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Sascha Kirschstein (r.) wechselte vor der Saison von Greuther Fürth nach Ahlen © getty

Ein Feuerzeugwurf und Fans auf dem Platz sorgen für einen Eklat. Der Kontrollausschuss leitet Ermittlungen ein.

Von Ingo Weber

München - Für den eigenen Anhang war Sascha Kirschstein der Held, für die "Löwen"-Fans der Buhmann.

Weil der Keeper von Rot-Weiß Ahlen beim überraschenden 1:0-Sieg in München immer wieder Zeit schindete und die Anhänger hinter seinem Tor mehrfach provozierte, zog er auch den Zorn von Ewald Lienen auf sich.

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"Ich fand das Verhalten des Ahlener Torhüters über 90 Minuten höchst unsportlich", kritisierte der 1860-Coach nach der Partie.

Vom Feuerzeug getroffen

Die "Löwen"-Anhänger äußerten ihren Unmut mit Wurfattacken Richtung Ahlener Keeper. So wurde Kirschstein in der 50. Minute von einem Feuerzeug am Kopf getroffen.

Doch auch die Attacke warf ihn nicht um, stattdessen wurde Kirschstein mit zahlreichen Paraden zum Matchwinner.

"Ich bin in vielen Stadien unbeliebt. Solche Sachen motivieren mich nur noch mehr", sagte er nach der Partie zu Sport1.de.

Fans auf dem Platz

Die aufgebrachten 1860-Fans waren indes nicht mehr zu beruhigen. Drei von ihnen schafften es nach dem Abpfiff sogar auf das Spielfeld und steuerten vermummt Richtung Schiedsrichter Markus Wingenbach.

Ordner konnten die Angelegenheit zwar schnell beruhigen, trotzdem wird 1860 München mit einer Geldstrafe seitens der DFL rechnen müssen.

"Solche Sachen gehören natürlich nicht ins Stadion. Doch ich finde es Wahnsinn, dass der ganze Verein wegen der Dummheit einiger sogennanter Fans bestraft wird", meinte Lienen.

Kontrollausschuss ermittelt

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes hat inzwischen Ermittlungen gegen 1860 München eingeleitet.

Die "Löwen", denen eine empfindliche Strafe droht, bedauerten die Vorfälle in einer offiziellen Stellungnahme und kündigten an, gegen die beiden Randalierer ein dreijähriges Stadionverbot zu verhängen und sie für den möglichen Schaden in Regress nehmen zu wollen.

Darüber hinaus werde man die Zahl der Sicherheitskräfte künftig erhöhen. "Offensichtlich reichen 50 Sicherheitskräfte am Spielfeldrand nicht aus, um unkontrollierte Fanreaktionen zu verhindern", sagte 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers.

Um die Schiedsrichter besser zu schützen, würden die Unparteiischen künftig vom Ordnungsdienst in die Kabine eskortiert.

Zündende Ideen fehlten

Es war das i-Tüpfelchen auf einem rundherum verpatzten Abend für die Gastgeber.

Die "Löwen" hatten die große Chance verpasst, mit einem Pflichtsieg drei Plätze gut zu machen. Stattdessen boten sie gegen das Ligaschlusslicht aus Ahlen über weite Strecken Fußball zum Abgewöhnen.

Bezeichnender Weise resultierten die besten Chancen aus Standardsituationen.

"Gegen kompakt stehende Mannschaften muss man mehr über die Flügel kommen. Außerdem hatten wir zu viele leichte Ballverluste", fand Lienen Gründe für die unnötige Niederlage.

Trotzdem müssen wir mit unseren Chancen etwas Zählbares mitnehmen."

Ahlen effektiv

Ahlen konnte in der eiskalten Allianz-Arena vor nur 14.800 Zuschauern auch nicht überzeugen, war jedoch wahnsinnig effektiv.

"Löwen"-Keeper Gabor Kiraly konnte einem schon Leid tun, denn der einzige gefährliche Ball der auf sein Tor kam, zappelte nach 28 Minuten im Netz.

Benjamin Kern sorgte mit einem Sonntagsschuss für das Tor des Tages und gab dem Tabellenletzten wieder Hoffnung im Abstiegskampf.

Auch wenn Lienen in dieser Entscheidung mit dem Unparteiischen haderte: "Dieser Aktion gingen gleich mehrere Fehlentscheidungen voraus. Das darf eigentlich nicht passieren."

Hock lobt Moral

Seinem Gegenüber war das egal. "Wir sind bedingungslos in jeden Zweikampf gegangen und haben uns die Punkte redlich erkämpft", meinte Ahlens Trainer Christian Hock.

"Natürlich können wir nicht über 90 Minuten Torchancen verhindern, aber was auf sein Tor kam, hat Sascha Kirschstein überragend gehalten."

Der Mann des Abends lief vor allem in der Schlussphase zur Hochform auf und entschärfte binnen zehn Minuten vier Großchancen der Gastgeber.

Kirschstein ist auswärts seit nunmehr 429 Minuten ohne Gegentor, Ahlen blieb in der Fremde zum sechsten Mal ungeschlagen und hat nun sieben Punkte in den letzten drei Spielen geholt.

"Die letzten Ergebnisse sprechen für uns. Die Qualität im Kader ist jetzt höher und wir machen klare Fortschritte. Wir wollen am Freitag gegen Bielefeld nachlegen", erklärte Hock.

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