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Martin Harnik (r.) trug bislang mit acht Toren zu Düsseldorfs Aufschwung bei © getty

Nach zehnjähriger Odyssee durch die Niederungen träumt Düsseldorf von der Bundesliga. Die halten einige sogar für realistisch.

Düsseldorf - An der längsten Theke der Welt gibt es momentan nur ein Thema.

Fortuna Düsseldorf, das Problemkind der Stadt am Rhein, ist nach einer zehnjährigen Odyssee wieder aus der Versenkung aufgetaucht und träumt nun sogar vom Bundesliga-Aufstieg. Bei der Fortuna ist nach schmerzhaften Entbehrungen das Glück zurück.

Klub-Idol Gerd Zewe, mit 440 Spielen Rekordspieler des ehemaligen Europapokalfinalisten in der Eliteklasse, glaubt felsenfest an den zweiten Zweitliga-Durchmarsch seiner alten Liebe nach 1994/95. "Fortuna ist wieder da. Ich traue der Mannschaft auf jeden Fall den Aufstieg zu. Alles ist möglich", sagte Zewe.

1979 erlebte Zewe auf dem Platz die größte Stunde des Traditionsvereins: Das dramatische 3:4 nach Verlängerung gegen den FC Barcelona im Finale des Pokalsieger-Cups.

"Ich besuche heute noch jedes Heimspiel. Solch eine Euphorie hat es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Momentan stimmt hier einfach alles", sagt der damalige Kapitän. "Es gibt ja einen enormen Nachholbedarf, die Fans dürsten nach Erfolg."

Fortuna-Manager Wolf Werner verfolgt einen ambitionierten Zweijahresplan, der allerdings schon im Mai erfüllt sein könnte.

Spätestens in zwei Jahren oben

"Wir wollen spätestens in zwei Jahren in die erste Liga aufsteigen. Das war das beste Kalenderjahr seit was weiß ich wann. Mit Euphorie, Aufstiegsspiel, Zuschauer-Boom und einer tollen Hinrunde", sagte der frühere Trainer von Borussia Mönchengladbach.

"Es freut mich riesig, dass wir aus Düsseldorf doch noch eine Fußballstadt machen." In den vergangenen Jahren war Düsseldorf alles andere als das.

Zwischenzeitlich kickte die Fortuna im altehrwürdigen Flinger Broich im Schatten der Müllverbrennungsanlage viertklassig - gegen Germania Teveren, GFC Düren oder Borussia Freialdenhoven. Dann kam die Wende, und es scheint, als werde das verlorene Glück jetzt mit dem Füllhorn ausgeschüttet.

Punktgleich mit Bielefeld

Plötzlich schlagen Neuzugänge ein, die Mannschaft dreht Rückstände, die Fans stehen wie ein Mann hinter ihrem Team. Zum Abschluss der Hinrunde belegt der Aufsteiger den vierten Platz, punktgleich mit dem Topfavoriten Arminia Bielefeld. (DATENCENTER: Zweite Liga)

Vor wenigen Jahren trennten beide Vereine noch drei Ligen. "Das Anspruchsdenken ist höher geworden. In der Rückrunde beweist sich, ob man den Stand halten kann. Oliver Kahn hat einmal gesagt: Du brauchst Rückrundenspieler", sagt Werner:

"Aber wir haben ja im Aufstiegsjahr bewiesen, dass wir ein Rückrundenteam sind." Zum Aufstiegsspiel gegen Werder Bremen II war die Arena ausverkauft. Mit 51.000 Zuschauern, die das 1:0 wie im Rausch feierten.

"Respekt erarbeitet"

Sieben Monate später hat sich der DFB-Pokal-Sieger von 1979 sowie 1980 wie selbstverständlich in der Zweiten Liga etabliert.

"Wir sind nicht mehr der kleine Aufsteiger, sondern haben uns großen Respekt bei den anderen Klubs erarbeitet", sagt Kapitän Andreas Lambertz: "Und träumen darf man immer."

Aufstiegsheld Marco Christ, Schütze des entscheidenden Tores gegen die Bremer Drittliga-Reserve, erlebte eine "Horror-Hinrunde". Seine Rückkehr nach einem Innenbandriss könnte den Aufsteiger verstärken.

Platz drei ist das Ziel

"Kaiserslautern und Augsburg sind die Aufstiegsfavoriten. Danach kommen vier, fünf Klubs mit Chancen auf den Relegationsplatz. Zu denen gehören wir auch, und das wollen wir unbedingt schaffen", sagt Christ.

In diesem Fall hätten die Altbierfreunde in den Kneipen am Rheinufer jede Menge Gesprächsstoff.

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