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Deniz Naki spielte vor seinem Wechsel zu St. Pauli bei RW Ahlen © imago

Die Aussetzer von St. Paulis Torschützen in Rostock haben Folgen: Der eigene Verein kündigt eine Strafe an, der DFB ermittelt.

Rostock - Als würde das brisante Nordderby zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli nicht schon genügend Zündstoff enthalten, betätigte sich Deniz Naki auch noch als Provokateur.

Nach seinem Treffer zum 2:0-Endstand für die Gäste heizte der zuvor eingewechselte Stürmer die Atmosphäre noch mehr auf.

Erst deutete Naki in Richtung der Rostocker Fans mit seiner rechten Hand das Abschneiden des Halses an, wenig später rammte er auch noch zum Zeichen des Triumphes provozierend eine St.-Pauli-Flagge in den Rasen.

Die Konsequenzen: Der Gegner stellte Naki an den Pranger, der eigene Klub kündigte eine Strafe an und der DFB leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des dringenden Verdachts eines krass sportwidrigen Verhaltens ein.

"Wenn ich so einen Schnösel sehe..."

"Wenn ich so einen Schnösel sehe, der kaum vier Spiele gemacht hat und dann so ein Verhalten an den Tag legt, dann...", sagte Hansa-Trainer Andreas Zachhuber, der den Satz lieber nicht beenden wollte.

Stattdessen forderte er Strafen für den Provokateur: "Ich bin mir sicher, dass Stani die richtigen Maßnahmen ergreift."

Damit war Gäste-Coach Holger Stanislawski gemeint, und der war genauso geladen wie sein Rostocker Kollege: "So etwas geht gar nicht. Das wird intern Konsequenzen haben. Er ist ein junger Spieler, aber so etwas muss er schnell lernen. Ansonsten bekommt er mit mir Probleme."

Naki gibt den Unschuldsengel

Die drohen auch seitens des DFB-Kontrollausschusses, der Naki zu einer zeitnahen Stellungnahme aufforderte. Zumindest direkt nach dem Schlusspfiff spielte der Profi den Unschuldsengel: "Das war ein normaler Gruß an die Rostocker Fans, und die können das aufnehmen, wie sie wollen."

Ob diese Aussagen innerhalb des eigenen Teams gut ankommen, ist zu bezweifeln. "Man muss sich auch einmal nach innen freuen und nicht noch provozieren", meinte Torwart Mathias Hain.

Der kritisierte auch einige Chaoten unter den eigenen Anhängern: "Eine Frechheit, wie die sich verhalten haben. Da redet man vorher so viel und dann das."

Polizei zieht positives Fazit

Nach dem sehenswerten Freistoßtor zum 1:0 durch Matthias Lehmann (77.) wurden im Gäste-Block Feuerwerkskörper gezündet, woraufhin Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer das Spiel für einige Minuten unterbrach.

Doch auch viele Rostocker Anhänger vergaßen am Montagabend ihre gute Kinderstube. Insgesamt wurden 27 Polizisten sowie ein Kameramann bei Ausschreitungen leicht verletzt; 23 Hansa-Fans wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Trotzdem zog die Polizei ein positives Fazit. "Unser Konzept der strikten Fan-Trennung ist komplett aufgegangen", sagte Polizeisprecherin Dörte Lembke. Insgesamt waren rund 1500 Polizisten sowie 500 weitere Sicherheitskräfte im Stadion im Einsatz.

"Strikte Fan-Trennung hat gegriffen"

Unsere Strategie der strikten Fan-Trennung hat voll gegriffen", sagte Peter Mainka, Leiter der Polizeiinspektion Rostock: "Aber leider mussten wieder einmal die Beamten ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen, weil einige Chaoten Lust auf Gewalt haben."

Insgesamt waren rund 2000 Polizisten sowie 500 weitere Sicherheitskräfte im Stadion im Einsatz.

Innenminister fordert Konsequenzen

Dennoch riefen die Randale zwischen den seit Jahren verfeindeten Fanlagern die Politik auf den Plan.

"Die Gesellschaft darf nicht zulassen, dass ein brutaler, gewalttätiger und damit krimineller Mob unter dem Deckmantel des Fußballs regelmäßig friedliche Bürger tyrannisiert, die Polizei angreift und die Justiz herausfordert", sagte Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, und forderte eine konsequente Bestrafung der Chaoten.

Angesichts dieser Vorkommnisse rückte der sportliche Aspekt der Begegnung völlig in den Hintergrund. St. Pauli verdrängte Aufsteiger Union Berlin wieder von Relegationsplatz drei und darf weiter vom Aufstieg träumen.

"Das war ein glücklicher Sieg, aber dafür brauchen wir uns nicht zu schämen", meinte Stanislawski. Doch das galt an diesem Abend leider nicht für alle Beteiligten.

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