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Holger Stanislawski (r.) übernahm im November 2006 das Ruder bei St. Pauli © getty

St. Paulis Trainerduo spricht im Interview mit Sport1.de über seine sportliche Fernbeziehung und die Pläne des Vereins.

Von Jürgen Blöhs

Hamburg - Von 1994 bis 2002 bildeten Holger Stanislawski und Andre Trulsen die Mittelachse des FC St. Pauli. Seit 2006 trainieren die "Urgesteine" den Traditionsklub und sind mehr als Trainer und Co-Trainer.

Während der 43-jährige Trulsen die Mannschaft vor Ort fit hält, drückt sein 39-jähriger Chef in Köln die Schulbank, um den Trainerschein zu erwerben.

Bei Sport1.de verraten "Stani" und "Truller", wie die Fernbeziehung funktioniert.

Stanislawski will ins Ausland

"Ich hab zurzeit mehr Kontakt zu Truller als zu meiner Frau", sagt Stanislawski.

Darüber, wie lange sie noch das Tandem auf der braun-weißen Bank bilden, haben die beiden Hamburger unterschiedliche Vorstellungen: "Ich würde sofort einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschreiben", ist Trulsen mit seiner Rolle als Vize zufrieden.

Stanislawski hat ganz andere Pläne: "Ich war in meiner ganzen Karriere in Hamburg und möchte gern mal ins Ausland."

Sport1.de: St. Pauli hat die Aufstiegs-Saison auf Rang neun abgeschlossen. Wie sieht das Ziel für diese Saison aus?

Holger Stanislawski: Wir wollen uns als Mannschaft und individuell weiterentwickeln und schauen nicht auf den Tabellenplatz. Ich bin da sehr realistisch, primäres Ziel ist der Klassenerhalt.

Andre Trulsen: Wir haben in der vergangenen Saison viele gute Spiele abgeliefert und wollen uns verbessern. Wir streben einen einstelligen Tabellenplatz an.

Sport1.de: Der Verein wurde 1910 gegründet. Ist zum Hundertjährigen der Aufstieg geplant?

Stanislawski: Wir haben ein paar Jahre gebraucht, um aus der Regionalliga hochzukommen, also immer den Ball flachhalten.

Trulsen: Nein. Es gibt keinen Druck, dass wir im Jubiläumsjahr in der Bundesliga sein müssen. Wir sind froh, wieder in der Zweiten Liga zu sein.

Sport1.de: Ihr Fazit nach den ersten Spielen?

Trulsen: Das Pokal-Aus ärgert uns natürlich am meisten ? sportlich wie finanziell. Gegen Osnabrück haben wir zwei Zähler liegenlassen. Wir gehen zuversichtlich in die nächsten Spiele.

Stanislawski: Wir haben die Schwierigkeit gehabt, dass wir einige Spiele nur mit zehn Mann gespielt haben. Daher war das Spiel gegen Oberhausen mein erster Maßstab für unser Offensivspiel. Das war recht ordentlich. Leider klappt das auswärts noch nicht, aber das ist für mich kein Grund, meine Philosophie aufzugeben. Ich will überall mitspielen und versuchen, zu gewinnen. Ich mache mir keine Sorgen, wir sind noch steigerungsfähig.

Trulsen: Leider haben wir immer wieder Rückschläge zu verkraften. Wichtig ist, dass wir mal die Mannschaft zusammenhaben. Zu Beginn der Saison fehlten durch Verletzungen und Karten Spieler in der Defensive, danach traf uns das Verletzungspech im Angriff. Wir hatten zeitweise zehn Spieler zu ersetzen, mussten mit vier Spielern aus der U 23 nach Kaiserslautern?

Stanislawski: Im Moment haben wir extreme Verletzungen. Es fehlen allein acht Spieler, die sich Hoffnungen auf einen Stammplatz machen dürfen.

Sport1.de: Zu den Verletzten zählt Meggle, der die gesamte Vorrunde über fehlen wird. Passt der noch ins System, wenn er wieder da ist?

Stanislawski: Meggle war für mich im letzten Jahr einer der Stärksten, besonders in der Spieleröffnung, und er ist ein unverzichtbarer Charakter auf dem Platz, er setzt Reizpunkte. So einen Mann brauchen wir, davon haben wir zu wenige. Wenn er wieder da ist, werden wir qualitativ einen Sprung nach vorne machen.

Trulsen: Meggle passt auf Grund seiner Erfahrung in jede Mannschaft rein. Er kann im zentralen Mittelfeld oder als Sechser spielen.

Sport1.de: Wie muss man sich die Trainingsarbeit per Handy aus Köln vorstellen?

Stanislawski: Wir telefonieren mindestens zweimal am Tag und sprechen da alles ab. Ich hab zurzeit mehr Kontakt zu Truller als zu meiner Frau.

Trulsen: Wir tauschen uns täglich aus und telefonieren viel miteinander. Auf die Spieler hat das keinen Einfluss, die ziehen im täglichen Training sehr gut mit.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil

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