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37 Zweitliga-Spiele absolvierte Berkant Göktan für die Münchner Löwen © getty

Drogen-Skandal bei den "Löwen": Manager Stefan Reuter bedauert den Rauswurf, sieht aber keine Alternative. Göktan entschuldigt sich.

München - Drogen-Skandal in der Zweiten Liga!

Wegen Kokainmissbrauchs hat 1860 München seinen Stürmer Berkant Göktan fristlos gekündigt.

Der Konsum fiel durch eine von den "Löwen" angeordnete Analyse einer Urinprobe des 27-Jährigen auf.

Nach Göktans Ablehnung des Münchner Angebotes, den Vertrag ruhen zu lassen und zusammen mit dem Klub eine Lösung der Drogenproblematik anzustreben, sah 1860 keine Alternative zur sofortigten Auflösung des Kontraktes mehr.

Erst zu Saisonbeginn verlängert

Erst zu Saisonbeginn hatte Göktan vorzeitig bis 2011 verlängert.

Weitere Einzelheiten gaben die Münchner vorerst nicht bekannt, da beide Seiten über den Inhalt der Gespräche Stillschweigen vereinbarten.

Damit steht der Ex-Publikumsliebling, den Franz Beckenbauer einst als "größtes Talent im deutschen Fußball" bezeichnet hatte, vor den Trümmern seiner Karriere.

Nicht der erste Kokainfall

Göktan ist nicht der erste Profi, der wegen Kokainkonsums für negative Schlagzeilen sorgt. Unter anderem war das bei Diego Maradona, Adrian Mutu und Christoph Daum der Fall.

Der heutige Coach des 1. FC Köln konnte im Herbst 2000 aufgrund seines Kokainkonsums seinen anvisierten Posten als Bundestrainer nicht antreten.

Reuter: "Wir sind dazu gezwungen"

"Wir sind zu einer solchen Maßnahme gezwungen, so traurig das ist", sagte 1860-Geschäftsführer Stefan Reuter.

"Es geht jetzt nicht mehr um den Spieler, sondern um den Menschen Berkant Göktan. Aus diesem Grund und mit Blick auf die persönliche Bedeutung bitten wir um Verständnis, dass sich der Verein jetzt nicht weiter zu dem Thema äußert. Wir wünschen und hoffen, dass Berkant Göktan sein Leben wieder in den Griff bekommt."

Entschuldigung bei Verein und Fans

An Göktans Stelle gab dessen Anwalt Walter Lechner eine Stellungnahme ab. "Herr Göktan bedauert außerordentlich die Gründe, die zur fristlosen Kündigung geführt haben und entschuldigt sich beim Verein und den Fans", erklärte Lechner.

"Über Einzelheiten äußert er sich zur Zeit nicht. Er weist lediglich darauf hin, dass sein Verhalten auf eine schwierige Lebenssituation zurückzuführen ist. Hinsichtlich des Angebots des TSV 1860 München ist es zu keiner Einigung gekommen, was Herr Göktan bedauert. Er wird die begonnene Therapie fortführen und hofft nach erfolgreichem Abschluss auf ein baldiges Comeback."

Keine Folgen für Spielwertungen

Göktan hat in der laufenden Saison noch kein Punkt- oder Pokalspiel für die "Löwen" bestritten.

Folgen für Spielwertungen seien deshalb auch nicht zu erwarten, da nach den Anti-Doping-Richtlinien des DFB auf Kokain nur im Wettkampf kontrolliert werde. Darauf wies der Verband in einer Pressemitteilung hin.

Seit 2006 bei den "Löwen"

Der 2006 vom 1. FC Kaiserslautern nach München gekommene Türke hat in der laufenden Saison noch kein Punktspiel für die "Löwen" bestritten.

In der vergangenen Spielzeit erzielte der Angreifer, der aus der Jugend des deutschen Rekordmeisters und 1860-Rivalen Bayern München hervorgegangen war, in 24 Spielen zehn Tore.

Der gebürtige Münchner war 2001 vom FCB zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Dort blieb er aber auf Dauer ebenso erfolglos wie bei den folgenden Stationen bei Arminia Bielefeld, Galatasaray und Besikats Istanbul sowie schließlich Lautern.

Nach der Vertragsauflösung im Frühjahr 2006 schloss sich Göktan im Sommer der zweiten Mannschaft von 1860 an, von wo ihn der damalige Trainer Walter Schachner zur Rückrunde 2006/2007 zu den Profis zurückholte.

Aufgrund seiner starken vergangenen Spielzeit war er von den Anhängern zum "Löwen der Saison 2006/07"gewählt worden. Doch im Sommer trat er in eine Glasscherbe, musste danach mehrfach operiert werden und konnte nicht mehr für Münchner spielen.

Enorme Personalprobleme

Ohnehin haben die Sechziger enorme Personalprobleme. Am Sonntag hatte sich Lars Bender im Punktspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth (3:0) das Syndesmoseband im linken Bein gerissen.

Der U-19-Europameister, der zuletzt sogar als Kapitän fungiert hatte, wurde am Dienstag in der Wolfartklinik von Mannschaftsarzt Dr. Erich Rembeck operiert.

Auch Daniel Bierofka fällt lange aus. Der 29-Jährige konnte zwar nach einer erfolgreichen Operation an der Bandscheibe wieder nach Hause zurückkehren, wird aber voraussichtlich erst zum Rückrundenbeginn wieder spielen können.

Zudem fehlen die Langzeitverletzten Markus Schroth (Knorpelschaden) und Danny Schwarz (Meniskusschaden).

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