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Marco Kostmann (r.) arbeitet im Team mit Thomas Finck (l.) © imago

Marco Kostmann spricht bei bei SPORT1 über seinen Job als Cheftrainer, das Spiel gegen Frankfurt und einen möglichen Abstieg.

Von Thorsten Mesch

München - Er ist gebürtiger Rostocker, ehemaliger Spieler und Sohn von Hansa-"Legende" Gerd Kostmann, der 1968 und 1969 DDR-Oberliga-Torschützenkönig wurde und wegen seiner Kopfballstärke auch "Goldköpfchen" genannt wurde.

Marco Kostmann trat nicht direkt in die Fußstapfen seines Vaters. Er wurde Torhüter und arbeitet seit mittlerweile zehn Jahren als Trainer.

Im Sommer 2009 kehrte er zu Hansa zurück, um als Torwarttrainer zu arbeiten. Mitte März übernahm er den Posten des Cheftrainers von Thomas Finck, dem die entsprechende Lizenz fehlte.

Mit dem 3:1 gegen Duisburg gelang Kostmann ein perfekter Einstand, dennoch ist Hansa akut vom Abstieg bedroht.

Vor dem Spiel gegen den punktgleichen FSV Frankfurt (Sa., ab 12.45 Uhr LIVE) spricht Marco Kostmann bei SPORT1 über seinen Job als Cheftrainer, das Spiel gegen Frankfurt und die Bedeutung eines möglichen Abstiegs.

SPORT1: Herr Kostmann, Sie sind tief mit Hansa und Rostock verwurzelt. Ist der Posten des Cheftrainers deshalb etwas ganz Besonderes für Sie?

Marco Kostmann: Cheftrainer in einem Profiklub zu sein, ist in jedem Verein etwas Besonderes. Ich möchte keine familiäre Beziehung zu meinem Arbeitgeber aufbauen. Aber es ist sicherlich etwas anderes, wenn man hier geboren ist, wenn die Eltern hier noch leben und man hier auch selbst lange gelebt und auch gespielt hat oder später noch mal in dem Verein war.

SPORT1: In Rostock sollten Sie usprünglich nicht als Chef- sondern als Torwarttrainer arbeiten. Doch dann kam es anders.

Kostmann: Es ist schon ungewöhnlich. Ich habe hier im vorigen Sommer angefangen und bin angetreten, um eine einheitliche Trainingsauffassung im Verein zu schaffen. Um mit den Jugendtorhütern zu trainieren bis hoch zu den Profitorhütern. Das war mein Arbeitsauftrag und daraus habe ich auch meinen Ehrgeiz gezogen. Und jetzt ist es ein bisschen anders gekommen. Das kam natürlich überraschend, aber dem ist jetzt so und jetzt geht es darum, den Verein in der Klasse zu halten.

SPORT1: Im Kampf gegen den Abstieg hat Hansa zuletzt beim 1:2 in Karlsruhe einen Rückschlag hinnehmen müssen. Warum?

Kostmann: Wir haben dieses Spiel verloren, weil wir bei den letzten beiden Standards die Zuordnung nicht eingehalten haben. Das darf am ersten Spieltag nicht passieren, das darf am zweiten Spieltag nicht passieren, aber es darf erst recht nicht passieren, wenn es so Spitz auf Knopf steht wie jetzt. Wir müssen bis zum Ende mit dem Kopf dabei bleiben. Ganz klar. Das darf sich gegen Frankfurt nicht wiederholen.

SPORT1: Am Samstag kommt der FSV, der punktgleich hinter Hansa auf dem Relegationsplatz steht. Ein Endspiel?

Kostmann: Ein Endspiel wäre es gewesen, wenn wir in Karlsruhe gewonnen hätten und Frankfurt verloren hätte. Denn dann hätten wir nach dem Spiel zumindest eine Entscheidung gehabt. Und das haben wir jetzt nicht, egal wie es ausgeht.

SPORT1: Das Restprogramm ist mit den Auswärtsspielen in Kaiserslautern und Düsseldorf hart. Der FCK könnte dann aber theoretisch schon als Aufsteiger feststehen. Ein Vorteil?

Kostmann: Wir rechnen uns nichts schwarz und wir rechnen uns auch nichts schön. Diese Rechnerei ist völlig sinnlos, weil es doch immer wieder anders kommt, als man denkt. Es geht jetzt darum, die Mannschaft auf das Spiel gegen Frankfurt vorzubereiten und dann gucken wir mal, wie danach die Situation aussieht.

SPORT1: Stellen Sie die Mannschaft allein ein oder im Trainer-Team?

Kostmann: Mit Thomas Finck wird jedes Training, jede Spielauswertung besprochen. Anders geht es nicht.

SPORT1: Ein möglicher Abstieg hätte wohl für den Verein und die Region weitreichende Folgen. Spüren Sie eine besondere Verantwortung?

Kostmann: Ich merke, welche Verantwortung der Job als Cheftrainer mit sich bringt. Und ich habe auch gemerkt, wie viele Leute um diesen Verein und um die Mannschaft bangen. Auch die, die primär damit gar nichts zu tun haben und nicht am Erfolg oder Misserfolg partizipieren. Und trotzdem merkt man, wie viele Leute daran hängen und wie sich mittlerweile auch ihre Stimmung wandelt, mit Sieg und Niederlage. Das ist eine große Verantwortung. Im Umkreis bis Berlin gäbe es im Abstiegsfall keinen Zweitligisten mehr. Und das wäre dramatisch. Dann wird für einige sicherlich die Wochenendplanung anders laufen.

SPORT1: Sie waren ja auch lange Jugend-Torwarttrainer. Welche Folgen hätte in Abstieg für den Unterbau des Vereins?

Kostmann: Wir haben eine richtig gute Nachwuchsakademie und dieser Akademie müssen wir immer die Perspektive geben, dass ganz oben Profifußball angeboten wird. Sonst werden wir möglicherweise junge talentierte Spieler nicht nach Rostock holen können, die wir dann weiter ausbilden, wenn wir denen nicht diese Perspektive Profifußball bieten können.

SPORT1: Wie sieht Ihre Zukunft bei Hansa aus?

Kostmann: Das entscheide ich ja nicht. Sonst würde ich sagen, "ich mach Präsident." Also, wenn sich jetzt bis Samstag nichts ändert, bin ich gegen Frankfurt Cheftrainer und so wird das, denke ich mal, bis zum Saisonende gehen. Wie es dann weitergeht, werden wir sehen. Ich bin jetzt seit zehn Monaten hier - und das waren turbulente und intensive Monate.

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