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Manfred Stoffers war seit Februar 2009 Geschäftsführer bei 1860 München © imago

Der verlorenen Prozess hat weitreichende Folgen. Der Geschäftsführer tritt zurück, der einst stolze Klub droht von einem Schuldenberg erdrückt zu werden.

Von Daniel Rathjen und Christian Stüwe

München - Der verlorene Catering-Prozess gegen den Lokalrivalen FC Bayern hat für den TSV 1860 München weitreichende Folgen.

Offenbar hart getroffen vom Ausgang der Verhandlung am Münchner Landgericht hat Geschäftsführer Manfred Stoffers am Donnerstagnachmittag seinen Rücktritt erklärt.

"Ich ziehe die persönlichen Konsequenzen aus dem verlorenen Rechtsstreit", erklärte Stoffers. "Das Urteil ist natürlich enttäuschend und ich habe es so nach dem Prozessverlauf nicht erwartet."

1860 war den Bayern am Mittwoch im Streit um die Zahlung ausstehender Gelder für die Verköstigung in der Arena unterlegen.

Auch die Folgeklagen der Sechziger gegen den aus ihrer Sicht sittenwidrigen Arena-Mietvertrag sind hinfällig. Die "Löwen" müssen zu den bestehenden Konditionen Mieter in der Arena in Fröttmaning bleiben, obwohl sie sich das kaum mehr leisten können.

Es droht sogar die Pleite.

Stoffers möchte Gesprächen "nicht im Wege stehen"

"Im Sinne des TSV 1860 war es nach meinem Amtsverständnis erforderlich, die für den Verein äußerst belastenden Stadionverträge anzugreifen", erklärte Stoffers nach seinem Rücktritt.

Da die "Löwen" nun vor Gericht gescheitert sind, möchte Stoffers den Weg für andere Lösungen frei machen.

"Den nun dringend gebotenen Gesprächen zur Lösung der Stadionproblematik zwischen den Verantwortlichen des FC Bayern und des TSV 1860 möchte ich nicht im Wege stehen", sagte der scheidende Geschäftsführer.

Rückkehr ins Olympiastadion als einzige Chance

Denn so bitter es ist für den Zweitligisten: Nach dem verlorenen Prozess bleibt den Blauen wohl nichts anderes übrig als eine Rückkehr ins verhasste Olympiastadion.

Im Feindesland liegt die einzige Chance, den Fortbestand der "Löwen" zu sichern.

"Es ist der einzige Weg. Denn der Verbleib in der Allianz Arena ist ökonomisch nicht möglich", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude der "tz".

Deshalb müsse man den Fans jetzt reinen Wein einschenken.

Rechtlich seien einige Details zu klären, "das scheint aber möglich", fügte Ude an. Frühestens könnte der Umzug 2011 vollzogen werden.

Bayern würden sich nicht quer stellen

Die Bayern hatten bereits klargestellt, dass sie sich nicht gegen eine Kündigung des Mietvertrages und einen Auszug der Löwen stellen würden, sofern eine "faire Lösung", wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bemerkte, gefunden würde.

"Aber bislang ist noch niemand bei uns vorstellig geworden. Alles, was wir wissen, wissen wir aus den Medien. Das ist auch eine Art der Kommunikation", sagte Rummenigge.

Wie Stoffers bereits andeutete, werden die Verantwortlichen von 1860 nun wohl das Gespräch mit der Führungsetage des Rekordmeisters suchen, um einen Ausstieg aus dem Mietvertrag zu realisieren. Allerdings ohne Stoffers.

"Es ist eine der schwersten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Ich bin aber überzeugt, dass es für den Verein in dieser Situation die beste Lösung ist", erklärte Stoffers, dessen kommissarischer Nachfolger Thomas Maier, bisher Leiter der Abteilung Finanzen und Controlling, wird

Bis zu 14,5 Millionen Euro erhofft

Der Verein von der Grünwalder Straße hatte sich im Idealfall bis zu 14,5 Millionen Euro von den Klagen und Prozessen gegen den großen Lokalrivalen erhofft.

Den Richterspruch bezeichnete Präsident Rainer Beek als "sehr bitter". Das Urteil bedeute, "dass wir weiterhin mit knappen wirtschaftlichen Mitteln daran arbeiten müssen, den TSV wirtschaftlich und damit auch sportlich wieder nach vorne zu bringen", ergänzte Beek.

Die Gedanken an die kommende Saison können den Verantwortlichen nur die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, denn die Last des Schuldenbergs ist erdrückend.

Abgesehen davon, dass die "Sechziger" das kommende Geschäftsjahr ohnehin schon mit einem Verlust von drei Millionen Euro geplant haben, werden nun noch einige hunderttausende Euro dazukommen.

Der Druck auf Sportdirektor Miroslav Stevic, Spieler zu verkaufen und bestehende Verträge zugunsten des Klubs zu verändern, steigt damit weiter.

Laut dem jüngsten Jahresabschlussbericht ist "der Fortbestand des Unternehmens unmittelbar bedroht".

"Das soll die Premium-Lösung sein?"

Vor elf Jahren spielte 1860 noch in der Champions-League-Qualifikation, nun bleibt den "Löwen" vermutlich der Umzug in Olympiastadion als letzter Rettungsanker.

Die Situation ist so paradox, dass sich Rummenigge Sarkasmus nicht sparen kann.

"1860 zieht um in die Triumphstätte von Franz Beckenbauer, ins Stadion der großen Erfolge des FC Bayern. Und das soll nun die Premium-Lösung sein?", fragte der Boss des Erzrivalen provokant.

Aber eine andere Lösung gibt es wohl nicht. Auf den neuen Geschäftsführer kommt viel Arbeit zu.

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