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Holger Stanislawski gibt seit 2006 bei St. Pauli den Ton an © getty

St. Paulis Coach Stanislawski ist mit dem Remis in Cottbus unzufrieden. Energie-Trainer Wollitz schießt derweil gegen die Fans.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Die heftigen Krawallen überschatteten das 1:1 des FC St. Pauli gegen Energie Cottbus.

Einige Gäste-Chaoten bewarfen Charles Takyi mit Gegenständen und zündeten Rauchbomben.

Auch Tage später sind alle St. Paulianer noch sehr betroffen.

"Ich möchte mich bei den Fans des FC St. Pauli entschuldigen. Ich hatte gedacht, dass so etwas bei uns nicht mehr vorkommt, musste mich da leider belehren lassen. Am Ende sind Spieler, Verein und Trainer die Leidtragenden", zeigte sich Cottbus-Coach Claus-Dieter Wollitz sauer.

"Der Verein versucht neue Strukturen zu schaffen, und diese Leute machen alles kaputt. Wir müssen uns von denen total distanzieren. Ich will so etwas nicht sehen bei einem Klub, bei dem ich arbeite."

"Kommissar" Boll ermittelt

St. Paulis Spieler ließen sich durch die Krawalle nicht aus der Ruhe bringen.

"Es ist ja nicht das erste Mal, dass uns das gegen einen Verein aus dem Osten passiert. Das lässt uns kalt", sagte Verteidiger Ralph Gunesch gelassen.

Fabian Boll konnte indes seinen Beruf nicht verhehlen.

Der 30-jährige Polizist stellte Beweismaterial sicher und übergab dem Schiedsrichter "ein Feuerzeug, ein Fläschchen Jägermeister und noch irgendwas".

"Die Flasche war voll, als ich sie aufgehoben hab', aber leer, als ich sie abgab", war Boll zum Scherz aufgelegt, um gleich wieder ernst zu werden: "Das hat im Stadion nichts zu suchen. Wir wollen Fußball spielen."

Was passiert in Rostock?

Auf einen reinen Fußball-Abend hofft Boll am kommenden Montag, denn da muss der FC St. Pauli nach Rostock - zu einem weiteren Duell gegen einen Ost-Klub.

Trainer Holger Stanislawski graust es schon jetzt. Er befürchtet: "Wenn die gegen uns verlieren, dann brennt die ganze Stadt", zitiert ihn die "Hamburger Morgenpost".

Bereits beim letzten Aufeinandertreffen in Rostock am 26. September 2008 war das Derby von schweren Ausschreitungen überschattet worden.

Der Sonderzug der St.-Pauli-Fans wurde bei der Ankunft mit Flaschen und Steinen attackiert - der Mannschaftsbus mit gefüllten Bechern beworfen.

Skandal im vergangenen Jahr

"Stani" erinnert sich noch genau: "Von der Tribüne aus haben sie mit Gürtelschnallen nach uns geschlagen. Die Ordner, die uns beschützen sollten, waren schnell weg."

Der Hamburger Mannschaftsbus konnte aufgrund der unsicheren Sicherheitslage erst zwei Stunden nach dem Spielende die Rückreise nach Hamburg antreten.

Sportlich muss sich sein Team indes steigern.

Als "zu langsam, zu drucklos, mutlos und ohne Risikobereitschaft" bezeichnete der Trainer den Auftritt der Braun-Weißen gegen Cottbus.

Keine Glanzleistung gegen Energie

"Offensiv war es die schlechteste Leistung der Saison. Wir waren nicht frei. Vielleicht war der Rucksack, Tabellenführer werden zu können, zu schwer", musste der 40-Jährige einsehen.

Er hatte mit einer ungewöhnlichen Entscheidung immerhin für einen Coup gesorgt.

In der 61. Minute schickte der Ex-Profi für Takyi, Boll und Deniz Naki die Offensivkräfte Morike Sako, Rouwen Hennings und Max Kruse aufs Feld - mit Erfolg.

Nur sechs Minuten später traf Kruse zum Ausgleich.

"Kann nicht Risiko verlangen"

"Ich kann nicht von meinen Spielern verlangen, mit Risiko zu spielen, wenn ich selbst nicht bereit bin, etwas zu riskieren", erklärte Stanislawski bei Sport1.de seinen Dreier-Wechsel.

Danach sei "sogar noch der Sieg drin gewesen, aber das Unentschieden geht in Ordnung."

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