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Pele Wollitz gewann als Spieler 1996 mit dem 1. FC Kaiserslautern den DFB-Pokal © getty

Der neue Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht über seine Mannschaft, Ambitionen und warum er gern wie Bayern München wäre.

Von Martin van de Flierdt

München - Bei Energie Cottbus ist der Trainer der Star:

Neu-Coach Claus-Dieter "Pele" Wollitz hat schon in den ersten Wochen für Aufbruchstimmung beim Bundesliga-Absteiger gesorgt.

"Pele ist lauter, mitreißender, erzeugt eine andere Stimmung. Das ist wichtig und dringend notwendig", sagt Präsident Ulrich Lepsch über den Nachfolger von Bojan Prasnikar.

Trotzdem sind die Lausitzer skeptisch, ob es die direkte Rückkehr ins Oberhaus gelingt.

Auch Wollitz, im Vorjahr mit dem VfL Osnabrück aus der Zweiten Liga abgestiegen, zeigt sich im Gespräch mit Sport1.de vor dem Saison-Auftakt am Sonntag gegen den FC Augsburg zurückhaltend.

Zudem spricht der Ex-Profi über die schlechte Außendarstellung der Cottbusser, die Defizite im Kader und die Ziele.

Sport1.de: Herr Wollitz, es heißt, Sie hätten den Spaß am Fußball zurück nach Cottbus gebracht. Wie haben Sie das angestellt?

Claus-Dieter Wollitz: Das war nicht schwer. So wie man in den Wald reinruft, schallt es auch wieder heraus. Ich bin den Spielern offen gegenüber getreten. Und sie sind dankbar dafür, dass sie so angesprochen werden, wie Fußballer angesprochen werden möchten.

Sport1.de: Sie sind angetreten, um Cottbus ein anderes Gesicht zu verpassen. Wie soll dieses Gesicht aussehen?

Wollitz: Zumindest soll die Mannschaft so rüberkommen, wie es den Spielern gerecht wird. Die Außendarstellung war ja nicht nur schlecht, sondern verheerend. Es hieß, das seien alles schwierige Charaktere und die Mannschaft untrainierbar. Bis jetzt habe ich das nicht festgestellt. Wir haben besprochen, wie die Spieler sich auf dem Platz und außerhalb zu verhalten haben. Wäre das vorher schon so gewesen, wäre Cottbus noch in der ersten Liga.

Sport1.de: Zum Pflichtspielauftakt gab es im Pokal ein 3:1 in Magdeburg. Waren Sie zufrieden?

Wollitz: Einstellung und Disziplin haben gestimmt, fußballerisch bin ich absolut noch nicht zufrieden. Dabei muss ich die Mannschaft aber in Schutz nehmen. Wenn man auf gewissen Positionen Nachholbedarf hat, kann man gewisse andere Positionen nicht so interpretieren, wie man das gerne möchte. Wir sind nicht ausgewogen aufgestellt. Ich habe es schon länger nach außen so dargestellt, dass die Erwartungshaltung viel zu hoch ist und diese Mannschaft ihr nicht gerecht werden kann.

Sport1.de: Welche Positionen genau wüssten Sie gerne noch verbessert?

Wollitz:: Wir hätten gerne noch einen Mann für die die linke Seite und einen zentralen Mittelfeldspieler. Wenn Laszlo Sepsi von Benfica Lissabon gekommen wäre, hätte uns das schon weitergeholfen, weil er gehobene Qualität dargestellt hätte. Er hat sich aber für Santander entschieden. Daher muss ich improvisieren. Alex Bittroff ist ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent, er hat seine Stärken jedoch eher auf der rechten Seite. Er kann den Linksverteidiger aber spielen, weil er sehr schnell ist, sehr aufnahmefähig und lernwillig.

Sport1.de: Wie sieht?s bei dem Mittelfeldspieler aus?

