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Uwe Rapolder ist seit April 2007 Cheftrainer bei TuS Koblenz © getty

Der Koblenzer Trainer streicht nicht nur den Heimflug, auch die Fans bekommen nach dem Rostocker Debakel eine Entschädigung

Rostock - Fassungslos, ratlos, hoffnungslos: Nach dem historischen 0:9-Debakel beim Gastspiel in Rostock herrscht bei Zweitligist TuS Koblenz große Unsicherheit.

Nie zuvor seit Einführung der eingleisigen Zweiten Liga 1981/82 unterlag ein Team so hoch.

"Das war brutal, ein Erlebnis, auf das ich gern verzichtet hätte", sagte Uwe Rapolder nach der Schmach von Rostock. Der Trainer bestrafte seine Spieler auf der Stelle.

Der geplante Heimflug wurde kurzerhand gestrichen. Stattdessen ging es die 703 km im Bus zurück.

Spiel-Video läuft dreimal

Acht Stunden Fahrt und genügend Zeit, um über die neun Gegentore nachzudenken.

Damit sie jeder noch einmal vor Augen hatte, legte Rapolder das Video des Spiels ein und ließ es dreimal laufen. Immer wieder goss der Fußball-Lehrer Jod in die Wunde.

Seine im Ostseestadion hilflose, mutlose und kraftlose Mannschaft sollte leiden.

Lauterer Startelf versagt

So wie die mitgereisten Fans im Stadion, die ihre Auslagen vom Team erstattet bekommen. Das Geld - verfügte Rappolder - werde aus der Mannschaftskasse kommen.

Zwei Wochen, nachdem die TuS daheim den Erzrivalen 1. FC Kaiserslautern mit exakt der gleichen Startelf wie in Rostock 5:0 besiegt hatte, ergab sie sich dieses Mal quasi ohne Gegenwehr.

"Irgendwas hat nicht gestimmt im Kopf der Spieler", meinte Rapolder, dessen Team vor dem Spieltag mit nur sechs Gegentoren noch die beste Abwehr der Liga hatte, doch dann "alles falsch machte, was gegen Kaiserslautern richtig lief".

Komische Momente in Rostock

Der Auftritt an der Ostsee glich einer Arbeitsverweigerung und hatte beinahe komische Momente. Rapolder kommentierte sie sarkastisch: "Da rennen sich zwei meiner Spieler im 16-m-Raum selber über den Haufen, und wir kriegen nach einem 70-m-Ball ein Tor - das ist unfassbar."

Neunmal musste Torwart David Yelldell hinter sich greifen.

"Dann kann man nicht sagen, ich hätte Normalform gehabt. Genau wie all die anderen nicht", sagte der Keeper.

Aufarbeitung im Trainingslager

Rapolder will nun im Kurztrainingslager in Bad Bertrich seine Mannschaft wieder aufrichten. Während des Spiels in Rostock war er dazu nicht in der Lage.

"Als Trainer habe ich von außen keine Möglichkeit gehabt. In der zweiten Halbzeit gab es Auflösungserscheinungen", sagte er: "Das müssen wir jetzt schnell verarbeiten."

Der Trainer ist überzeugt, dass sein Team, dem schon vor der Saison drei Punkte abgezogen worden waren, trotz der Klatsche wiederkommen wird.

"Für den 5:0-Sieg gegen Kaiserslautern gab es auch nur drei Punkte, dieses Mal null."

Nächster Gegner ist Nürnberg

Am kommenden Sonntag, wenn mit dem 1. FC Nürnberg (9 Zähler) erneut ein Bundesliga-Absteiger auf Koblenz (8) wartet, sollen es wieder drei sein.

Die DFL hatte Koblenz im April sechs Zähler für die damals laufende und drei für die jetzige Saison gestrichen, da die TuS dem Lizenzierungsausschuss die Verträge der Spieler Marko Lomic und Branimir Bajic - samt Ablösesumme in Höhe von 2,3 Millionen Euro - vorenthalten hatte.

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