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Die Rostocker Spieler schleichen nach dem 1:3 in Düsseldorf vom Platz © getty

Nach den Krawallen in Düsseldorf muss Rostock im Relegations-Hinspiel auf seine Fans verzichten. Der Verein wird neu aufgestellt.

Düsseldorf - Hansa Rostock ist nach den jüngsten Ausschreitungen seiner Fans glimpflich davongekommen.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes entschied am Montag, dass Hansa das Relegationsspiel am Freitag beim Drittliga-Dritten FC Ingolstadt unter Ausschluss seiner Anhänger bestreiten und zudem mit eine Geldstrafe in Höhe von 35.000 Euro zahlen muss.

Das Relegations-Rückspiel am 17. Mai in Rostock ist dagegen von keinen Maßnahmen betroffen. Hansa, das zudem für den Einnahmenausfall der Ingolstädter aufkommen muss, hat dem Urteil bereits zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.

Schwere Fankrawalle in Düsseldorf

Am Sonntag hatte Hansa bei der von Krawallen überschattete 1:3-Niederlage in Düsseldorf eine der bittersten Stunden seiner Vereinsgeschichte erlebt.

Am Montagvormittag leitete der DFB-Kontrollausschuss das Ermittlungsverfahren ein, am Nachmittag erfolgte bereits das Urteil.

Verein entschuldigt sich

In einer Stellungnahme entschuldigte sich Hansa für "das Verhalten der Gewalttäter im Rostocker Block" bei allen Verletzten und bei Fortuna Düsseldorf.

Der Klub kündigte an, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Sollten Täter ermittelt werden, wird der Verein zivilrechtlich gegen diese vorgehen, um Strafen durch den DFB von den Tätern einzuklagen.

"Schwarzer Sonntag für Hansa"

Hansa-Manager Rene Rydlewicz erklärte den Sonntag zu einem "schwarzen Tag" für Hansa. "Ich bin fassungslos, schockiert und traurig. Das macht den Fußball und Hansa Rostock kaputt", sagte Rydlewicz nach den hässlichen Szenen in Düsseldorf.

Bereits nach acht Minuten hatte FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark die Begegnung für 19 Minuten unterbrechen müssen, nachdem Hansa-Torwart Alexander Walke von einem Feuerwerkskörper getroffen worden war.

Kurz vor dem Ende drohte sogar ein Spielabbruch, nachdem Schiedsrichter-Assistent Mike Pickel aus Mendig in der 83. Minute von einem Gegenstand getroffen worden war. Beide Wurfgeschosse kamen offensichtlich aus dem Rostocker Zuschauerblock.

14 Polizisten verletzt - 159 Festnahmen

Schon vor dem Spiel war es zu schweren Krawallen von Hansa-Anhängern gekommen. Bei einem Großeinsatz der Polizei wurden 14 Ordnungshüter verletzt und 159 Personen, fast ausnahmslos Hooligans aus Rostock, wurden vorübergehend festgenommen.

Gegen zahlreiche Chaoten wurden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt eingeleitet.

"Ich schäme mich dafür. Das sind keine Hansa-Anhänger, sondern Leute, die sich daruntermischen, die den Verein und den Fußball schädigen. Diese Leute gehören hart bestraft", sagte der Rostocker Kapitän Tim Sebastian.

Pieckenhagen neuer Vorstands-Chef?

Auch sportlich herrscht bei Hansa vor den entscheidenden Spielen um den Klassenerhalt das Chaos. Aus den letzten fünf Spielen wurden nur vier Punkte geholt.

Daher soll das einstige Vorzeigeklub des Ost-Fußballs unabhängig vom Ligaverbleib auf der sportlichen Führungsebene völlig neu aufgestellt werden.

Vorstands-Chef Dirk Grabow ist bereits entmachtet. Sein Nachfolger Jörg Hempel steht definitiv nur bis zum Saisonende zur Verfügung. Heißer Nachfolgekandidat ist der frühere Hansa-Torwart Martin Pieckenhagen.

Neben dem Schlussmann des niederländischen Erstligisten Heracles Almelo, der nach dieser Saison seine Laufbahn beenden will, könnte Stefan Beinlich dann auf dem Managerstuhl Platz nehmen.

Kompletter Umbruch des Kaders droht

Steigt Hansa erstmals in der Vereinsgeschichte und als letzter Klub aus der ehemaligen DDR in die 3. Liga ab, muss das neue Gespann Pieckenhagen/Beinlich erst einmal auf Einkaufstour gehen.

Nur neun Spieler haben einen Vertrag für die 3. Liga, und von ihnen hat derzeit nur Dexter Langen einen Stammplatz.

Relegation als "letzter Strohhalm"

Dabei muss Hansa vor allem auf ablösefreie Spieler setzen, denn der Etat soll selbst im Falle des Klassenerhalts um zwei auf dann 13 Millionen Euro gekürzt werden.

In der 3. Liga stünden nur noch 7,5 Millionen Euro zur Verfügung, denn allein die Fernsehgelder würden von fünf Millionen auf 800.000 Euro schrumpfen.

Noch haben es die Rostocker aber selbst in der Hand, dies zu verhindern. "Die Relegation ist nochmal eine Riesenchance. Wir müssen da alles reinschmeißen. Es ist unser letzter Strohhalm", sagte Abwehrchef Sebastian.

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