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Corny Littmann ist seit 2003 Präsident des FC St. Pauli © getty

Sportlich überzeugend, wirtschaftlich gesund - der FC St. Pauli geht mit großen Ambitionen ins Jubliäumsjahr 2010.

Hamburg - Vergangenen Donnerstag kletterte Corny Littmann in einen Bagger und begann höchstselbst mit dem Abriss der alten Haupttribüne am Millerntorstadion.

Feuerwerkskörper stiegen auf, "Hells Bells" erklangen und etwa 2000 Fans sangen: "You'll never walk alone."

Am Montag dann konnte der Vereinspräsident des FC St. Pauli auf der Mitgliederversammlung rundum positive Zahlen verkünden.

Auf dem Kiez herrscht Aufbruchstimmung - die braun-weiße Zukunft scheint kurz vor dem Jubiläumsjahr 2010 rosarot.

"Wirtschaftlich einer der gesündesten Klubs"

Die Mannschaft hat sich unter Trainer Holger Stanislawski zu einem der spielstärksten Teams der Zweiten Liga entwickelt und schaut als Tabellendritter Richtung Bundesliga (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle).

Die neue Haupttribüne soll zur kommenden Saison stehen, und das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem Gewinn von knapp einer Million Euro abgeschlossen.

"Wir sind wirtschaftlich einer der gesündesten Vereine in Deutschland", sagt Littmann.

Rekordergebnis 2009

"Dem Verein geht es in jeder Hinsicht bestens - und das nicht nur sportlich ", sagte der Präsident.

So konnte der in früheren Jahren oft klamme Kiezklub das abgelaufene Geschäftsjahr (Stichtag: 30. Juni 2009) mit einem Rekordergebnis abschließen.

Dabei erwirtschafteten die Norddeutschen, die in der 2. Liga derzeit Platz drei belegen, einen Überschuss von 1,12 Millionen Euro.

Noch vor zwei Jahren waren die Gräben beim Kiezklub so groß, dass Littmann zwischenzeitlich vom Aufsichtsrat seines Amtes enthoben wurde.

Finanznöte waren ständiger Begleiter

Finanznöte waren ein ständiger Begleiter des Vereins, der 2003 nach dem Abstieg in die Regionalliga nur aufgrund der beispiellosen "Retter"-Kampagne der Insolvenz entging.

Durch das Erreichen des Pokalhalbfinals 2006 und den Aufstieg 2007 in die Zweite Liga aber gelang die Wende. Auch finanziell.

Dabei spielt der Umbau des maroden Stadions aus dem Jahr 1961 eine entscheidende Rolle zur Zukunftssicherung.

2007 wurde die Südtribüne eingeweiht, bei deren Bau die Stadt mit 5,5 Millionen Euro half und die Zusatzerlöse von 1,5 Millionen Euro pro Jahr bringt.

Die 17 Millionen Euro teure Haupttribüne mit ihren 20 Logen soll ein jährliches Plus von 4,5 Millionen erlösen. Insgesamt soll das Stadion 2014 komplett neu gebaut sein.

"Jeder tut das, was er will"

"Wir lassen keine finanziellen Abenteuer zu, um sportlichen Erfolg zu haben", sagt Littmann, "wir müssen nicht aufsteigen, wir möchten aber gerne..."

Seit zwei Jahren bekommt der Klub die DFL-Lizenz ohne Auflagen. Alle Verantwortlichen ziehen an einem Strang.

Geschäftsführer Michael Meeske arbeitet unauffällig im Hintergrund, Littmann ist der "gesellschaftliche" Repräsentant, Stanislawski und Sportchef Helmut Schulte basteln am Kader.

"Jeder tut hier genau das, was er will", sagt Schulte.

Rebellenimage wird gepflegt

Obwohl der Klub den Sprung vom liebenswerten Chaos-Verein zu einem professionellen Unternehmen geschafft hat, ist es gelungen, den St.-Pauli-Kult zu erhalten.

Die Toleranz gegenüber allen Minderheiten und entschiedenes Auftreten gegen jede Form von Rassismus, eine eher linke politische Grundeinstellung sind Konsens bei Fans und Funktionären.

Das Rebellenimage wird professionell aber authentisch gepflegt.

Rund acht Millionen Euro beträgt der Jahresetat für die Profimannschaft.

Topstars bekommt man dafür nicht, aber immer mehr junge deutsche Spieler, die "Bock" haben auf St. Pauli, die Fans und das Umfeld.

"Vielleicht gibt es ja bald das erste Bundesliga-Stadtderby gegen den HSV am Millerntor", hofft Littmann.

Es wäre das perfekte Geschenk zum 100. Jubiläum.

20.000 Euro Geldstrafe

Getrübt wird der positive EIndruck allerdings von einer Geldstrafe über 20.000 Euro.

Diese wurde wegen der Ausschreitungen beim Heimspiel am 25. Oktober gegen Energie Cottbus und bei der Auswärtspartie am 2. November bei Hansa Rostock vom Sportgericht des DFB verhängt.

Darüber hinaus wurde den Hamburgern vor allem wegen der Schwere der Vorkommnisse in Rostock im Wiederholungsfall eine Platzsperre oder ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit angedroht. Der Verein hat den Urteilsspruch akzeptiert.

"Vollidioten erschüttern guten Ruf"

"Ein paar Vollidioten ist es gelungen, den über Jahre aufgebauten guten Ruf des FC St. Pauli zu erschüttern", sagte Präsident Corny Littmann am Montag auf der Mitgliederversammlung des Kiezklubs.

Der Imageschaden durch die Ausschreitungen im St. Pauli-Fanblock im brisanten Duell bei Hansa vor zwei Wochen, bei dem zwei Rostocker Ordner verletzt worden waren, sei immens und in seiner Reichweite noch gar nicht abzusehen, sagte Littmann.

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