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Michael Krüger stieg 2005 mit Braunschweig in die Zweite Liga auf © getty

Michael Krüger beweist bei seiner Vorstellung als neuer Aachener Trainer Selbstbewusstsein und Humor. Nur die Anrede Mike geht gar nicht.

Aachen - Mit den Vorurteilen als Notlösung oder Billigvariante konnte Michael Krüger leben, gegen die falsche Anrede eines Journalisten wehrte sich der neue Trainer von Alemannia Aachen aber energisch.

"Ich bin Michael Krüger. Mike Krüger ist eine Beleidigung", sagte der 55-Jährige bei seiner Vorstellung als Coach des Zweitligisten. Und dann gab er der Presse gleich mit, mit welchem Vergleich er durchaus leben könnte.

"Mein früherer Kapitän Jürgen Rische hat mir anvertraut, dass sie mich in Braunschweig Felix Magath für Arme genannt haben", erzählte er: "Das habe ich durchaus als Kompliment genommen."

Nachdem die Spieler mit ihrem Vorsprechen bei der Klub-Führung Vorgänger Jürgen Seeberger gestürzt hatten, suchte die Alemannia mehr als zwei Wochen nach einem geeigneten Nachfolger.

Krüger und der ebenfalls in Deutschland meist unterklassig tätige Peter Vollmann durften sich am Montagabend dem Aufsichtsrat präsentieren, ehe spät in der Nacht die Entscheidung für den im Ausland sehr erfolgreichen Krüger fiel.

Der Trainer erhält einen Vertrag bis 2011 und feiert sein Debüt bereits im DFB-Pokal-Spiel am Mittwoch bei Erstligist Eintracht Frankfurt.

Bornemann verteidgt Aachens Wahl

Sportdirektor Andreas Bornemann gestand ein, dass die für Fans wenig prominente Besetzung des Abschluss-Castings dem aktuellen Zustand als Elfter der Zweiten Liga geschuldet ist.

"In der Öffentlichkeit wurden Namen von Trainern gehandelt, die sicher in der Kürze auf der Erstliga-Bühne auftauchen werden", sagte er mit Blick auf Dieter Hecking oder Friedhelm Funkel. Die Aachener spielten in den letzten 39 Jahren dagegen nur einmal erstklassig.

"Und deshalb haben wir den Markt entsprechend unseres Profils und unserer Möglichkeiten sondiert", erklärte Bornemann weiter. Nach der Auftaktpressekonferenz Krügers lässt sich vermuten, dass dieser die hohen Herren mit seiner Eloquenz überzeugte.

Mit Hitzfeld sicher erstklassig

Die ungewohnt deutlichen und teilweise abwertenden Nachfragen der Journalisten konterte er jedenfalls souverän.

"Wieso sollte ich mich als Billiglösung fühlen", argumentierte der Coach: "Wenn es so einfach wäre, bräuchte der Klub ja nur genug Geld zu sammeln, um Ottmar Hitzfeld zu verpflichten. Dann würde er nächstes Jahr sicher in der ersten Liga spielen."

Seine Erfolge im Ausland listete Krüger, dessen Trainerkarriere 1989 beim damaligen Zweitligisten Hannover 96 begann, selbstbewusst auf. Er habe den Afrika-Cup der Pokalsieger gewonnen, den ägyptischen Pokal mit einem Außenseiter und zuletzt habe er im Sudan das Double gewonnen.

"Nach zwei Tagen erschießen sie mich"

"Und wenn man denkt, dass man im Sudan in der Sonne liegt und nebenbei einen Titel gewinnt, dann sage ich Ihnen: Fliegen Sie doch mal zwei Wochen mit mir in den Sudan. Nach zwei Tagen erschießen sie mich."

Er ärgere sich, dass man Erfolge im Ausland hierzulande belächele. Und über den deutschen Fußball sei er auch informiert. "Im Sudan habe ich sogar die Rosenheim-Cops im Fernsehen geschaut."

Erleichtert wird Krüger die Arbeit dadurch, dass der bisherige Interimscoach Willi Kronhardt schon in Braunschweig sein Assistent war. "Zusammen sind wir das ideale Paket", sagt er.

Krüger redet Team ins Gewissen

Sportlich will er möglichst bald die Aufstiegsplätze ins Visier nehmen, doch mit der Mannschaft muss er nach der Revolte gegen seinen Vorgänger zuvor noch ein ernstes Wörtchen reden. "So etwas ist nicht in Ordnung", sagte Krüger.

In Deutschland trainierte der 55-Jährige, der bereits im Alter von 27 Trainer wurde, neben Hannover und Braunschweig unter anderem die 2. Mannschaft des VfL Wolfsburg, Holstein Kiel, Kickers Emden oder den 1. FC Saarbrücken.

Außerdem war er als Assistent von Peter Neururer bei Schalke 04 und von Ernst Rutemöller bei Hansa Rostock tätig.

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