vergrößernverkleinern
Uwe Möhrle spielt seit August 2007 beim FC Augsburg © getty

Augsburg will im Spitzenspiel auf St. Pauli zeigen, "dass wir noch da sind", wie Uwe Möhrle im SPORT1-Interview verlangt.

Von Mathias Frohnapfel

München - Uwe Möhrle kann als gelernter Bankkaufmann bestens mit Zahlen umgehen.

Doch der Kapitän des FC Augsburg hält vorm Spitzenspiel beim FC St. Pauli (Mo., ab 20.15 Uhr auf SPORT1 und LIVE) nichts von Rechenspielen.

Mit einem Punkt Abstand sitzen die bayerischen Schwaben dem Kiezklub im Nacken, wollen die Hamburger unbedingt von Platz zwei stoßen. (DATENCENTER Zweite Liga: Ergebnisse und Tabelle)

Möhrle fordert Leidenschaft und Biss

"Man kann sich leicht verrechnen", warnt der Abwehrchef aber mit Blick auf den Endspurt Richtung Aufstiegsplätze.

Um das zu verhindern, fordert er im Gipfel am Millerntor von seinem Team Leidenschaft und Biss. Im SPORT1-Interview spricht Möhrle zudem über die jüngste Formdelle und die Fan-Kultur in Augsburg.

SPORT1: Herr Möhrle, entscheidet sich am Montag, wer direkt aufsteigt?

Uwe Möhrle: Das haben mich schon so viele gefragt, aber ich glaube nicht, dass am Montag die Entscheidung fällt. Natürlich dürfen wir auf keinen Fall verlieren und dann hoffe ich, dass es bis zum Ende spannend bleibt.

SPORT1: Ihr Team hat das Hinspiel gegen St. Pauli mit 3:2 gewonnen. Ist das ein kleiner psychologischer Vorteil?

Möhrle: Unser Trainer Jos Luhukay gibt uns hin und wieder mal Werte und Zahlen und ich glaube, dass wir gegen die ganzen Top-Mannschaften noch gar kein Spiel verloren haben und die meisten Spitzenspiele gewonnen haben. Das gibt schon eine breite Brust.

SPORT1: Was sind die Stärken des FC St. Pauli? Worauf müssen Sie besonders achten?

Möhrle: Sie haben mit uns die beste Offensive der Liga und ein sehr variables Angriffsspiel. Ich glaube, dass wir genug Arbeit in der Defensive bekommen werden.

SPORT1: Die Abwehr hat sich in der Rückrunde - von der 0:4-Klatsche in Aachen abgesehen - stabilisiert. Wie erklären Sie sich diesen Fortschritt?

Möhrle: Es wurde eben angesprochen, dass wir den Gegenspieler einfach nicht vorbeilassen wollen, dass wir viel dreckiger spielen müssen. Diese Konsequenz hat uns auch ein Stück weit nach vorne gebracht. Wir haben in der Hinrunde sehr oft die Formation in der Abwehr gewechselt, das war in der Rückrunde anders. Man muss eingespielt sein, das sieht man auch an Kaiserslautern.

SPORT1: Erwarten Sie am Millerntor ein sehr kampfbetontes Spiel?

Möhrle: Zu hundert Prozent. Da kommt einfach alles zusammen. Montagabend-Spiel, Flutlicht, es geht einfach um so viel. Das Hinspiel hatte auch schon ordentlich Tempo, Aggressivität, Brisanz, eine Rote Karte und fünf Tore. Die ganzen Zutaten sprechen für ein richtig aufregendes Spiel.

SPORT1: Der FCA hat zuletzt eine leichte Formdelle erlebt. Verunsichert das die Mannschaft?

Möhrle: Die letzten Spiele sind Nervensache. Ich hoffe, dass das Spiel in Aachen ein Ausrutscher war und denke, dass wir besser Fußball spielen können. Wir müssen auch mal wieder ein Ausrufezeichen setzen und zeigen, dass wir noch da sind.

SPORT1: Verraten Sie doch mal, worauf es im Aufstiegskampf ankommt.

Möhrle: Du musst versuchen in jedem Spiel mit aller Macht auf Sieg zu spielen, da jeder Punkt am Ende auch zählen kann. Du darfst dich nicht aus der Bahn werfen lassen und musst mental stark bleiben. Wir haben viele erfahrene Spieler, die das an die anderen auch weiter geben können.

SPORT1: Als Kapitän ist es auch wichtig voranzugehen. Ist das eine Rolle, die Sie gesucht haben oder in die Sie nach und nach hineingewachsen sind?

Möhrle: Schon eher das Zweite. Ich bin das erste Mal Kapitän in einer Mannschaft und bin froh, dass mich der Trainer dazu ernannt hat. Aber ich musste mich schon erstmal daran gewöhnen.

SPORT1: In der Bundesliga würden einige Fans und Verantwortliche lieber den FC St. Pauli sehen. Die Hamburger bringen mehr Anhänger mit, ist eine Überlegung. Ärgert es Sie, wenn der FCA unterschätzt wird?

Möhrle: Wir haben noch ein bisschen Luft, um an St. Pauli ranzukommen, aber wir müssen uns als Verein nicht verstecken. Unsere Fans haben auch schon gezeigt, was sie leisten können.

SPORT1: Augsburg war viele Jahre nicht im Profi-Fußball vertreten. Muss man da viel aufholen?

Möhrle: Wir hatten schwierige Jahre nach dem Aufstieg. Es ist natürlich wichtig, dass man durch Erfolg die Menschen ins Stadion lockt, vor allem die Art und Weise wie wir spielen macht den Leuten Spaß. Ich glaube, dass da in Augsburg mittlerweile etwas wächst.

SPORT1: Sie sind seit 2007 in Augsburg, waren vorher in Wolfsburg, Duisburg und Rostock. Spüren Sie jetzt angesichts der guten Ausgangslage eine Aufbruchstimmung in der Stadt?

Möhrle: Es ist schon so, dass die ganze Geschichte eine neue Dimension einnimmt. Das Stadion war ein absolutes Muss, das von den Fans gut angenommen wird. Ich hoffe vor allem, dass wir das Stadion noch voller kriegen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel