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Stefan Kuntz schoss für Lautern in 170 Bundesligaspielen 75 Tore © getty

Kaiserslauterns Vereinschef Stefan Kuntz spricht im SPORT1-Interview über den Aufstieg, die Ziele und die Klose-Gerüchte.

Von Marwan El-Eid

München - Nach vier Jahren Zweitklassigkeit hat die Bundesliga den 1. FC Kaiserslautern wieder.

Der Aufstieg der "Roten Teufel" ist vor allem mit einem Mann verbunden: Stefan Kuntz.

Der einstige Torjäger heuerte vor zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender seines ehemaligen Vereins an.

Der Traditionsklub war damals abgewirtschaftet, es drohte der Sturz in die Drittklassigkeit. Doch schneller, als es sich die kühnsten Optimisten erträumt hätten, war der FCK wieder obenauf - Kuntz und der von ihm verpflichtete Trainer Marco Kurz hatten daran einen gewichtigen Anteil.

Im Interview mit SPORT1 erklärt Kuntz, wie der Aufschwung am Betzenberg bewerkstelligt wurde, spricht über die Zielsetzung nach dem Aufstieg - und die Gerüchte um eine Heimkehr von Miroslav Klose.

SPORT1: Herr Kuntz, Sie haben den Aufstieg erst nach der Niederlage gegen Rostock nicht im Stadion feiern können. War es trotzdem angenehm?

Stefan Kuntz: Wir hatten das Spiel zwischen Augsburg und Frankfurt mit Mannschaft, Frauen, Kindern und engem Betreuerstab geguckt (DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle). Entsprechend schön war die spontane Feier danach. Dann sind wir zu den Fans gegangen und ab dem Zeitpunkt war es dann sehr emotional.

SPORT1: Haben Sie nach dem vergebenen Matchball eigentlich noch einmal am Aufstieg gezweifelt?

Kuntz: Ich war mir eigentlich nach dem Sieg in Bielefeld sicher, dass wir aufsteigen werden. Die Mannschaft hat auch immer relativ schnell gelernt, deshalb hätten wir spätestens am Sonntag in Koblenz den Aufstieg perfekt gemacht. Ich hätte nur dann Bedenken bekommen, wenn wir in die Relegation hätten gehen müssen, weil der Druck für so eine junge Mannschaft enorm gewesen wäre.

SPORT1: Sie haben vor rund zwei Jahren den Vorstandsvorsitz beim FCK übernommen, als der Klub kurz vor dem Abstieg in die Dritte Liga stand und sich erst am letzten Spieltag retten konnte. Keine Zweifel gehabt, dass es schief laufen könnte?

Kuntz: Ich wusste schon, dass es ein hohes Risiko ist. Ich habe aber zu Kaiserslautern und zum FCK eine besondere Beziehung - als Heimat meiner Eltern und als Verein, der für mich am meisten Emotionen hervorruft. Damals habe ich den Bauch entscheiden lassen. Im Nachhinein war ich mir der großen Gefahr sicher nicht so bewusst, wie es auch hätte ausgehen können.

SPORT1: Wie ist der Verein dann so schnell wieder zurück in die Erfolgsspur zurückgekommen?

Kuntz: Ich habe generell eine sehr konkrete Vorstellung von einem modern geführten Verein. Mein Vorteil hier war, dass ich einen relativ hohen Vertrauensvorschuss hatte. Ich kannte die individuellen Begebenheiten und durch die Rückkehr des Trainingsplatzes und Fanshops zum Stadion haben wir wieder den Betzenberg zum Herzen des Vereins gemacht. Wir haben relativ schnell die Integration zwischen Fans, Stadt, Sponsoren und Mannschaft geschafft. Das waren die ersten wichtigen Schritte plus gute Personalentscheidungen.

SPORT1: Zu den guten Personalentscheidungen gehört sicherlich die Verpflichtung von Trainer Marco Kurz vor der Saison, obwohl es zunächst auch skeptische Stimmen gab. Wie hoch ist sein Anteil am Erfolg und was macht ihn aus?

Kuntz: In dem Moment, als ich Marco Kurz geholt hatte, haben mich andere Leute mitleidig angeschaut. Nach dem Pokalsieg gegen Leverkusen wussten dann alle, dass er schon immer ein guter Trainer war. Was Marco auszeichnet, ist seine unglaubliche Energie und Akribie. Er hat der Mannschaft sehr schnell ein Gesicht gegeben. Generell hat er die Philosophie des FCK verinnerlicht und ist außerhalb des Platzes ein guter Botschafter des Vereins.

SPORT1: Kaiserslautern ist mit einem Schnitt von über 34.000 Zuschauern pro Spiel schon jetzt erstklassig. Was bedeutet der Aufstieg für die Region?

Kuntz: Wichtig ist, dass die Leute den Glauben an den FCK wieder gewonnen haben und stolz auf den Verein sein können. Es weiß aber auch jeder, dass wieder schwere Zeiten auf uns zukommen, weil sich die Bundesliga auch verändert hat. Aber die Herausforderung nehmen wir gerne an.

SPORT1: Bleiben wir kurz bei der Veränderung. Der FCK hat das Kunststück geschafft, in der Saison 1997/98 als Aufsteiger die Meisterschaft zu gewinnen. Das ist heute nicht mehr möglich?

Kuntz: Das kann man nicht vergleichen. Damals ist die Mannschaft abgestiegen und hat den Kader halten können und sich zusätzlich verstärkt. Das sind natürlich andere Voraussetzungen, als wenn man vier Jahre lang zweite Bundesliga spielt und somit auch einen wirtschaftlichen Rückstand hat zu den etablierten Vereinen in der ersten Liga.

SPORT1: Was sind dann realistische Ziele?

Kuntz: Der Klassenerhalt hat absolute Priorität.

SPORT1: Was machen die Personalplanungen?

Kuntz: Wir werden erst einmal die Saison zu Ende bringen. Marco Kurz und ich werden dann die Zeit nutzen, um uns über einige Namen zu unterhalten und auch dann zu realisieren.

SPORT1: Der Name Miroslav Klose kursiert immer wieder. Köln hat zum Beispiel auch seinen "verlorenen Sohn" Lukas Podolski zurückgeholt...

Kuntz: Das halte ich für unrealistisch bis hin zu utopisch. Ich weiß jedenfalls nicht, wo ich die zehn Millionen herbekommen sollte.

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