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Marco Kurz (r.) ernannte Daniel Bierofka vor der Saison zum Kapitän © imago

Nachdem 1860 mit dem Sieg gegen Duisburg seine nähere Zukunft gesichert hat, gibt sich Trainer Marco Kurz so gelassen wie eh und je.

Von Martin Volkmar

München - Am Ende dieses für die Münchner "Löwen" so erfreulichen Abends tat Marco Kurz beinahe so, als wäre nichts Besonderes gewesen.

Dabei war es in den 90 Minuten zuvor vermutlich schon um den Job des nach drei Niederlagen in Folge heftig kritisierten 1860-Trainers gegangen.

Doch als er mit seinen beiden Kindern den Kabinentrakt der Allianz Arena verlassen wollte, war Kurz schon wieder ganz der Alte: Ruhig, nüchtern, sachlich.

Entsprechend fiel auch seine Antwort auf die Frage aus, wie groß seine Erleichterung nach dem hoch verdienten 2:0 gegen Bundesliga-Absteiger MSV Duisburg sei: "Ich bin davon ausgegangen, dass wir das Spiel gewinnen", antwortete Kurz.

Umarmung mit Reuter

"Ich bin relativ entspannt in dieser Situation, weil das zum Trainerjob dazu gehört. Druck ist normal, vor allem in München. Das weiß ich, ich war ja lange Spieler hier", führte Kurz aus.

Wie es wirklich in ihm ausgesehen hatte, machten hingegen die Bilder nach dem Abpfiff deutlich. Da war Kurz die Erleichterung über das Ende der Negativserie deutlich anzumerken gewesen, als er sich mit dem gesamten Team abgeklatscht hatte und Manager Stefan Reuter in die Arme gefallen war.

Es war auch ein Dank für die Rückendeckung durch den selbst nicht mehr unumstrittenen Reuter, der sich vor und auch nach dem Spiel hinter Kurz und dessen Arbeit bei den "Löwen" stellte.

"Es freut mich einfach riesig für Marco, dass wir gewonnen haben", erklärte der Ex-Nationalspieler. "Ein großes Kompliment an ihn, wie er mit der ganzen Kritik umgegangen ist. Der ganze Druck war ja vorher gigantisch."

Appell an die "Löwen"-Ehre

Was sich die Münchner selber zuzuschreiben hatten. Nur zwei Siege in der Liga im Jahr 2008, seit acht Partien in Folge ohne Dreier, schlechtester Saisonstart seit 47 Jahren, Absturz auf den letzten Tabellenplatz. Quittung dafür war die Minus-Kulisse von nur 18.500 Zuschauern.

Reuters Treue zu Kurz wäre bei einer weiteren Pleite gegen Duisburg wohl kaum mehr haltbar gewesen, zumal im Umfeld bis hin zur Vereinsführung die Skeptiker immer lauter wurden.

Doch Kurz blieb seiner sachlichen Linie treu, wenngleich er vor dem Schicksalsspiel für ihn ungewohnte Worte fand. "Er hat uns gesagt, dass wir zeigen sollen, dass wir den Löwen zu Recht auf der Brust tragen", erzählte Kapitän Daniel Bierofka.

Duisburg nutzt Chancen nicht

So heiß gemacht "war es nicht leicht, den ganzen Tag im Hotel zu sitzen", so Bierofka. "Wir wollten unbedingt auf den Platz und spielen".

Dennoch war zunächst die Verunsicherung deutlich spürbar, doch die enttäuschenden Duisburger nutzten diese Chance nicht.

Vielmehr stand die gesamte "Zebra"-Abwehr bei Bierofkas erlösendem Kopfball-Tor zum 1:0 (29.) nur Spalier und auch beim Treffer zum 2:0-Endstand durch den eingewechselte Timo Gebhart (71.) war das kaum anders.

"Ein Sieg der Moral"

"Das ganze Spiel war eine Energieleistung", meinte Kurz und bedankte sich dafür bei seinem Team: "Ich bin stolz auf die Truppe. Es war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung."

Ähnlich bewertete Bierofka den ersten Dreier. "Es war spielerisch nicht überzeugend, aber es war ein Sieg der Moral", meinte der Routinier.

"Und es war auch ein Sieg für den Trainer, auch wenn es sich anhört wie eine Floskel. Wir arbeiten sehr gut mit ihm zusammen."

Gegenwind für Bommer

Das wird nun vorerst auch so bleiben, während es dafür in Duisburg rumort. Nach dem mäßigen Saisonstart mit nur fünf Punkten wurde der MSV-Trainer mit "Bommer raus"-Rufen verabschiedet.

"Ich spüre schon etwas Gegenwind, aber ich mache mir keine Gedanken", blieb der ehemalige 1860-Coach Rudi Bommer relativ gelassen. "Wer so etwas wie hier in München erlebt, dem kann das in Duisburg nichts mehr anhaben."

Marco Kurz dürfte dem voll und ganz zustimmen ? auch wenn er es so nicht sagen würde.

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