vergrößernverkleinern
Das Team um Stürmer Marius Ebbers (mitte) feiert in der Fremde Sieg um Sieg © getty

Das Team von Stanislawski spielt eine überraschend starke Saison. Mit dem Stadionausbau sollen im Klub neue Zeiten anbrechen.

Von Guido Huber und Jürgen Blöhs

München/Hamburg - Die Euphorie ist beim FC St. Pauli zurückgekehrt.

Nach den letzten drei Niederlagen in Folge sahen viele schon den Absturz des zu Saisonbeginn so erfolgreich gestarteten Traditionsklubs nahen. Doch im letzten Spiel gegen 1860 konnte der Abwärtstrend gestoppt werden.

Es scheint so, als habe die Mannschaft die Vorgaben von Trainer Holger Stanislawski verstanden. Der hatte vor dem "Löwen"-Spiel angekündigt:

"Wir haben an unserer Taktik gefeilt. Wir werden unseren Gegnern nicht mehr ins offene Messer laufen. Wir werden uns auch mal in die eigene Hälfte zurückziehen."

Die Taktik ging auf. Mit 16 Punkten aus acht Spielen trennen die "Paulianer" nunmehr zwei Punkte von der Tabellenspitze (DATENCENTER: Die Tabelle der 2. Bundesliga).

Geschäftsführer sehr zufrieden

Dabei gibt man sich durchaus bescheiden am Millerntor: "Wir wollen einen Platz besser abschneiden, als in der vergangenen Saison", sagte Deniz Naki zu Sport1.de.

Damals schloss man als Achter in der Tabelle ab. Auch Geschäftsführer Helmut Schulte ist laut "Hamburger Morgenpost" zufrieden mit dem derzeitigen Stand der Dinge:

"Im Angriff haben wir ja auch in der letzten Saison viele Tore erzielt, aber wir haben leider auch übermäßig viele kassiert. In der Defensive stehen wir dieses Jahr besser."

Ebbers mit starker Frühform

Damit spricht er ein wesentliches Erfolgsmittel der Mannschaft an. Mit 20 Toren hat St. Pauli den besten Sturm der Liga.

Allen voran steht der 2008 von Aachen gekommene Marius Ebbers. Der Stürmer verbucht in der noch jungen Saison bereits fünf Treffer auf seinem Torjägerkonto.

Auch die Abwehr-Bilanz der Hanseaten kann sich sehen lassen. Nur Kaiserslautern (5), Bielefeld und Düsseldorf (je 8) haben weniger Gegentore kassiert.

"Wir wollen uns stetig Stück für Stück in allen Belangen verbessern. Dabei bleibt es", stellte Helmut Schulte im Gespräch mit Sport1.de klar.

Kiez-Kicker überraschen

Vor allem auswärts überraschen die Kiez-Kicker mit ungewohnter Stärke. "Wir haben jetzt schon so viele Auswärtssiege wie in der ganzen letzten Saison, und ich bin sicher, da kommen noch ein paar dazu", gibt sich Schulte selbstbewusst.

Dabei musste man zu Saisonbeginn zahlreiche Abgänge kompensieren.

"Natürlich hätten wir Spieler wie Hoillet, Trojan, Ludwig, Brunnemann gern gehalten - aber nicht um jeden Preis", sagte Schulte.

Hinrunden-Aus für Thorandt

"Wir hatten bei den Neuverpflichtungen ein glückliches Händchen, und auch unsere Nachwuchsarbeit trägt Früchte", freut sich der Geschäftsführer weiter.

Mit Matthias Lehmann (Aachen) und Max Kruse (Bremen) gelang es dem Klub zwei Spieler mit Erstliga-Erfahrung zu verpflichten.

Weniger gute Botschaften gibt es derzeit von Markus Thorandt. Der Neuzugang von 1860 München wurde bereits in Basel von Dr. Segesser operiert.

Ihm wurde an der gereizten Achillessehne ein Nerv entfernt. Er fällt wohl die gesamte Hinrunde aus.

Gouiffe a Goufan erfolgreich operiert

Ganz ähnlich ergeht es Marc Gouiffe a Goufan. Der Mittelfeldspieler wurde nach seinem Außenmeniskus-Riss im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern erneut am Knie operiert und kann ebenfalls erst zur Rückrunde wieder in das Mannschaftstraining einsteigen.

"Ich bin erleichtert, dass ich es nun hinter mir habe", sagte der Defensivspieler nach der OP.

Stadionausbau geht weiter

Neues gibt es in Sachen Stadionausbau. Nachdem der Ausbau wegen fehlender Gelder zuletzt stagnierte, bekam er nun "Grünes Licht".

Die Kreditkommission hat die Bürgschaft über das 15,5-Millionen-Euro-Darlehen der Deutschen Kredit-Bank an den Kiezklub bewilligt.

"Das ist ein Meilenstein in der fast 100-jährigen Geschichte unseres FC St. Pauli", jubilierte Präsident Corny Littmann (56) nach der frohen Botschaft.

Keine Probleme für Dauerkartenbesitzer

Die Arbeiten beginnen am 27. Oktober dieses Jahres. Damit kann das Heimspiel gegen Energie Cottbus ohne Probleme für die Fans stattfinden.

Wehmütig wird jedoch der ein oder andere Anhänger auf die Haupttribüne blicken, dem Herzstück des Millerntor-Kults, das dann dem Abriss zum Opfer fällt.

Die rund 1500 Dauerkarteninhaber werden ab Baubeginn auf die Nord- und Südtribüne umgesetzt. "Das ist kein Problem. Für diesen Fall haben wir dort extra Plätze frei gehalten, und die Fans wurden vor dieser Saison informiert", so Littmann.

Zur Saison 2010/2011 soll die neue Haupttribüne fertig sein, die dann 4500 statt 3300 Plätze bieten wird, darunter 1700 Business-Seats und 20 Logen. Die Tribüne soll 4,5 Millionen Euro Mehreinnahme bringen.

Jubiläum für Kultverein

Ebenfalls im kommenden Jahr findet ein Jubiläum der besonderen Art statt. Der Kultverein wird 100 Jahre alt. Schulte übt sich jedoch auch was dieses Event angeht in Zurückhaltung:

"Natürlich werden wir das groß feiern, das hat aber nichts mit aktuellen sportlichen Zielen zu tun. Nur weil zufällig ein großes Jubiläum ansteht, können wir doch nicht die aktuellen Realitäten aus den Augen verlieren und den Aufstieg vorgeben."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel