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Jubelstimmung nach der Gala: Trainer Frank Pagelsdorf auf dem Rasen des Ostsee-Stadions © imago

Nach dem 9:0-Rekordsieg gegen Koblenz ist Rostocks schwacher Saisonstart vergessen. Trainer Pagelsdorf tritt aber auf die Euphoriebremse.

Von Tobias Schneider

Rostock - Wenige Minuten nach dem fulminanten 9:0-Rekordsieg gegen Koblenz ließ Frank Pagelsdorf seiner Freude für einen kurzen Moment freien Lauf.

Gemeinsam mit den Spielern zelebrierte Rostocks Trainer den höchsten Sieg in der eingleisigen Zweitliga-Geschichte vor dem Hansa-Fanblock.

Pagelsdorf mahnt zur Konzentration

Vor dem Gastspiel am Freitag bei Tabellenschlusslicht FSV Frankfurt (ab 17.45 Uhr LIVE) kennt die Euphorie bei den Fans zwar keine Grenzen.

Doch Pagelsdorf hält den Ball gewohnt flach. "Wir müssen konzentriert weiterarbeiten, dürfen den Sieg nicht zu hoch bewerten", warnt der Coach im Gespräch mit Sport1.de.

Wohl wahr: Eigentlich hatte nichts auf ein derartiges Spektakel gegen Koblenz hingewiesen. Die Gäste hatten eine Woche zuvor ihren höchsten Zweitliga-Sieg (5:0) gefeiert, und das ausgerechnet gegen Tabellenführer Kaiserslautern.

Die auswärtsschwachen Rostocker waren dagegen 2:4 bei Aufsteiger Ingolstadt baden gegangen.

Gestiegene Erwartungshaltung

Durch das 9:0 ist im wahrlich nicht erfolgsverwöhnten Rostocker Umfeld die Erwartungshaltung schlagartig gestiegen, der schwache Saisonstart ist praktisch vergessen, der direkte Wiederaufstieg in den Köpfen der Fans wieder präsent.

Auf dieser Euphoriewelle will Pagelsdorf aber nicht mitreiten:

"Bis zum Winter wollen wir uns an die oberen Plätze herantasten und den Kontakt zu den Aufstiegsrängen nicht abreißen lassen", nimmt Pagelsdorf den Aufstiegsträumen den Wind aus den Segeln - zumindest vorerst.

Neuzugänge zünden

Gegen Koblenz spielte sich das 20-jährige Sturmtalent Kevin Schindler in den Mittelpunkt, erzielte einen Treffer selbst und legte weitere vier Tore mustergültig auf. Drei Tore hat der von Bremen ausgeliehene Stürmer in dieser Saison bisher markiert, sechs eingeleitet.

In Bremen kam der Youngster in der ersten Mannschaft nur zu Teilzeiteinsätzen, spielte meist im Regionalliga-Team.

Bei Hansa scheint der Knoten endlich geplatzt zu sein. Rostock und Schindler - eine Zweckgemeinschaft auf Dauer? Bis Saisonende läuft das Ausleih-Geschäft, Rostock ist an einer Verpflichtung interessiert, Verhandlungen haben aber noch nicht stattgefunden.

"Wir werden uns im Frühjahr mit Bremen zusammensetzen", bestätigt Pagelsdorf das Interesse an einer längerfristigen Bindung gegenüber Sport1.de.

Retov zieht die Strippen

Mit dem Dänen Martin Retov haben die Mecklenurger obendreinen einen regelrechten Coup gelandet. Vom Start weg hat der 28-Jährige Verantwortung übernommen, im Mittelfeld die Strippen gezogen und gibt das Tempo vorgegeben.

Auf 744 Ballkontakte kam der 28-Jährige Mittelfeld-Stratege in den ersten acht Saisonspielen, so viel kein anderer Spieler in der Zweiten Liga. Aus der Bundesliga überflügelt nur Bayern Münchens Philipp Lahm (798 Berührungen) den Zugang von Bröndby Kopenhagen.

"Wir sind mit Martin sehr zufrieden. Er hat von Anfang an Verantwortung übernommen. Gerade für unsere junge Mannschaft ist er von unschätzbarem Wert. Er verleiht dem Team die nötige Stabilität", lobt Pagelsdorf.

Nur zwei Punkte auswärts

Von Stabilität ist Rostock bei Auswärtsspielen aber noch weit entfernt, in der Fremde lässt Hansa die Punkte regelmäßig liegen. Zwei Unentschieden und zwei Niederlagen lautet die ernüchternde Bilanz nach vier Partie auf gegnerischem Rasen.

Ein Sieg beim FSV ist daher Pflicht, auch um den Schwung des Koblenz-Spiels nicht wieder zu verlieren.

Aber Pagelsdorf warnt und hält den Ball flach: "Wir müssen die Aufgabe sehr, sehr ernst nehmen. Die Frankfurter sind besser, als es der Tabellenstand aussagt."

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