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Jürgen Seeberger heuerte im Januar 2008 am Tivoli an © getty

Wegen unüberwindbarer Konflikte mit der Mannschaft muss Seeberger gehen. Als Favorit auf die Nachfolge gilt ein alter Bekannter.

Aachen - Ein Spieleraufstand hat Jürgen Seeberger den Job gekostet und für die zweite Trainer-Entlassung in der Zweiten Liga gesorgt.

Zwei Tage nach einer Sitzung mit zehn Profis entließ Alemannia Aachen seinen Coach, "um Schaden von der Alemannia und von der Person Jürgen Seeberger abzuwenden".

Seeberger war wegen seines Umgangstons bei den Spielern schon seit Monaten umstritten und auch die Fans wurden mit dem 44-Jährigen nie warm.

"Das war keine Panikaktion. Sportlich ist alles in Ordnung", sagte Manager Andreas Bornemann am Sonntag auf einer Pressekonferenz.

"Gräben weiter offen"

"Aber im Laufe von Gesprächen mit der Mannschaft unter der Woche haben wir festgestellt, dass die Gräben, die wir zugeschüttet glaubten, weiter offen waren."

Seeberger sei während der ganzen Woche in den Prozess eingeweiht gewesen, habe sich aber dennoch enttäuscht gezeigt und geglaubt, die Mannschaft in die Spur kriegen zu können.

Tendenz zu erfahrenem Coach

Bei der Suche nach einem Nachfolger will die Alemannia sich Zeit lassen. "Wir haben noch mit keinem Trainer gesprochen und erstellen jetzt erst einmal ein Profil", sagte Bornemann.

"Klar ist aber, dass es nach zuletzt drei Rookies in Michael Frontzeck, Guido Buchwald und Seeberger eine Tendenz zu einem erfahrenen Coach gibt", nennt der Manager die wichtigste Anforderung an den neuen Mann.

Hecking und Finke als Kandidaten

Damit sind die gehandelten Mike Büskens und Eric van der Luer (U23-Trainer der Alemannia) keine Kandidaten.

Möglich wäre eine Rückkehr des vor drei Jahren von Aachen zu Hannover 96 abgewanderten Dieter Hecking. Spekuliert wird zudem über ein Engagement von Volker Finke, der beim japanischen Erstligisten Urawa Red Diamonds in der Kritik steht und mit Alemannia-Manager Andreas Bornemann in Freiburg jahrelang eng zusammenarbeitete.

Erste Bewerbungen für den Trainerjob kamen laut Bornemann bereits am Samstagabend per SMS. "So ist das in unserer Branche. Selbst in der Zeit, die ich jetzt hier oben auf dem Podium sitze, kommen dauernd SMS an", erzählte der Manager bei einer Pressekonferenz.

Als erster Trainer der Saison war zuvor Edmund Becker bei Absteiger Karlsuher SC entlassen worden.

Fans reagieren positiv

In den Internet-Foren wurde die Trennung von Seeberger fast durchweg positiv aufgenommen. Die Kommentare reichten von "Das Grauen hat ein Ende" bis "Unsere Gebete wurden erhört."

Dabei war die sportliche Bilanz Seebergers nicht schlecht. Nach seinem Amtsanstritt am 1. Januar 2008 fuhr er mit der Alemannia in der Rückrunde 30 Punkte ein; mehr holte nur 1899 Hoffenheim.

Bittere Stadion-Einweihung

In der vergangenen Saison wurde der Aufstieg als Vierter nur knapp verpasst. In der laufenden Spielzeit belegt der Aufstiegsanwärter nur Rang zwölf und erlebte mit dem 0:5 gegen den FC St. Pauli eine bittere Einweihung des neuen Stadions.

Es war jedoch die bisher einzige Saisonniederlage, das letzte Spiel wurde mit 3:0 gegen den FSV Frankfurt gewonnen. In 55 Spielen holte Seeberger 91 Punkte.

Lehmann und Moritz als Streitpunkte

Die Kritikpunkte an der Arbeit des in Konstanz geborenen Trainers, der in der Schweiz den Underdog SC Schaffhausen in die erste Liga geführt und vier Jahre dort gehalten hatte, waren jedoch vielfältig.

Die Fans verziehen ihm nicht den Abgang von Kapitän Matthias Lehmann, der wegen atmosphärischer Störungen zum FC St. Pauli wechselte.

Ihm wurde vorgehalten, das bei Schalke 04 zum Stammspieler aufgestiegene Talent Christoph Moritz im Vorjahr nicht ins Profiteam hochgezogen zu haben. Zudem sollen Akteure wie Deniz Naki nach einem Gespräch mit dem Trainer von einem Wechsel zum Tivoli Abstand genommen haben.

Kronhardt übernimmt vorerst

Bornemann, der nur einen Vertrag bis Saisonende hat und nun selbst in die Kritik geraten ist, hatte noch am Tag nach der Sitzung mit der Mannschaft verlauten lassen, Vereine wie Aachen bräuchten Kontinuität:

"Viele Trainer zu verschleißen, ist nicht zielführend."

Bis auf Weiteres und wohl auch im nächsten Spiel bei Rot-Weiß Oberhausen wird die Mannschaft vom bisherigen Co-Trainer Willi Kronhardt betreut. Unterstützt wird Kronhardt von Torwart-Trainer Christian Schmidt, Athletik-Trainer Matthias Schiffers und dem derzeit verletzten Profi Reiner Plaßhenrich.

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