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Unter Trainer Thomas Finck holte Rostock einen Punkt aus drei Spielen © getty

Abstiegsgefahr, Fanaufstand, Turbulenzen im Vorstand: Vorm Spiel in Paderborn spricht Trainer Finck über die Situation in Rostock.

Von Martin Hoffmann

München - Die Ansprüche an der Ostsee sind groß, doch Hansa Rostock trennen mittlerweile nur noch zwei Punkte vom Abstiegsrelegationsplatz.

Thomas Finck löste Andreas Zachhuber als Trainer ab. Der erhoffte Aufschwung blieb aber bisher aus.

Nur einen Punkt holte Hansa unter dem neuen Coach Finck, ein Tor konnte die Mannschaft unter der Regie des 40-Jährigen noch nicht erzielen.

(DATENCENTER: Zweite Liga)

Dazu kommen Turbulenzen im Vorstand und ein Aufstand der Hansa-Fans. Vor dem Spiel in Paderborn am Sonntag (ab 13.15 Uhr LIVE) ist die Situation also alles andere als angenehm.

Im Sport1.de-Interview spricht Thomas Finck über die Ereignisse in Rostock, das Spiel in Paderborn, die Chancen im Abstiegskampf und seine Perspektiven als Trainer.

Sport1: Herr Finck, Sie arbeiten nun zwei Wochen mit Ihrem Team, das mitten im Abstiegskampf steckt. Die Fans haben den Aufstand geprobt und im Vorstand werden Stühle verrückt. Macht die Arbeit trotzdem Spaß?

Thomas Finck: Sicher sind die Begleitumstände alles andere als günstig. Spaß macht es trotzdem. Für mich ist es eine große Herausforderung und ich freue mich über das Vertrauen, das in mich gesetzt wird.

Sport1: Zu ihrer Aufgabe gehört es, den Trubel im Umfeld von den Spielern fern zu halten. Wie wollen Sie das schaffen?

Finck: Ich kann niemandem verbieten, Zeitung zu lesen oder sich mit Freunden und Bekannten zu unterhalten. Das kann man nicht ganz fern halten. Meine Priorität ist es, mein Team gut auf das nächste Spiel einzustellen. Mit guten Ergebnissen bekommt man den Ärger am besten in den Griff.

Sport1: Sie haben gesagt, dass der erhoffte Effekt nach dem Trainerwechsel bisher nicht eingetroffen ist. Wie wollen Sie diesen Effekt nun vor dem Spiel am Sonntag in Paderborn herbeiführen?

Finck: Ich werde sicher nicht in Aktionismus verfallen, sondern darauf achten, dass wir konzentriert arbeiten. Wir kennen die Stärken des Gegners und die Paderborner kennen unsere Stärken. Dementsprechend haben wir darauf reagiert und bereiten uns vor.

Sport1: Ist es aus Ihrer Sicht das Hauptproblem, dass der Kader eigentlich gut genug für das obere Mittelfeld wäre, aber davon weit entfernt ist?

Finck: Ich denke, dass unser Saisonziel Rang acht bis zwölf, durchaus realistisch war. In der Hinrunde, haben wir auch durchaus unsere Erwartungen erfüllt, aber in der Rückrunde hat sich ein Negativ-Trend eingeschlichen. Dann haben wir Spiele verloren, die wir hätten gewinnen müssen. Auf einmal machst du Fehler, die du sonst nicht begehst und dann bist du in so einer Spirale drin.

Sport1: Wie ermuntert man seine Spieler, aggressiver und robuster ins Spiel zu gehen?

Finck: Die Mannschaft hat einen sehr guten Charakter. Es gibt bei uns keine Gruppenbildung und die Harmonie im Team ist sehr groß. Das fällt uns nun auf die Füße, da wir Leute brauchen, die vorne weg marschieren und auch mal "Dreckschweine" sind.

Sport1: Welche Spieler sehen Sie im Abstiegskampf in besonderer Verantwortung?

Finck: Das ist mir egal, wer das macht. Das können die Spieler in der Startelf oder auf der Bank sein. Wenn man durch so ein Tal gegangen ist, kann man als Spieler sehr viel davon mitnehmen. Und das sollten sich die Spieler merken.

Sport1: Nun spielen Sie gegen Paderborn. Was erwarten Sie sich von dem Spiel speziell?

Finck: Paderborn spielt eine klasse Saison bisher als Aufsteiger. Was Andre Schubert da leistet, ist sensationell. Sie sind eines der heimstärksten Teams der Liga, aber wir werden versuchen, sie zu knacken. Wir fahren sicher nicht da hin, um zu verlieren.

Sport1: Hansa Rostock hat eine sehr gute Jugendarbeit, die etwa Toni Kroos hervorgebracht hat. Warum profitiert der Verein nicht mehr davon?

Finck: Wir sind zum einen auf unsere Jungendarbeit angewiesen. Aber auf der anderen Seite ist der Standort Mecklenburg-Vorpommern nicht so attraktiv, dass viele Spieler zu uns kommen. Aber wir versuchen etwas daraus zu machen. Es ist für meine jungen Spieler eine sehr schwierige Situation. Es wäre natürlich leichter, wenn sie in die Mannschaft kommen und nicht um den Abstieg kämpfen müssen.

Sport1: Manager Rene Rydlewicz hat betont, dass Sie keine Übergangslösung sind. Hilft Ihnen das?

Finck: Das würde mich freuen, wenn es so wäre. Aber ich mache mir natürlich auch nichts vor. Wichtig ist, dass wir unsere Punkte holen. Das ist bisher nicht so geschehen, wie wir uns das vorgestellt haben. Das ändert aber nichts daran, dass ich optimistisch bleibe und glaube, dass wir den Bock noch umstoßen und nicht absteigen werden.

Sport1: Angenommen dass Sie als Chef-Coach scheitern, rücken Sie dann wieder zurück als Co-Trainer oder Jugendtrainer?

Finck: Über so etwas mache ich mir keine Gedanken. Wichtig ist, dass wir unsere Ziele erreichen.

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