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MSV-Coach Milan Sasic kam 2009 vom 1. FC Kaiserslautern nach Duisburg © imago

Bei Sport1.de erklärt Duisburg-Coach Milan Sasic, warum der Aufstieg noch ein Thema ist und wieso ihn sein Image nervt.

Von Matthias Fiedler

München - Beim MSV Duisburg macht man kein Geheimnis draus, dass der Klub so schnell wie möglich zurück in die Bundesliga will.

Nicht umsonst haben die Meidericher mitten in der Saison die Reißleine gezogen und für den Trainer Peter Neururer den Kroaten Milan Sasic verpflichtet.

Doch statt sich nach oben zu orientieren zu können, plagen den 51-Jährigen Verletzungssorgen.

Acht Stammkräfte fehlen den "Zebras" derzeit - und Besserung ist nicht in Sicht. (Datencenter: Ergebnisse und Tabellen)

Im Sport1.de-Interview erklärt Sasic, warum der Aufstieg trotzdem ein Thema ist. Unverständlich ist dem Coach sein Ruf als "Schleifer".

Sport1.de: Herr Sasic, Duisburg steht nur auf Platz sieben der Tabelle. Warum steigt der MSV trotzdem auf?

Milan Sasic: Im Moment an den Aufstieg zu denken, wäre eigentlich vermessen. Bei uns sind mit u.a. Wagner, Fahrenhorst, Larsen, Bodzek und Starke so viele Leistungsträger verletzt, dass es schon schwer genug ist, eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz zu stellen. Wir müssen diese schwere Zeit erst mal überbrücken, und dann werden wir weitersehen.

Sport1.de: Also ist das Thema Aufstieg doch nicht abgehakt, oder?

Sasic: Nein, natürlich nicht. Der Aufstieg ist beim MSV immer im Hinterkopf. Doch mit der derzeitigen Personalsituation bleibt uns nichts anderes übrig, als von Spiel zu Spiel zu denken. Wir stehen im Mittelfeld, uns fehlen acht wichtige Leute. Wer denkt da schon an Liga eins?

Sport1.de: Sie haben mit Änis Ben-Hatira, Chinedu Ede und Sandro Wagner drei U-21-Europameister in Ihren Reihen. Müsste es da nicht, zumindest wenn Wagner wieder fit ist, automatisch bergauf gehen?

Sasic: "Automatisch" gibt es nicht. Aber wenn wirklich alle Spieler einsatzfähig sind, gehört der MSV definitiv unter die ersten sechs der Liga, keine Frage.

Sport1.de: Am vergangen Sonntag bescherte Ihr Team Ihnen in Fürth den ersten Sieg ? und das, obwohl auch noch Torwart Tom Starke ausfiel. Rückt die Mannschaft in dieser Notlage noch mehr zusammen?

Sasic: Auf jeden Fall. Es liegt doch in der Natur des Menschen, dass er in Krisenzeiten noch enger zusammenhält. Da es bei uns derzeit nicht gut aussieht, gibt eben jeder noch mehr und opfert sich auf.

Sport1.de: Das schien bei Ihrem Einstand gegen Ahlen vor zwei Wochen noch nicht der Fall gewesen zu sein, da verspielte Duisburg eine 2:0-Führung. Was lief in Fürth anders?

Sasic: Die Jungs haben von der ersten Minute an voll aufs Gas getreten und bis zum Ende gekämpft. Wir hatten mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz und eine bessere Zweikampfbilanz. Das zahlt sich aus. Außerdem waren wir taktisch besser organisiert und haben als Team harmoniert.

Sport1.de: Sie haben eine straffe Art zu trainieren. Stößt das manchen Spieler vor den Kopf?

Sasic: Entschuldigen Sie bitte, aber zwei Mal am Tag zu trainieren, ist doch wohl nicht zu viel verlangt. Klar, ich verlange maximalen Einsatz. Aber die Jungs bekommen im Gegenzug auch die Möglichkeit, in der Sauna und bei Massagen zu entspannen. Dass mir der Ruf vorauseilt, Spieler zu hart ranzunehmen, verstehe ich nicht.

Sport1.de: Vielleicht liegt es an Ihrem Umgangston, der als sehr streng gilt.

Sasic: Streng würde ich es nicht bezeichnen. Meine Art ist ehrlich und direkt. Ein beleidigendes Wort wird ein Spieler von mir jedoch nie hören. Aber sind wir doch mal ehrlich: Für einen Sportler ist es wichtig zu wissen, wo er steht und was von ihm erwartet wird. Nur dann wird er sich auch verbessern. Und bisher hatte ich mit dieser Linie immer Erfolg.

Sport1.de: So wie in Koblenz...

Sasic: Ja. Dort hatte ich kein Geld für teure Einkäufe, ganz im Gegenteil, der Verein hatte hohe Schulden. Der Aufstieg in die Regionalliga und Zweite Liga innerhalb kürzester Zeit war nur durch eines möglich: harte Arbeit.

Sport1.de: Duisburg hat mit Schalke und Dortmund in der Region erstklassige Konkurrenz. Die MSV-Arena ist so gut wie nie ausverkauft. Wie sehr leidet der Verein darunter?

Sasic: Der Schatten der großen Klubs ist zweifellos da. Und dort kommt der MSV nur raus, wenn er aufsteigt. Wenn Duisburg einmal oben ist, dann wird auch das Stadion wieder voll sein. Schließlich haben es die Nachbarn ja nicht weit.

Sport1.de: Am Samstag wartet Tabellennachbar Augsburg. Im DFB-Pokal-Achtelfinale hagelte es gegen den FCA eine 0:5-Klatsche. Da müssen Sie Ihr Team doch gar nicht extra motivieren, oder?

Sasic: Der Revanche-Gedanke steht nicht im Vordergrund. Aber der sportliche Ehrgeiz ist mit Sicherheit da. Jeder weiß, worum es geht und nimmt sich der Herausforderung an. Leicht wird es keinesfalls. Augsburg ist eine stabile Mannschaft, die noch viel weiter oben stehen könnte.

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