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Sami Allagui jubelte in dieser Saison schon achtmal für die "Kleeblätter" © imago

Sami Allagui war schon Meister und Champions-League-Teilnehmer - doch erst bei Greuther Fürth schießt er sich ins Rampenlicht.

Von Martin Hoffmann

München - Er ist erfolgreicher als Luca Toni, treffsicherer als Mario Gomez, effektiver als Patrick Helmes.

Mit acht Toren in sieben Spielen ist Sami Allagui von der SpVgg Greuther Fürth aktuell der Top-Torjäger des deutschen Profifußballs - auf dem Papier zumindest.

Sami wer? Außerhalb von Fürth dürften sich derzeit noch viele Fans diese Frage stellen.

Doch das dürfte sich ändern, wenn der 22-jährige Deutsch-Tunesier so weiter macht wie am Sonntag, als er sein Team beim 4:2 gegen Osnabrück mit zwei Treffern zum Sieg schoss.

"Viel weiter als die anderen"

Hans-Joachim Pirnack ist nicht überrascht davon, wie der in Düsseldorf geborene Allagui sich jetzt ins Rampenlicht schießt.

Er war sein Jugendtrainer beim BV Büderich in der Kleinstadt Meerbusch am westlichen Rheinufer, in der sein damaliger Schützling aufgewachsen ist.

"Schon als Zehnjähriger war Sami viel weiter als die anderen Jungs", erinnert sich Pirnack.

Bei Anderlecht im Champions-League-Kader

Allaguis Talent fiel dann schließlich auch dem Nachbarklub Fortuna Düsseldorf aus, von wo aus es ihn dann zu Alemannia Aachen zog.

Auf der Schwelle zum Profi ging er dann aber das Wagnis ein, den Sprung nicht bei der Alemannia, sondern im Nachbarland Belgien beim Rekordmeister RSC Anderlecht zu versuchen.

Allagui wurde mit dem Renommierklub Meister und war auch in der Champions League dabei - allerdings nur als Bankdrücker.

"Nationalspieler vor der Nase"

Letztlich kam er bei Anderlecht nur zu einem Jokereinsatz in der Liga und verließ den Klub mangels Perspektiven.

"Die Konkurrenz war riesig", erinnert sich Allagui: "Ich hatte Nationalspieler vor der Nase, aber von denen habe ich viel gelernt."

Das Intermezzo in Belgien, wo er auch noch ein halbes Jahr beim KSV Roeselare spielte, bereut er nicht: "Ich würde es jederzeit wieder so machen."

Schwarzes Jahr in Jena

Dennoch entschloss sich der gläubige Muslim 2007 zur Rückkehr nach Deutschland: Carl Zeiss Jena engagierte ihn, nachdem er in einem Probespiel drei Tore geschossen hatte.

In Thüringen erlebte Allagui jedoch ein schwarzes Jahr: Wegen eines Meniskusschadens verpasste er die komplette Hinrunde, am Ende der Saison stand Jenas Abstieg.

Allagui allerdings überzeugte in seinen Auftritten für Jena durch technische Beschlagenheit, Spielwitz und Durchsetzungsstärke, schoss in 14 Spielen drei Tore und bereite vier weitere vor.

Möhlmann lobt: "Sensationell!"

Das blieb auch Greuther Fürth nicht verborgen. "Viel Potenzial, das man entwickeln kann", erkannte Geschäftsführer Helmut Hack.

Noch unter dem jetzigen Leverkusener Coach Bruno Labbadia verpflichteten die "Kleeblätter" Allagui als Nachfolger des abgewanderten Stefan Maierhofer.

Und der Neuzugang eroberte die Herzen im Sturm. Selbst Labbadias mit Lob eher zurückhaltender Nachfolger Benno Möhlmann preist Allaguis Ausbeute als "sensationell".

WM 2006 war möglich

Knüpft Allagui an seine Leistungen an, schafft er es womöglich noch, sich seinen großen Traum zu verwirklichen: eine Karriere im Nationalteam.

Es könnte das deutsche sein. Allagui hat die doppelte Staatsbürgerschaft und für Tunesien hat er noch kein Spiel bestritten. "Wir beobachten ihn", hat DFB-Sportdirektor Matthias Sammer dem "kicker" schon anvertraut. Allagui könnte bei erfolgreicher Qualifikation bei der U-21-EM für Deutschland stürmen.

Aber auch Tunesien lockt Allagui. "Zur WM 2006 wollten sie mich schon mitnehmen", erklärt er: "Aber ich habe abgesagt. Ich wollte nicht als 25. Mann mitfahren."

Das könnte sich noch als Segen für Joachim Löw erweisen

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