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Nach Vertragsende mit Hauptsponsor ISP fehlt Union-Präsident Dirk Zingler viel Geld © getty

Vor dem Testspiel gegen den FC Bayern trennt sich Union Berlin von seinem Hauptsponsor ISP und verliert dadurch viel Geld.

Berlin - Es ist ein absoluter Testspiel-Leckerbissen: Zweitliga-Tabellenführer gegen Rekordmeister, Traditionsverein Ost gegen Traditionsverein West.

Zumal das Duell zwischen Union Berlin und dem FC Bayern (18.15 Uhr ) im größtenteils von den eigenen Fans umgebauten Stadion "Alte Försterei" stattfindet.

"Gegen Bayern zu spielen, ist immer ein tolles Erlebnis", sagt Trainer Uwe Neuhaus.

Doch das Highlight wird überschattet von den unerwarteten finanziellen Problemen der "Eisernen".

Eine Entscheidung für die Moral und gegen die Moneten bringt die Köpenicker in Bedrängnis.

Von der Spitze ans Ende

Nach der Kündigung des Vertrages mit dem bisherigen Hauptsponsor International Sport Promotion (ISP) wegen der Stasi-Vergangenheit von dessen ehemaligem Aufsichtsratschef Jürgen Czilinsky fehlen dem Verein in der laufenden Saison zwei Millionen Euro.

Union fiel von der Spitze der Zweitliga-Geldrangliste ans Tabellenende. (DATENCENTER: Der 3. Spieltag)

Schon beim Testspiel wird ISP nicht mehr auf der Brust stehen, stattdessen wird dort ein Spruch zu lesen sein, der noch geheim gehalten wird.

Union-Fans fühlen ihre Ideale verraten

Auslöser der Kündigung waren Enthüllungen im "Spiegel", dass Czinlinsky ein ehemaliger Stasi-Spitzel ist.

Dies hatte am Wochenende zu einem Fanaufstand geführt. Die "Eisernen", die in der DDR das Gegenstück zum Stasi-Klub BFC Dynamo waren, fühlten ihre Ideale verraten.

Zwei Millionen Euro sollte Union für seinen Saisonetat von aktuell 12,2 Millionen jährlich von der ISP erhalten. Über fünf Jahre wären so zehn Millionen zusammengekommen.

Das Geld fehlt nun, weshalb die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Fall prüft.

"Wir müssen uns jetzt mal anschauen, welche finanziellen Folgen die Kündigung hat", sagte Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung, der "Berliner Morgenpost".

"Wir waren mit Union in ständigem Kontakt, weil der Hauptsponsor in der Darstellung seines Geschäftsfeldes Fragen aufgeworfen hat."

Der Spielbetrieb soll weitergehen

Die Lizenz scheint vorerst aber nicht in Gefahr.

Union geht davon aus, dass der laufende Spielbetrieb von der am Montag erfolgten Kündigung des Vertrages nicht betroffen ist, "weil die im Lizenzierungsverfahren eingereichte Etatplanung den ISP-Vertrag nicht beinhaltete".

Eine Million Euro soll der Klub bereits von ISP erhalten haben. Ob das Geld zurückgezahlt werden muss, ist derzeit unklar.

"Für mich waren die Eisernen immer eine Herzensangelegenheit. Daran wird sich auch zukünftig nichts ändern", sagte Dieter Fietz, Managing Direktor der ISP und ehemaliger Union-Trainer in der DDR-Liga (1974/75).

"Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass mein Engagement mit der ISP zur Belastung für den Verein werden könnte."

Ende der Zusammenarbeit nach nur 60 Tagen

Den Beschluss zur Kündigung hatten Präsidium und Aufsichtsrat des Vereins am Montag getroffen.

Damit endete die Zusammenarbeit nach nur 60 Tagen. Als Grund wurden "falsche Angaben des Vertragspartners beim Zustandekommen des Vertrages" angeführt.

"Eine weitere Zusammenarbeit war unter diesen Umständen, auch unter Berücksichtigung der rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen für den Verein, nicht möglich", sagte Union-Präsident Dirk Zingler.

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