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Holger Stanislawski ist seit 2006 Cheftrainer beim FC St. Pauli © getty

Nach vier sieglosen Spielen ändert St. Paulis Trainer demonstrativ seinen Führungsstil: autoritär statt Laissez-Faire.

Von Olaf Mehlhose

Hamburg - Ein Punkt, ein Tor: Das ist die ernüchternde Bilanz des FC St. Pauli aus den jüngsten vier Spielen. Der Vorsprung auf Platz vier ist von acht auf zwei geschrumpft.

In der Tabelle ist Pauli vom zweiten auf den dritten Rang zurückgefallen. Bei den Hamburgern wurde die Krise dennoch relativ sorglos behandelt: Nach der Niederlage bei den "Löwen" waren die Spieler zwar enttäuscht, aber der Tenor waren Ausflüchte und Durchhalteparolen:

"Wir haben einfach kein Glück", sagte Richard Sukuta-Pasu und Marius Ebbers äußerte sich ähnlich:

"Uns fehlt im Moment die Fortune, aber wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren."

"Den Bock wieder umstoßen"

Auch Sportchef Helmut Schulte plädierte für eine bedächtige Aufarbeitung:

"Natürlich sind wir enttäuscht, aber wir werden das Spiel in Ruhe analysieren, um dann gegen Oberhausen den Bock wieder umzustoßen."

"Fehlende Qualität vor dem Tor"

Doch mit der allgemeinen Gelassenheit ist jetzt Schluss. Mit einem energischen Auftritt hat Trainer Holger Stanislawski den allgemeinen Schmusekurs am Montag beendet.

Bereits am Sonntag hatte Stanislawski mit der "fehlenden Qualität vor dem Tor" gehadert. Einen Tag später folgte eine 45-minütige Ansprache vor der Mannschaft, in der die Fehler schonungslos aufgearbeitet wurden.

Vernichtende Einzelkritik

Die Einzelkritik fiel vernichtend aus: "Es ging von Note sechs bis bundesligauntauglich", sagte Stanislawski dem "Hamburger Abendblatt":

"Aber das ist jetzt eigentlich nur noch zweitrangig, denn ich habe ein paar Entscheidungen getroffen. Wir haben die Reset-Taste gedrückt."

"Angst etwas zu verlieren"

Nur wenige Spieler hätten in den vergangenen Wochen eine ordentliche Leistung gezeigt. Beinahe philosophisch führt Stanislawski die Gründe dafür aus:

"Unser großes Problem ist die Angst, etwas zu verlieren, was wir noch gar nicht haben, und nicht geil darauf zu sein, etwas zu bekommen, das wir noch nicht besitzen."

Es geht dem Trainer allerdings nicht darum, einen Schuldigen für die sportliche Misere zu finden. Sein Rezept lautet: Fehler ansprechen und korrigieren, um alle Kräfte für das gemeinsame Ziel zu mobilisieren.

Der Konkurrenzkampf ist eröffnet

Um den Spielern seine Entschlossenheit zu verdeutlichen, hat der 40-Jährige bereits Maßnahmen ergriffen:

Der Trainingsumfang wird verdoppelt, kein Spieler ist gesetzt - die Aufstellung ergibt sich aus Trainingsleistungen - und von nun an wird nicht mehr am Millerntor, sondern wieder auf dem Trainingsgelände an der Kollaustraße trainiert - auch bei Wind und Wetter.

Mit dem Kurswechsel hat Stanislawski einen letzten Versuch unternommen, seine Mannschaft wachzurütteln. Außerdem hat der Trainer nochmals seinen eigenen Anspruch verdeutlicht.

Jetzt sind die Spieler gefordert.

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