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Michael Krüger arbeitete bei Schalke 04 als Co-Trainer von Peter Neururer © imago

Im Interview spricht Aachens Trainer Michael Krüger über seine Rückkehr nach Deutschland und die Chancen eines Aufstiegs.

Von Matthias Fiedler

München - Nach einem turbulenten, aber erfolgreichen Jahr beim afrikanischen Klub Al-Merrikh ist Michael Krüger seit September neuer Cheftrainer bei Alemannia Aachen.

Gegen Energie Cottbus (Fr., ab 17.45 Uhr LIVE) will der 55-Jährige eine erfolgreiche Heimpremiere feiern und auf dem Tivoli den zweiten "Dreier" der Saison einfahren.

Im Sport.de-Interview erklärt Krüger, warum er nach Deutschland zurück gekommen ist und der Aufstieg in Aachen eine Zeitfrage ist.

Sport1.de: Herr Krüger, in Braunschweig hat man Sie als "Felix Magath für Arme" bezeichnet. Nicht gerade die schlechtesten Vorschusslorbeeren für einen Neustart in Aachen, oder?

Krüger: Diesen Ausspruch habe ich zwar getätigt, aber hätte ich gewusst, was das auslöst, hätte ich ihn mir verkniffen. Der Ursprung dieser Aussage geht auf meinen Geburtstag im Jahr des Zweitliga-Aufstieges zurück. Mein damaliger Kapitän erklärte mir zu vorgerückter Stunde scherzhaft, dass die Spieler mir diesen Spitznamen gegeben haben.

Sport1.de: Sie haben vor Ihrer Verpflichtung in Aachen im Sudan gearbeitet, gewannen Meisterschaft und Pokal. Was konnten Sie aus dieser Zeit mitnehmen?

Krüger: Für mich persönlich war nicht nur das vergangene Jahr im Sudan wichtig, auch wenn wir da das Double holen und uns für die Champions League qualifizieren konnten. Meine Zeit in Ägypten war ebenfalls sehr bereichernd. Dort habe ich gelernt, geduldig zu arbeiten und flexibel zu sein. Denn es kam schon mal vor, dass das Training ausfiel, weil statt zwei Toren nur eines da war. Plan B oder C musste ich also immer auf Tasche haben.

Sport1.de: Sie arbeiten jetzt wieder mit Willi Kronhardt zusammen, der schon in Braunschweig als Co-Trainer an Ihrer Seite stand. War das ein Grund mehr für Sie, sich in Aachen zu bewerben?

Krüger: Nein, das nicht, aber es war natürlich ein glücklicher Umstand. Ich wollte wieder in Deutschland tätig sein. Allerdings hat man als Trainer nur begrenzt Einfluss darauf, wo und wann das sein wird.

Sport1.de: Hat es Ihnen im Sudan nicht mehr gefallen?

Krüger: Doch, ich wäre gern geblieben, denn mit der Champions League-Qualifikation hätten wir dieses Jahr in der Königsklasse antreten können. Jedoch wurde mir von Vereinsseite her immer wieder nahgelegt, noch ein, zwei weitere sudanesische Trainer zu holen, die allerdings 70 Jahre und älter waren. Das habe ich kategorisch abgelehnt und mich lieber für eine Rückkehr nach Deutschland entschieden.

Sport1.de: Ihr Vorgänger in Aachen, Jürgen Seeberger, hatte nie wirklich einen guten Draht zu den Spielern. Ist das ein Punkt, wo Sie ansetzen, um die Mannschaft noch besser zu machen?

Krüger: Über Jürgen Seeberger zu urteilen steht mir nicht zu, denn dafür fehlt mir der nötige Einblick. Ich habe meine eigene Art, eine Mannschaft zu führen. Und das werde ich auch beibehalten. Ich bin ein sehr kommunikativer Typ, der versucht, zu jedem Spieler Vertrauen aufzubauen. Dabei ist gegenseitiger Respekt immens wichtig für mich.

Sport1.de: Was für eine Mannschaft haben Sie nach Ihrer Übernahme vorgefunden?

Krüger: Wer als Trainer in der Saison ein Team übernimmt, muss immer sehen, wie er das Beste aus der Situation macht. Ich habe eine gute Truppe übernommen, die Perspektiven für die Zukunft hat. Aus den Jungs lässt sich richtig was machen. Wie lang das dauern wird, lässt sich schwer vorhersagen.

Sport1.de: Ist der Aufstieg dieses Jahr überhaupt ein Thema?

Krüger: Im Moment denke ich nicht darüber nach. Wir müssen sehen, dass wir uns auf jedes Spiel ordentlich vorbereiten und die Punkte holen. In der Winterpause wird man sehen, was dabei rausgekommen ist. Erst dann können wir eine Zielsetzung ausgeben.

Sport1.de: Aber es ist kein Geheimnis, dass Aachen die Rückkehr ins Oberhaus anpeilt.

Krüger: Natürlich weiß ich, dass die Alemannia über kurz oder lang in die Erste Liga zurück will. Mit dem neuen Stadion sind dafür gute Voraussetzungen geschaffen worden. Jedoch muss sich das Ganze noch entwickeln und braucht Zeit.

Sport1.de: Am Freitag steht gegen Cottbus Ihr Heim-Debüt an. Energie hat von den letzten vier Partien drei verloren. Wie optimistisch stimmt Sie das?

Krüger: Ich habe von meiner Mannschaft bisher vier Spiele gesehen. In den letzten Begegnungen hat die Einstellung gestimmt. Die Jungs können Fußball spielen, doch um zu gewinnen, müssen wir ordentlich verteidigen, Kampf- und Siegeswillen zeigen. Wenn wir das gegen Cottbus umsetzen, behalten wir die Punkte auch zu Hause.

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