Wollitz: Wir sind da in Gesprächen. Aber es müssen immer beide Parteien erst zueinander finden. Er muss ja auch finanzierbar sein. Ich wollte unbedingt Ervin Skela behalten. Wir waren uns eigentlich auch schon einig. Aber dann wollte er doch noch einmal irgendwo anders einen Neuanfang wagen. Solch einen Spieler bräuchten wir noch.

Sport1.de: Sergiu Radu hat im Pokal schon geglänzt. Auf welche Neuzugänge bauen sie besonders?

Wollitz: Sergiu hat Qualitäten, die der Mannschaft helfen werden. Er ist aber noch nicht voll da, denn er hat ja zwei Jahre nur unregelmäßig gespielt. Aber er hat eine hohe Akzeptanz in Mannschaft und Verein. Weil er diese Rückendeckung hat, kann er gerade am Anfang der Saison einiges kaschieren. In Spielen wie in Magdeburg macht er aufgrund seiner individuellen Klasse den Unterschied. Leonard Kweuke hat noch kein Spiel gemacht, weil er an der Leiste operiert worden ist. Er wird aber relativ zeitnah dazustoßen. Er hat außergewöhnliche Qualität. Auch Roger, der im Pokal nicht hat spielen können, weil er sich im Abschlusstraining verletzt hat.

Sport1.de: Im Tor stand Lars Hirschfeld. Er war nicht immer souverän. Hat er seinen Platz sicher oder wird Gerhard Tremmel doch nochmal ein Thema?

Wollitz: Tremmel hat gesagt, er wird den Verein verlassen. Daraufhin hat Energie mit Hirschfeld einen neuen Torwart verpflichtet, den ich nicht kannte. Gleiches gilt für Valeriy Sokolenko, der für die linke Seite verpflichtet wurde. Er entspricht nicht meinen Vorstellungen. Menschlich ist das eine schwierige Geschichte, aber ich muss ja nach meiner Fußball-Philosophie handeln. Tremmel dachte während der Vorbereitung lange, er findet noch einen Verein. Jetzt ist er im Mannschaftstraining und wir schauen, dass wir noch das eine oder andere Spiel für ihn vereinbaren. Wenn er dann der bessere Torwart ist, spielt er, ansonsten Hirschfeld. Auch Cottbus ist Teil der Leistungsgesellschaft.

Sport1.de:: Mit Augsburg kommt gleich das Team, das von den Zweitliga-Trainern als der Favorit schlechthin geadelt worden ist. Schätzen Sie den FCA auch so gut ein?

Wollitz: Augsburg hat sehr viele namhafte Spieler verpflichtet und vorher schon namhafte gehabt, dazu kommt das neue Stadion. Da kann man ja nicht sagen, man will Zehnter werden.

Sport1.de: Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie sich für das Wochenende als Außenseiter betrachten?

Wollitz: Als Bundesliga-Absteiger hast du am Anfang der Saison natürlich auch Ambitionen. Ob die in diesem Spiel zur Geltung kommen, wird man dann sehen. Abschenken werden wir aber nicht, und chancenlos sind wir auch nicht.

Sport1.de: Ist Energie Cottbus für Sie ein Aufstiegskandidat?

Wollitz: Ganz ehrlich? Ich wäre gerne in der Umfrage von allen anderen 17 Trainern als potenzieller Aufsteiger genannt worden. Ich bin gerne der Favorit. Das ist ein Prädikat. Das heißt ja, dass ich eine gewisse Qualität habe. So wie Bayern München wäre ich gerne. Aber diese Voraussetzungen - am Maßstab der Zweiten Liga - haben wir aber noch nicht.

Sport1.de: Was heißt das für die Saisonzielsetzung?

Wollitz: Wenn die erwähnten zwei neuen Spieler kommen und das Niveau heben, werde ich mich auch zu einer konkreten Zielsetzung bekennen. Im Moment geht das nicht. Denn wenn man wie jetzt mit jungen Spielern zurechtkommen muss, kann das zwar funktionieren. Aber es wäre der falsche Weg, diese Jungs auch noch unter Druck setzen

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