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Unter Sportdirektor Jörg Schmadtke spielte Aachen 2006/2007 in der Bundesliga © getty

Die Alemannia entlässt den Sportdirektor - nach dessen Rücktrittsankündigung. Der schildert seine Version des Zerwürfnisses.

Aus Aachen berichtet Bita Mohammadi

Aachen - Alemannia Aachen hat seinen Sportdirektor Jörg Schmadtke mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Der frühere Bundesliga-Torwart hatte seinerseits am Montagabend vor dem 2:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05 eigenmächtig im DSF den beschlossenen Abschied zum Saisonende verkündet.

Als Konsequenz kamen nach dem Spiel alle wichtigen Gremien des Zweitligisten zu einer Sondersitzung zusammen.

Kritik an der Art und Weise

Schmadtke erläuterte vor Geschäftsführer Frithjof Kraemer, dem Aufsichtsrat, Präsidium und dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates seine Beweggründe für das Vorpreschen.

Danach sei man "aufgrund der Gesamtsituation zu dem Entschluss gekommen, ihn mit sofortiger Wirkung zu beurlauben", so Kraemer.

"Wir haben als Gremienvertreter in der Pause des Spiels erfahren, dass Herr Schmadtke bereits vor dem Spiel im DSF erklärt hat, er stehe für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung. Die Art und Weise einer solchen Kommunikation ist nicht üblich", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Linden.

"Tendenz abzugeben, wäre verfrüht"

"Es war nicht richtig und nicht glücklich, das im Rahmen des Spiels zu äußern", ergänzte Kraemer am Dienstag im DSF und kündigte an:

"Wir werden zeitnah abstimmen, wie es weitergeht. Sicher ist die Personalie Sportdirektor jetzt vakant, da müssen wir eine Lösung finden. Aber jetzt eine Tendenz abzugeben, wäre verfrüht."

Auflösung schon im Frühjahr angeboten

Bereits im Frühjahr hatte Schmadtke dem Verein eine Vertragsauflösung angeboten, vor zwei Wochen dann aber wieder seine Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit erklärt.

Nach über sieben Jahren Dienstzeit, teilte der 44-Jährige kurz vor Anpfiff mit, seinen im Juni 2009 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Ein Zeitpunkt, der für Verwunderung sorgte.

Seeberger lobt Schmadtkes Arbeit

"Mir stinkt, dass unsere Siege immer wieder in den Hintergrund rücken", schimpfte denn auch Trainer Jürgen Seeberger nach dem 2:0 gegen Mainz.

Dass Schmadtkes Fehlen die Personalfragen der Alemannia aktuell beeinflussen könnte, glaubt Seeberger nicht.

"Wir schauen uns um, aber ich gehe davon aus, dass in den nächsten zwei Monaten keine größeren Veränderungen anstehen", so der Coach, der Schmadtkes Arbeit im DSF ausdrücklich lobte: "Jörg Schmadtke mit seinen Möglichkeiten, seinen Verbindungen und seinem Verhandlungsgeschick immer wichtige Dinge getan. Über die Neuzugänge wurde nie diskutiert, die haben alle eingeschlagen."

Schmadtke: "Nicht sauber gelaufen"

Nach einem Gespräch am vergangenen Donnerstag zwischen Schmadtke und Kraemer wurde zunächst verkündet, dass eine Entscheidung bis Ende des Jahres gefällt werde.

"Die Entscheidung ist in Ordnung und legitim. Aber wie das Ganze gelaufen ist, war nicht sauber", erklärte Schmadtke in einem Gespräch mit Journalisten, bei dem auch Sport1.de dabei war.

"Erzähle keine Geschichten"

Schmadtke erläuterte darin auch, weshalb er die Entscheidung kurz vor Spielbeginn verkündete.

"Wir haben am Freitag vereinbart die Nachricht am Montag mitzuteilen, und im Laufe des Tages hieß es, dass dies doch nicht geschehen soll. Jeder weiß, dass ich mich nicht verstelle und irgendwelche Geschichten erzähle und am Mittwoch ? wo die Entscheidung hätte verkündet werden sollen ? wieder etwas anderes erzähle."

In den vergangenen Jahren habe man gemeinsam viel erreicht. Doch letztlich sei jetzt der Punkt erreicht gewesen, "wo es besser ist, getrennte Wege zu gehen."

Kritik an Hintergrundgesprächen

Seine Kritik: "Handwerklich ist es nicht sauber gelaufen und das nicht von meiner Seite aus. Es sind Hintergrundgespräche geführt worden. In dem Verein, in dem ich sieben Jahre tätig war, weiß ich was passiert."

Die Trennung ist aus Sicht des Ex-Sportdirektor nach einem Gespräch mit Geschäftsführer Kraemer zustande gekommen.

"Herr Kraemer hat gesagt, dass er glaubt, dass sich durch das vorherige Gespräch schon ergeben hat, dass es besser ist nicht weiter zusammen zu arbeiten. Dem habe ich Rechnung getragen und Recht gegeben. Die Entscheidung war klar. Und wenn eine Entscheidung getroffen ist, sollte man sie auch verkünden.

Trotz der Trennung will Schmadtke auch künftig im neuen Stadion Spiele der Alemannia sehen. "Ich bin weit entfernt von Sentimentalitäten. Der Markt, in dem wir arbeiten ist schwierig genug. Es ist so, wie es ist."

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