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Holger Fach beerbte Ralf Loose am 17. April 2008 als Cheftrainer des FC Augsburg © imago

Nach nur einem Sieg in sieben Spielen stand Holger Fach beim FC Augsburg mit dem Rücken zur Wand.

Von Jürgen Blöhs

Augsburg - Im April gab der 46-Jährige mit einem 1:0 gegen den FC St. Pauli seinen Einstand bei den Schwaben, und die auswärts punktlosen Hamburger kamen gerade recht, dem Coach den Job zu retten.

Trotz des 3:2-Erfolges war Andreas Rettig aber nicht bereit, Fach im Amt zu bestätigen. "Kein Kommentar", war alles, was dem Manager zu entlocken war.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass schon mal ein Trainer entlassen worden ist, der gerade gewonnen hat", geht Fach in einem Gespräch mit Sport1.de davon aus, auch beim Derby in Ingolstadt auf der Bank zu sitzen.

Außerdem spricht der Ex-Profi über die Saisonziele des FCA und das angeblich gestörte Verhältnis zu Michael Thurk.

Sport1.de: Herr Fach, Manager Rettig wollte keinen Kommentar dazu abgeben, ob die Trainerdiskussion beendet ist. Vermissen Sie ein wenig die Rückendeckung durch den Verein?

Holger Fach: Ich habe vor dem Spiel keine Rückendeckung gebraucht und ich brauche sie nach dem Spiel auch nicht.

Sport1.de: Wie fühlt man sich auf der Bank, wenn man in so einem wichtigen Spiel den Ausgleich erzielt und beinahe im Gegenzug erneut in Rückstand gerät?

Fach: Schwer zu sagen. Es ist schon ernüchternd, wenn man in so einem Moment durch einen Glücksschuss das 1:2 bekommt. Aber das sind so Situationen, die immer dann schiefgehen, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.

Sport1.de: Wie war die Stimmung nach dem Last-Minute-Sieg in der Kabine?

Fach: Ganz ehrlich, das weiß ich nicht. Erst kommt das Fernsehen, das Radio, dann die Presse und dann muss man zur Pressekonferenz. Aber die Stimmung wird bestimmt nicht schlecht gewesen sein. Wir sind immer wieder zurückgekommen. Die Mannschaft hat Moral bewiesen.

Sport1.de: Beschreiben Sie mal den psychologischen Ruck, der nach so einem Sieg durch eine Mannschaft gehen kann...

Fach: Das hab' ich als Spieler natürlich auch erlebt und als Trainer beobachtet. Es kann für die kommenden Aufgaben vieles leichter machen. Man ist nicht mehr so verkrampft, weil man weiß, dass es geht.

Sport1.de: Sie waren in der Woche vor dem Spiel noch in einem Trainingslager. Was hat das gebracht?

Fach: Das darf man nicht überbewerten. Man trainiert nicht anders oder verändert komplett alles. Das Positive ist, ich habe mehr Zeit mit den Spielern zu reden, und die Spieler verbringen mehr Zeit miteinander.

Sport1.de: Augsburg stand vor dem Spiel auf einem Abstiegsplatz. Ist nicht das Ziel des Vereins - auch angesichts des neuen Stadions, das im kommenden Sommer eingeweiht werden soll - weiter oben mitzuspielen?

Fach: Daran denkt kein Mensch. Das wäre vermessen. Wir haben vergangene Saison als letztes Team den Abstieg vermieden. In dieser Saison haben wir streckenweise sehr gut gespielt und sehr, sehr viel Pech gehabt. Wir liegen zwei, drei Punkte hinterm Soll. Gehen wir in den Spielen gegen Koblenz und Oberhausen nur mal von zwei Unentschieden aus, dann sind wir da, wo wir hingehören. Schauen Sie in die Tabelle: Koblenz, Osnabrück, Ingolstadt... das sind die Mannschaften, an denen wir uns orientieren. Und da werden wir auch hinkommen.

Sport1.de: Kann man in dieser Saison als Trainer ruhiger arbeiten, weil ja nur noch zwei statt vier Mannschaften fix absteigen und man mit ein, zwei Siegen schnell aus dem Keller herauskommen kann?

Fach: Fragen Sie mal die Kollegen, die in der Tabelle knapp vor uns liegen. Wir standen vor der Partie auf einem Abstiegsplatz. Das sehe ich ganz realistisch. Die Abläufe und Gesetzmäßigkeiten in diesem Geschäft sind bekannt. Es gibt so viele Dinge, die man nicht beeinflussen kann, und trotzdem steht immer der Trainer zur Diskussion.

Sport1.de: Nach der Kritik an Michael Thurk Ihnen haben Sie ihn auf seiner Wunschposition hinter den Spitzen eingesetzt und dafür laut einer Augsburger Zeitung von ihm "eine Weltklasse-Leistung" gefordert. Wie beurteilen Sie seine Leistung?

Fach: Das Zitat stimmt so nicht ganz. Aber es gibt in jeder Mannschaft drei, vier oder fünf Spieler, an die ein Trainer einen etwas höheren Anspruch hat. Michael gehört dazu. Sicherlich war auch wieder die eine oder andere übereifrige Situation dabei, so kennen wir ihn. Aber heute hat er überzeugt, vor allem kämpferisch und das entscheidende Tor erzielt.

Sport1.de: Also alles wieder in Odnung zwischen ihnen?

Fach: Ich habe kein Problem mit ihm. Wir haben ein gutes Verhältnis. Spieler haben durchaus das Recht zur Kritik, aber auf dem Platz erwarte ich, dass sie ihre Leistung bringen - und das nicht nur in einem Spiel, sondern Woche für Woche.

Sport1.de: So wie nächste Woche beim Derby in Ingolstadt. Werden Sie da als Trainer auf der Bank sitzen?

Fach: Wenn man mich lässt, dann sitze ich dort auf der Bank. Ich kann mich nicht erinnern, dass schon mal ein Trainer entlassen worden ist, der gerade gewonnen hat und gehe auch in meinem Fall nicht davon aus.

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