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Auch mit sein Ex-Spieler Lothar Matthäus hatte Hoeneß so seine Probleme. Ein mögliches Engagement Matthäus' kommentiert Hoeneß wie folgt: "Wenn Matthäus Bundestrainer geworden wäre, das wäre, wie wenn der Chefspion des KGB Bundeskanzler geworden wäre"
Maccabi Netanya war die letzte von Lothar Matthäus' sechs Trainerstationen © getty

Trainer Ewald Lienen erhält von 1860 München die Freigabe für Piräus. Lothar Matthäus meldet Interesse für die Nachfolge an.

München - Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat sein Interesse am Trainerposten bei 1860 München angemeldet und damit eine heftige Diskussion an der Isar ausgelöst.

"An den Finanzen sollte es nicht scheitern. Es wäre eine große Herausforderung, einen schlafenden Riesen zum Leben zu erwecken", sagte der ehemalige Star des Lokalrivalen FC Bayern der "Süddeutschen Zeitung".

Eine offizielle Anfrage von 1860 habe es freilich noch nicht gegeben.

Am Donnerstagabend sollte es bei den Löwen es zu einer entscheidenden Sitzung mit Sportdirektor Miroslav Stevic und dem Präsidium des Zweitligisten kommen.

Freigabe für Lienen

Der bisherige Coach Ewald Lienen hatte vormittags vom Münchner Traditionsverein die vorzeitige Freigabe für einen Wechsel zum griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus bekommen.

Man habe sich in beiderseitigem Einvernehmen getrennt, hieß es in einer Pressemitteilung - auch Co-Trainer Abder Ramdane geht. "Es ist besser, Ewald Lienen mit einer guten Erinnerung an 1860 gehen zu lassen, als ihn mit Frust über die verbaute Karrierechance an den Verein zu binden", wurde Geschäftsführer Manfred Stoffers zitiert.

Stevic: Idealer Trainer

Als Favorit auf Lienens Nachfolge galt bislang U-23-Trainer Reiner Maurer, doch der Name Matthäus hat eine ganz neue Dynamik in die Diskussion gebracht.

"Erst mal müssen wir uns mit Lienen treffen, dann sehen wir weiter", sagte Stevic dem "kicker" zu den Gerüchten über Verhandlungen mit Matthäus, das war bevor das Vertragsverhältnis aufgelöst wurde. Ein Dementi klingt anders.

Vor gut einem Jahr hatte Stevic schon einmal mit einer Verpflichtung des ehemaligen Bayern-Stars geliebäugelt und war damals mit den Worten "Der ideale 1860-Trainer ist für mich Lothar Matthäus" zitiert worden.

Erst die heftige Reaktion der Löwen-Anhänger, die eine intime Feindschaft mit dem Rekordmeister FC Bayern pflegen, brachte damals wohl die Entscheidung pro Lienen und contra Bayern-Symbol Matthäus.

Matthäus: Keine Antipathie

Matthäus selbst hätte keine Angst vor dem Wechsel aus dem Lager der Roten zu den Weiß-Blauen.

"Ich habe viele Freunde bei den Löwenfans. Wenn ich in München bin, ist da keine Antipathie gegen mich, wenigstens habe ich das nie gespürt", sagte der 49-Jährige:

"Natürlich gibt es immer kleine Fangruppen, die sich wahrscheinlich wichtig machen. Es sollten aber immer die Leistungen im Vordergrund stehen - und nicht eine Vergangenheit, die seit zehn Jahren abgeschlossen ist."

Allerdings ist es weniger die Bayern-Vergangenheit als vielmehr das Auftreten von Matthäus, das viele gegen ihn aufbringt.

"Lothar Matthäus als Löwentrainer? Das wäre eine Witznummer sondergleichen", sagte der ehemalige Löwen-Stürmer Olaf Bodden der Münchner "tz":

"Er kriegt doch nicht umsonst keinen Verein in Deutschland. Sein Auftreten in der Öffentlichkeit ist eine einzige Katastrophe."

Gerade analysiert der Franke für den arabischen Fernsehsender "Al-Dschasira" die Fußball-WM.

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1860 hat sehr viel Potenzial"

Befürworter des Matthäus-Deals sehen dagegen die Chance, dass der Rekordnationalspieler dem finanziell chronisch klammen deutschen Meister von 1966 neue Sponsoren bringen könnte.

"Es ist eigentlich traurig. 1860 hat nicht nur sehr viel Tradition, sondern auch sehr viel Potenzial. Dieses Potenzial muss ausgeschöpft werden, auch wenn Probleme da sind", fordert Matthäus.

Sechs Trainerstationen

Der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft träumt davon, endlich seinen ersten Trainerjob in Deutschland zu bekommen.

Bisher waren Rapid Wien (2001 bis 2002), Partizan Belgrad (2002 bis 2003), die ungarische Nationalmannschaft (2004 bis 2005), Atletico Paranaense in Brasilien (für sechs Wochen Anfang 2006), Red Bull Salzburg (2006 bis 2007) und der israelische Klub Maccabi Netanya (2008 bis 2009) seine Stationen.

Derzeit ist Matthäus ohne Job, da käme der "schlafende Riese" 1860 München gerade recht.

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