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Marius Ebbers (r.) erzielte seine Saisontore Nummer 16 und 17 © getty

Der FC St. Pauli macht mit dem 3:0 gegen den FC Augsburg eine klare Ansage in Sachen Direktaufstieg. Nach dem Sieg feiert der Kiez.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Schiedsrichter Florian Mayer hatte die Partie gegen Augsburg längst abgepfiffen, da feierten die Fans immer noch frenetisch ihre Braun-Weißen nach dem 3:0-Erfolg im Duell der beiden angriffststärksten Teams der Liga.(DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle)

"Wahnsinn, was hier abgeht. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie es hier erst abgeht, wenn der Aufstieg tatsächlich feststeht. Das ist ja kaum noch zu steigern", wunderte sich der "Mann des Abends", dem die Fans mit "Marius Ebbers, Fußball-Gott"-Rufen huldigten.

Matchwinner Ebbers bleibt bescheiden

Dem Torjäger, der mit seinen Treffern 16 und 17 den Gästen den endgültigen K.o. versetzte, war das eher peinlich: "Ich bin kein Fußball-Gott, ich bin ein normaler Fußballspieler", stellte Ebbers gegenüber SPORT1 klar.

Selbst von einem gewonnenen Duell der Top-Torschützen der Liga wollte der 31-Jährige nichts wissen: "Von mir aus hätte Michael Thurk auch zweimal treffen können, dann hätten wir eben 3:2 gewonnen", sieht sich St. Paulis Torjäger als "Mannschaftsspieler".

"Das Tor zur Bundesliga steht offen. Jetzt müssen wir nur noch durchgehen", beschrieb Ebbers die Situation nach dem 30. Spieltag.

Doppelter Grund zum feiern

Sollte St. Pauli am 9. Mai tatsächlich als Rückkehrer in die Bundesliga feststehen, gäbe es gleich doppelten Grund zum feiern. Am 15. Mai wird der Traditionsklub auch noch 100 Jahre alt.

"Die Party würde auf jeden Fall größer werden als beim Aufstieg in die 2. Liga. Ich liebe das Chaos und wenn etwas nicht mehr zu kontrollieren ist", sagte Vereinschef Corny Littmann.

"Wollen direkt aufsteigen"

Vier Spiele vor Saisonende haben die Hamburger neun Punkte Vorsprung auf den Tabellenvierten Fortuna Düsseldorf und den Aufstieg vor Augen. "Ganz ehrlich: Das dürfen wir uns einfach nicht mehr nehmen lassen", meinte Mittelfeldspieler Florian Bruns.

"Die Relegation haben wir sicher. Da fehlen nur noch drei Punkte", rechnete Rouwen Hennings vor, "aber wir wollen direkt aufsteigen. Und da müssen wir drei Spiele gewinnen, um ganz sicher zu sein."(SERVICE: Der Tabellenrechner der Zweiten Liga)

Völlig verschiedene Halbzeiten

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, hat "Augsburg uns heute gezeigt. Die waren in der ersten Halbzeit bärenstark", zollt Fabian Boll den Gästen Anerkennung. "Da hat man unsere Nervosität gespürt. In der zweite Halbzeit haben wir dann offensiver gestanden und die Partie verdient gewonnen."

Das sah auch Holger Stanislawski so: "Alles, was wir in der zweite Halbzeit gut gemacht haben, haben wir in der ersten Halbzeit nicht gut gemacht. Wir haben viel zu tief gestanden und dem Gegner zu viele Räume gelassen", sagte St. Paulis Trainer nach einem "Spiel zweier sehr guter Mannschaften auf hohem Niveau".

Augsburg muss "Arschbacken zusammenkneifen"

Während die Kiez-Kicker nach einem Spiel mit zwei völlig verschiedenen Halbzeiten ihren klaren Erfolg feierten, leckten die Augsburger ihre Wunden.

"Wir haben in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir zu Recht da oben stehen. Doch St. Pauli hat unsere individuellen Fehler eiskalt ausgenutzt", sagte Dominik Reinhardt zu SPORT1.

"Jetzt müssen wir die Arschbacken zusammenkneifen und noch mal richtig Gas geben", forderte der Verteidiger: "Noch ist alles möglich. Ich schreibe Rang zwei noch nicht ab, aber wir müssen auch aufpassen, dass wir uns die tolle Saison nicht mit Platz vier versauen."

Abgezocktheit fehlt

"Uns fehlt einfach die Abgezockheit, um so eine Leistung wie in der ersten Halbzeit bei einem Spitzen-Team auch über 90 Minuten durchzuhalten", gab Torhüter Simon Jentzsch zu bedenken.

"Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir vor einem Jahr noch gegen den Abstieg gespielt haben",

Nur eine gute Halbzeit

Das sah auch Jos Luhukay so: "Wir haben auf Sieg gespielt, und ich hätte hier gern gewonnen, aber dazu hätten wir auch in der zweiten Halbzeit Fußball spielen müssen. Das haben wir leider nur in der ersten Halbzeit getan", analysierte der FCA-Trainer.

"Man spürt, dass meiner jungen Mannschaft noch die Erfahrung für so wichtige Spiele fehlt", so der Niederländer.

"Beide haben den Aufstieg verdient"

"Wir werden unser bestes versuchen in den kommenden Spielen und weiter am Ziel Bundesliga arbeiten", versprach der 46-Jährige.

"Denn beide Mannschaften, die hier heute gespielt haben, haben den Aufstieg verdient. Eine feiert schon nach 34 Spieltagen, die andere braucht zwei mehr."

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