesehen. Der Kontakt kam über einen sehr guten Berater zustande, der uns den Spieler empfohlen hat.

Sport1.de: Sind damit die Transferaktivitäten für den Sommer abgeschlossen?

Lienen: Wir machen uns noch Gedanken über die eine oder andere Position, die uns aufgrund von Verletzungen noch Sorgen bereitet.

Sport1.de: Kann Florin Lovin, der ja sogar Champions-League-Erfahrung hat, der Kopf der Mannschaft werden? (Internationale Erfahrung statt Jugendwahn)

Lienen: Er kann und wird eine wichtige Rolle ausfüllen innerhalb der Mannschaft, so wie viele andere Spieler auch.

Sport1.de: Wie stehen die Chancen für Lars Bender, der den Verein nach der Saison in Richtung Leverkusen verlassen wird? Warum soll er nicht zur U-20-WM reisen?

Lienen: Lars ist ein wichtiger Spieler für uns. Wir brauchen ihn hier, um unsere Ziele zu verwirklichen. Und unser Ziel ist nicht, U-20-Weltmeister zu werden.

Sport1.de: Um den TSV 1860 herum wird es selten ruhig. Von Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt ist es auch nie weit. Wie begegnen Sie übertriebener Euphorie und extremer Kritik?

Lienen: Mit sachlicher Analyse. Ich weiß, dass die Fans mitleben, und das ist auch gut so. Das macht ja den besonderen Reiz in diesem Verein aus.

Sport1.de: Ist 1860 von den Voraussetzungen und dem Umfeld/Fans her mit anderen Stationen Ihrer Laufbahn zu vergleichen, zum Beispiel mit Köln?

Lienen: Absolut. Beide Klubs haben ein ähnliches Fanpotenzial und das Medieninteresse ist entsprechend groß.

Sport1.de: Den FC haben Sie vor neun Jahren in die Bundesliga geführt. Zuletzt haben Sie gesagt: "Dass wir aufsteigen wollen, ist selbstverständlich." Ist es auch schon machbar?

Lienen: Es bringt nichts, permanent über den Aufstieg zu sprechen. Wir müssen hart arbeiten, jeden Tag, jedes Spiel, denn wir haben eine verdammt schwere Saison vor uns.

Sport1.de: Wie beurteilen Sie die Stärke der Liga im Vergleich zu den vergangenen Jahren?

Lienen: Die Liga ist sehr ausgeglichen, wie in den vergangenen Jahren auch. Sie ist sicher wieder eine der stärksten Zweiten Ligen in Europa, wenn nicht sogar die stärkste.

Sport1.de: In Griechenland waren Sie 2007 "Trainer des Jahres". Welche speziellen Erfahrungen haben Sie dort gemacht und was fließt davon in Ihre Arbeit in Deutschland ein?

Lienen: Ich habe bei all meinen Stationen positive wie negative Erfahrungen gemacht, arbeite jetzt mittlerweile 16 Jahre als Trainer. Man lernt immer wieder Neues, langweilig wird es sicher nie.

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