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Helmut Schulte (l.) bejubelt mit Ralph Gunesch den Aufstieg © imago

St. Paulis Helmut Schulte spricht er über die sensationelle Saison, die Feierlichkeiten und die Aussichten für die Zukunft.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Der FC St. Pauli ist nach acht Jahren zurück in der Bundesliga. Insgesamt ist es der fünfte Aufstieg der Braun-Weißen in die "Beletage" des deutschen Fußballs.

Helmut Schulte kennt das Gefühl. 1988 führte er den Kiez-Klub als Trainer ins Oberhaus. Am 1. März kehrte er als Sportdirektor an die Elbe zurück und feiert nun erneut den Aufstieg - zum hundertsten Geburtstag des Vereins.

Der Klub will sich nun endlich länger in der Bundesliga halten. (DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle)

"Indem wir weiterhin Schritt für Schritt gehen und uns als Verein in jeder Saison weiterentwickeln", verrät der 52-Jährige seine Pläne, um den Verein in der Bundesliga etablieren.

"Unser Vorbild in fast allen Bereichen ist Werder Bremen", verrät Schulte im SPORT1-Interview.

SPORT1: Sie sind mit dem FC St. Pauli vor 22 Jahren als Trainer und nun als Sportdirektor aufgestiegen. Welcher Aufstieg war der sportlich überraschendere?

Helmut Schulte: Die Größe der Überraschungen war bei beiden gleich. Allerdings war es in der Saison 1988 der Fall, dass wir in der Spielzeit zuvor Dritter geworden sind und in der Relegation gescheitert waren. Von daher konnte man schon eher davon ausgehen, dass wir noch einmal oben mitspielen. Dieses Jahr war es so, dass wir in der Saison zuvor Achter geworden sind und das Ziel ausgegeben haben uns weiterzuentwickeln. Dass die Entwicklung dann schon auf dem zweiten Platz endet, ist so gesehen schon die größere Überraschung.

SPORT1: Welcher Aufstieg hat Ihnen mehr bedeutet?

Schulte: Beim ersten Mal ist es immer am emotionalsten. In der Funktion des Trainers ist dieses Erlebnis auch noch einmal gefühlsmäßiger. Man hat unmittelbareren Einfluss auf das Team und ist viel dichter dran. Jetzt in der Funktion des Sportdirektors bin ich mehr für das Große und Ganze verantwortlich. Aber mit dem Abstand von einem Tag hat es mir die Tränen in die Augen getrieben.

SPORT1: Der Aufstieg war nicht das Ziel zu Beginn der Saison. Wann haben Sie gespürt, dass etwas gehen könne in diese Richtung?

Schulte: Nach dem Hinspiel gegen Karlsruhe wusste ich, dass diese Saison für uns überhaupt gar kein Problem sein wird. Nach dem Rückspiel gegen Karlsruhe wusste ich, dass wir uns ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen müssen, dass wir in der Bundesliga spielen werden. Aber erst nach dem Spiel gegen Augsburg war ich mir sicher. Ich habe vorher gesagt, wenn wir nach diesem Spiel noch vor Augsburg stehen, werden wir auch am Ende der Saison vor Augsburg stehen und direkt aufsteigen.

SPORT1: Nach einem Superstart in die Rückrunde gab es eine Zeit mit durchwachsenen Ergebnissen. Hatten Sie Angst, in der Tabelle noch zurückzufallen?

Schulte: Wir hatten vier Spieltage lang eine Delle. Das war schon extrem. Aber wie die Mannschaft mit dieser Serie von drei Niederlagen und einem Unentschieden umgegangen ist, davor kann man nur den Hut ziehen. Ich habe immer schon gesagt, die Klasse zeigt sich im Umgang mit Niederlagen. Wie die Mannschaft sich da wieder neu formatiert hat und der Trainer den "Reset-Knopf" gedrückt hat - das war schon beeindruckend und deshalb sind wir da auch wieder rausgekommen. Angst kann man aber nicht unbedingt sagen. Aufstieg war ja nie ein richtiges Ziel, aber der Absturz hätte schon wehgetan, wenn er weiter fortgeschritten wäre.

SPORT1: Der Aufstieg spült mehr Geld in die Kasse. Wie werden Sie das investieren?

Schulte: Möglich ist, dass der Stadionumbau forciert wird, aber das ist bisher reine Spekulation. Sicher ist, dass wir durch den Aufstieg in die Bundesliga unser Trainingsgelände an der Kollaustraße sehr viel schneller fertigstellen können, als es bei einem Verbleib in der Zweiten Liga der Fall gewesen wäre. Und natürlich können wir mehr in die Mannschaft investieren als ursprünglich geplant.

SPORT1: Auf welchen Positionen sehen Sie Handlungsbedarf?

Schulte: Unsere Mannschaft steht. Das ist natürlich die Aufstiegsmannschaft. Dazu werden wir in allen Mannschaftsteilen versuchen, die Mannschaft auf ein höheres Niveau zu bringen.

SPORT1: Welche Spieler werden den Verein verlassen?

Schulte: Bis jetzt steht fest, dass Marc Gouiffe a Goufan den Verein verlassen wird. Bei den restlichen Spielern, die noch keinen neuen Vertrag haben, ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen.

SPORT1: Ziel dürfte der Klassenerhalt sein. Sind Vereine wie Mainz oder Freiburg Vorbild für St. Pauli?

Schulte: Unser Vorbild in fast allen Bereichen ist Werder Bremen. Kontinuität, Ruhe, Sachlichkeit und nur Geld ausgeben, das auch da ist. Was den Aufstieg in die Bundesliga betrifft, möchten wir versuchen, es so zu gestalten wie Freiburg. Wie man das mögliche Auf und Ab zwischen Bundesliga und Zweiter Liga meistern kann, hat Freiburg in den letzten Jahrzehnten vorbildlich bewiesen und vorgemacht.

SPORT1: Es ist der fünfte Aufstieg des Klubs, jeweils nur für kurze Gastspiele. Wie wollen Sie den Verein langfristig in der Bundesliga etablieren?

Schulte: Indem wir weiterhin Schritt für Schritt gehen und uns als Verein in jeder Saison weiterentwickeln. Wir wollen keine unüberlegten Dinge tun, die dann dazu führen, dass wir schlechter aussehen als zuvor. Wir wollen diese Chance auf jeden Fall für den Verein insgesamt nutzen und ihn weiterbringen in Bezug auf Infrastruktur im Stadion und auf dem Trainingsgelände.

SPORT1: Jugend-, Co- und Cheftrainer zwischen 1984 und 1991, vor Ihrer Zeit auf Schalke ein kurzes Intermezzo als Manager und nun als Sportdirektor zum dritten Mal bei St. Pauli. Was bedeutet Ihnen der Verein?

Schulte: In der Tat ist es so, dass ich beim FC Schalke 04 länger in Amt und Würden war als beim FC St. Pauli - aber die meisten Menschen verbinden meinen Namen mit St. Pauli. In der kommenden Saison wird es soweit sein und ich werde beim FC St. Pauli länger gearbeitet haben als auf Schalke. Ich habe bei Schalke sehr viel gelernt und habe dort sehr gerne gearbeitet. Mein Herz hat aber immer in großen Teilen St. Pauli gehört. Hier hatte ich die schönste Zeit meines Lebens.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft 2013 aus. Spielt St. Pauli dann noch in der Bundesliga?

Schulte: Das wird so sein.

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