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Patrick Ebert erlitt im Trainingslager einen Kreuz- und Außenbandriss © getty

Nach der Rückkehr aus dem Trainingslager folgt die bittere Diagnose für Ebert. Dabei hat Neu-Coach Babbel auch so genug Arbeit.

Von Mathias Frohnapfel

München - Eigentlich hatte Markus Babbel ein zufriedenes Fazit des ersten Trainingslagers von Hertha BSC gezogen.

Doch unmittelbar nach der Rückkehr in Berlin war die Aufbruchsstimmung schon wieder dahin.

Denn Patrick Ebert fällt die gesamte Hinrunde aus.

Die genaue Diagnose seiner am Samstag im Testspiel gegen den SSV Ulm erlittenen Knieverletzung ergab einen Kreuz- und Außenbandriss.

"Es ist sehr bitter für Patrick, ausgerechnet jetzt eine so schwere Verletzung verkraften zu müssen. Er wollte entscheidend mithelfen, die grauenhafte vergangene Saison vergessen zu lassen", sagte Babbel.

"Aber er wird sich wieder herankämpfen und uns dann helfen, den Aufstieg zu schaffen. Ich vertraue meinen Spielern. Die Mannschaft hat die Qualität, solche Ausfälle zu verkraften."

Zahlreiche Baustellen

Trotzdem hat der neue Chefcoach mehr als genug Baustellen.

Denn das einzig mögliche Ziel, der direkte Wiederaufstieg, ist für den Hauptstadt-Klub und Babbel mit einem enormen Risiko verbunden.

Hertha startet mit einem Etat von 33 Millionen Euro, muss unbedingt den Aufstieg schaffen, um nicht langfristig in Liga zwei zu versauern.

Auch deshalb wurde am Montag der nächste Neuzugang verpflichtet: Der österreichische Nationalspieler Daniel Beichler kommt von Sturm Graz und erhält einen Vier-Jahres-Vertrag.

"Daniel Beichler ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler, der mit seinem variablen Spiel und seiner Torgefährlichkeit für uns sehr wichtig werden kann", erklärte Geschäftsführer Michael Preetz.

Fitness-Coach degradiert

Und Babbel selbst muss beweisen, dass er nicht nur in gesicherten Strukturen wie in Stuttgart arbeiten kann, sondern es auch schafft, eine Mannschaft neu aufzubauen.

Für sein Ziel ging der Ex-Bayern-Spieler sofort auf Konfrontationskurs.

Zuerst degradierte er den Fitnesstrainer Carsten Schünemann nach miserablen Laktat-Werten der Spieler.

Dann verordnete er den Profis frühes Aufstehen und Läufe ab 7.30 Uhr, um ihre Körper wettkampffähig zu bekommen.

"Ich bin in meiner Karriere auch noch nie soviel gelaufen", sagte Babbel: "Aber die Spieler haben im Urlaub geschludert und jetzt mussten wir mehr machen."

Die attackierten Profis haben ihren neuen Chef offenbar verstanden: Nach dem Ende des ersten Trainingslagers hob Babbel den Frühsport wieder auf.

"Diese Tage hier waren ein Schritt in die richtige Richtung", lautete sein zufriedenes Fazit.

Vier Spieler werden gestrichen

Doch die Arbeit hat für den Chefcoach gerade erst angefangen.

Bis zum 1. August, dem Start des zweiten Trainingscamps im österreichischen Feldkirchen, soll der Kader von 29 auf 25 Spieler reduziert werden.

In Österreich soll es demnächst "intensiv um taktische Details" gehen.

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Rückendeckung von Preetz

Babbel weist vorsorglich daraufhin, dass man sich auch via Zweite Mannschaft für die Profis empfehlen könne und warnt:

"Ich stehe in engem Kontakt mit Karsten Heine. Wenn ich erfahre, dass Spieler sich dort nicht reinhängen, knöpfe ich sie mir vor."

Bei seinen Maßnahmen hat Babbel "die absolute Rückendeckung" von Michael Preetz.

Bei der anvisierten sofortigen Rückkehr ins Oberhaus setzt Babbel auf prominente Zugänge wie Christian Lell (FC Bayern) und Rob Friend (Gladbach).

Allerdings muss er auch zahlreiche Stammspieler wie Kapitän Arne Friedrich (zu Wolfsburg), Keeper Jaroslav Drobny (Hamburger SV) oder Cicero (VfL Wolfsburg, Leihe) ersetzen, die den Verein nach dem Abstieg verlassen haben.

Finanzlage zwingt zum Wiederaufstieg

So oder so ist der direkte Wiederaufstieg für die Hertha Pflicht - auch aus finanzieller Sicht.

In der kommenden Saison plant der Klub mit einem Etat von 33 Millionen Euro

Den Ausgaben stehen erhoffte Einnahmen von 30,5 Millionen Euro gegenüber. Der Schuldenberg wird Ende Juni 2010 vermutlich auf 36 Millionen Euro anwachsen.

Ohne den sofortigen Sprung zurück in die Bundesliga würde es künftig noch härter für die finanziell klammen Berliner.

Hertha-Fahne als Tattoo aufs Herz?

Babbel verspricht sich daher mit vollem Einsatz an die Aufgabe zu machen.

"In der Zweiten Liga wird ein anderer Fußball gespielt", erklärt Babbel:

"Wenn wir es schaffen, unsere Qualität mit der richtigen Mentalität zu verbinden, bin ich davon überzeugt, dass wir da durchgehen werden. Aber es wird definitiv kein Selbstläufer."

Im Erfolgsfall ist aber sogar ein Tattoo für ihn denkbar.

"Eine blau-weiße Hertha-Fahne auf dem Herz tätowiert. Das könnte ich mir nach der Meisterschaft in der Zweiten Liga sehr gut vorstellen", sagte Babbel.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter und steiniger Weg.

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