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Trainer Oral (l.) hat den FSV nach 13 Jahren wieder in den Profi-Bereich geführt © getty

Tomas Oral arbeitete vor wenigen Jahren noch in der Kreisklasse. Bei Sport1.de erklärt er, wie der Durchmarsch mit dem FSV Frankfurt gelang.

Von Christian Gies

München - Wie ein Märchen kommt die Erfolgsstory des Aufsteigers FSV Frankfurt und seines Trainers Tomas Oral daher.

Dümpelten die Hessen vorher sieben lange Jahre in der Oberliga herum, gelang ihnen nun binnen zwei Jahren der Durchmarsch in die Zweite Liga.

Dort spielte der FSV zuletzt in der Saison 1994/95.

Der aktuelle sportliche Aufschwung ist eng mit Trainer Tomas Oral verbunden.

"Ich persönlich habe immer mit einem Auge auf die Zweite Liga geschielt. Ich war davon überzeugt und das habe ich der Mannschaft so auch gesagt", sagt Oral im Gespräch mit Sport1.de.

Beeindruckende Erfolgsserie

Die Serie des nur 1,67 Meter großen Trainers ist beeindruckend: Viermal stieg er mit der zweiten Mannschaft der Frankfurter auf, nun zweimal in Folge mit der ersten.

"Tomas ist für uns fast so etwas wie ein Aufstiegsgarant. In sechs Jahren sechs Aufstiege - da wird man sehr wenige Trainer finden, die so etwas vorweisen können", lobt daher auch Manager Bernd Reisig seinen Coach bei Sport1.de gegenüber.

Position des Cheftrainers war Zufall

Logisch, dass Reisig erst vor kurzem den Vertrag des Cheftrainers um zwei Jahre verlängerte. Dass es Oral überhaupt so weit gebracht hat, grenzt fast an ein Wunder.

Seit 2000 ist der gebürtige Türke beim FSV, spielte sechs Jahre in der ersten Mannschaft und übernahm ab 2002 auch noch als Trainer das Reserveteam in der Kreisliga A.

"Den Job als Trainer hatte ich nicht geplant. Von unserem Manager bin ich ein bisschen in die Position hineingedrängt worden. Der Trainer-Stuhl in der A-Klasse war vakant, er hat es mir zugetraut und ich habe gesagt: 'Ok, wir probieren es mal.' Wie man sieht, hat er den richtigen Riecher gehabt", erzählt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann.

Als Spieler nicht die Qualität zum Profi gehabt

Die Spielerkarriere des 35-Jährigen verlief hingegen eher erfolglos. Seinen Jugendtraum vom Profi-Fußball konnte er sich nicht erfüllen.

"Ich bin seit fast 30 Jahren Vollblutfußballer, war schon immer sehr ehrgeizig, aber von der Qualität hat es einfach nicht gereicht", gibt Oral ohne Umschweife zu.

Der Trainer wollte mehr

Die Qualität zum Trainer auf höchster Ebene scheint er allerdings zu haben. Auf die Meisterschaft in der Regionalliga ist Oral besonders stolz, "weil wir zwei Ziele auf einmal erreicht haben."

Schon weit vor dem Saisonende war die Qualifikation für die neu geschaffene Dritte Liga perfekt, aber der Coach wollte mehr. Manager Reisig untersagte ihm aber bis zum Schluss der Saison, sein ganz persönliches Ziel in der Öffentlichkeit zu verkünden.

Vielleicht auch weil der Regionalliga-Etat der Frankfurter mit etwa 1,9 Millionen Euro rund ein Drittel kleiner war, als der des Mitaufsteigers FC Ingolstadt.

"Anfangs habe ich keine Sekunde daran geglaubt"

"Anfangs habe ich keine Sekunde daran geglaubt. Vor der Winterpause hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, hier geht vielleicht mehr. So richtig gekribbelt hat es bei mir nach dem Sieg gegen Aalen. Erst da wurde mir klar: der Doppelaufstieg ist möglich", erinnert sich Reisig.

Dass der FSV aufgestiegen ist, hat aber nicht nur Vorteile. So entspricht das alt-ehrwürdige Volksbank-Stadion am Bornheimer Hang nicht den Ansprüchen der DFL.

Es wird daher bis Januar 2009 umgebaut. Im Stadion haben dann 10.350 Zuschauer Platz, zusätzlich wird eine Rasenheizung eingebaut. In dieser Saison werden die Heimspiele in der Commerzbank-Arena ausgetragen.

DFL-Auflagen verändern den FSV

Zudem wurden neue Geschäftsräume angemietet, die Mitarbeiterzahlen von drei auf zwölf aufgestockt und der Saisonetat auf 4,5 Millionen Euro erhöht.

Auch was die sportliche Verantwortung anbelangt, gab es eine Veränderung: Der Aufstieg führte dazu, dass sich Oral erst einmal nicht mehr Trainer nennen darf, denn er ist nicht im Besitz der von der DFL geforderten Fußball-Lehrer-Lizenz.

Ramon Berndroth neuer Trainer

Neuer Trainer ist Ramon Berndroth, Co-Trainer ist Manfred Binz. Teamchef Oral will die Lizenz bald erwerben.

Chef im Ring bleibt Oral selbstverständlich weiterhin, er ist der Vorgesetzte von Berndroth. Das bestätigt FSV-Manager Reisig:

"Das ist doch wie bei der Nationalmannschaft. Bei uns leitet Ramon eigenverantwortlich das Training, aber Aufstellung und alles Weitere wird im Team besprochen."

Das Ziel: Der Klassenerhalt

Manager wie Trainer haben den Klassenverbleib in der neuen Klasse als neues Ziel auserkoren.

Mit früheren Erst- und Zweitliga-Akteuren wie Thomas Sobotzik, Markus Kreuz, Daniel Schumann oder auch Matthias Hagner soll diese Aufgabe gemeistert werden.

Es wird mir immer noch aufs Brot geschmiert, dass ich öffentlich vor unserem Aufstieg nie von der Zweiten Liga gesprochen habe. Daher ist es natürlich jetzt schwierig für mich, zu sagen, dass wir nur um den Klassenrhalt spielen wollen. Aber genau das wäre für uns schon eine kleine Sensation."

Von Gegnern Panini-Bilder gesammelt

Zum Auftakt geht es für den FSV zu Mit-Aufsteiger Rot-Weiss Ahlen. Kracher wie Kaiserslautern, Mainz, Aachen oder 1860 München vor denen Reisig höchsten Respekt hat, warten später auf die Frankfurter: "Da sind Mannschaften dabei, von denen wir vor zwei, drei Jahren noch Panini-Bilder gesammelt haben."

Geht der Aufschwung allerdings weiter wie bisher, dann können in Zukunft andere Klubs die Sammelbilder des FSV in ihr Album kleben.

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