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Arbeitet seit Juli am Comeback bei den "Löwen": Doch nun will Ilhan Mansiz doch nicht © imago

Der türkische WM-Held beendet lieber die Karriere, als bei 1860 ein Comeback zu wagen. Kommen wenigstens Tapalovic und Skela?

Von Guido Huber und Jürgen Blöhs

Hamburg - Die Fans des TSV 1860 München hatten sich den Saisonstart so ganz anders vorgestellt, die Vorfreude an der Isar nahm schon wieder leicht überbordende Züge an.

Und nach dem 2:0 im ersten Spiel gegen die TuS Koblenz redete auch die Münchner Boulevardpresse den Optimisten schon gleich wieder das Wort:

Die Sechziger sind reif für den Aufstiegskampf, hieß es vollmundig.

Gerade mal sieben Liga-Spiele später hat sich die Stimmung ins komplette Gegenteil verkehrt: Beim FC St. Pauli kassierten die "Löwen" bereits die vierte Saisoniederlage und bleiben auf Rang 15 der Tabelle. Abstiegsgefilde also statt Kontakt zur Spitze.

Stoffers sieht kämpferisches Problem

Geschäftsführer Manfred Stoffers kritisierte die Spieler nach der 1:3-Pleite harsch: "Wir haben Nachholbedarf im kämpferischen Bereich. Die Einstellung mancher Spieler ist nicht okay."

Kein gutes Zwischenzeugnis also für die aktuelle Belegschaft - doch externe Impulse sind ebensowenig zu erwarten. Ein neuer Hoffnungsträger wohl schon gar nicht.

Einer, der es womöglich hätte werden können und sollen, hat den "Löwen" nun notgedrungen einen Korb gegeben: Ilhan Mansiz, türkischer WM-Star von 2002, verwarf seinen Comeback-Versuch und beendet die aktive Laufbahn endgültig.

Mansiz-Comeback geplatzt

"Berufliche Gründe" führte der 34-Jährige dafür ins Feld, ohne indes konkreter zu werden.

Dabei hatte Gelegenheitschauspieler Mansiz, der sich seit Juli an der Grünwalder Straße fitgehalten hatte, zuvor noch davon geschwärmt, "bis Januar für 1860 auf dem Platz stehen" zu wollen.

Das Comeback platzte nun wie die Träume von der Rückkehr in die Bundesliga - und passt irgendwie ins Bild der Misere bei den Sechzigern.

"Thema Aufstieg immer da"

Die ist auch deshalb hausgemacht, weil das permanente Aufstiegsgerede den Druck für Spieler wie die Klub-Lenker noch zusätzlich erhöht:

"Bei 1860 ist das Thema Bundesliga immer da. Das liegt an der Historie", gibt Ewald Lienen denn auch zu.

Da mag der Trainer hinterher noch so bemüht hinterherschieben, dass zum 150. Klub-Geburtstag im kommenden Jahr eigentlich niemand den Aufstieg gefordert habe. "Niemand hat das behauptet, und ich bin auch kein Freund davon", sagte Lienen zu Sport1.de.

"So wird das nie was"

In der öffentlichen Wahrnehmung wie bei der Konkurrenz wirkt das ganz anders:

"In der Liga hat man bei 1860 immer den Anspruch, die Nummer eins zu sein. Wenn das nicht aufhört, wird das nie was", empfiehlt etwa Cottbus'-Trainer Claus-Dieter Wollitz, der sich die "Löwen" am Millerntor anschaute.

Allerdings ist es gerade dieser Anspruch, der 1860 für alternde Routiniers dann doch wieder interessant macht - wie für Ervin Skela.

Skela bringt sich in Stellung

Den früheren Cottbuser würde die Aufgabe beim Zweitligaklub jedenfalls reizen: "Ich bin fit und würde sofort kommen". Auch Lienen schließt nicht aus, den ablösefreien albanischen Nationalspieler am Samstag im Test gegen Fürth zu beobachten.

Ein anderer Kandidat ist der 32-jährige Filip Tapalovic: Der Kroate trug bereits von 1999 bis 2002 das "Löwen"-Trikot und trainiert seit Dienstag "auf Probe" mit.

Wie die Sache ausgeht, steht wie so oft in der Vergangenheit aber auf einem anderen Blatt:

Erst Skacel und Vogel - jetzt Tapalovic

Zuvor war schließlich bereits über Rudolf Skacel (einst Hertha BSC) und den früheren Milan-Profi Johann Vogel diskutiert worden.

Die Transfers scheiterten jedoch ebenso wie nun das Mansiz-Comeback und zuvor das Bemühen, die Bender-Zwillinge Lars und Sven wie Timo Gebhart zu halten.

Lienen macht kein Geheimnis draus, wo der Schuh besonders drückt: "Wir sind im Mittelfeld unterbesetzt."

Immerhin: Geld zum personellen Nachbessern wäre da nach dem Pokalsieg gegen Hertha BSC Berlin. Ein aufstiegsträchtiges Team lässt sich damit aber eher nicht mehr auf die Beine stellen, nachdem nun auch noch Abräumer Florin Lovin (Innen- und Kreuzbandriss im linken Knie) langfristig ausfällt.

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