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Christian Wück spielte u.a. für Nürnberg, Karlsruhe, Wolfsburg und Bielefeld © imago

Bei Sport1.de spricht Trainer Christian Wück über die Ziele von Aufsteiger Rot-Weiß Ahlen und den Imagewandel des Klubs.

Von Christian Gies

München - Als Trainer war Christian Wück ein unbeschriebenes Blatt. Überraschend führte der ehemalige Profi Rot-Weiß Ahlen in die Zweite Liga.

"Viele in Ahlen haben die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, in so einer wichtigen Saison wie letztes Jahr einen Neuling an die Kommandobrücke zu lassen", verrät der 35-Jährige.

Im Interview mit Sport1.de spricht Christian Wück über den Aufstieg, die Euphorie in Ahlen, die Stärken seines Teams und den Image-Wandel des Vereins.

Sport1: Nach dem geschafften Aufstieg sagten Sie, dieser Moment gehöre alleine der Mannschaft. Wie groß war Ihr Anteil?

Christian Wück: Mein Anteil am Erfolg ist schwer zu beziffern. Es ist jedenfalls unser Erfolgsgeheimnis, dass eine Mannschaft einem jungen Trainer vertraut hat, indem sie sich an meine Vorgaben gehalten, und im Gegenzug gewisse Freiheiten erhalten hat.

Sport1: Wie sieht es mit der Euphorie in Ahlen aus?

Wück: Die Vorfreude auf die Zweite Liga ist unheimlich groß. Nur müssen wir aufpassen, dass wir nicht über den vergangenen Erfolg reden, sondern uns auf die neue Saison konzentrieren und wieder Gas geben.

Sport1: Sie sind erst 35 Jahre alt. Da spielen einige Leute noch?

Wück: Ich hätte auch gerne weitergemacht, aber mit 29 musste ich aufhören, weil mein linkes Knie nicht mehr der Belastung standhielt. Ich hatte in zwölf Jahren acht oder neun Operationen. Irgendwann war dann Schluss. Das war natürlich bitter, weil ich gerade mit Bielefeld in die Bundesliga aufgestiegen war. Andererseits konnte ich so als Trainer früh anfangen.

Sport1: Sie haben sich nach Ihrem Fernstudium zum Sportmanager und Sportfachwirt gegen den Schreibtisch und für den Platz entschieden. Wie kam es dazu?

Wück: Neben meinem Studium wollte ich eine Nebenbeschäftigung haben, um sich auf dem Platz etwas abzureagieren. Ich habe ja neben meinem Studium einen Fünftligisten trainiert und irgendwann kam dann ein Anruf von Heiko Bonan, der einen Co-Trainer gesucht hat, den er auch kennt. Da habe ich schnell zugegriffen.

Sport1: Viele nannten Ihre Mission in Ahlen auch ein Himmelfahrtskommando. Wieso?

Wück: Wir hatten im letzten Jahr nur drei, vier erfahrene Leute. Uns hat keiner viel zugetraut. Düsseldorf, Braunschweig oder Essen wurde mehr Potenzial zugetraut. Dennoch: Großes Geld schießt keine Tore. Wir haben versucht, unsere Stärken herauszukristallisieren.

Sport1: Auch Ihnen wurde nicht viel zugetraut...

Wück: Viele in Ahlen haben die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, in so einer wichtigen Saison wie letztes Jahr einen Neuling an die Kommandobrücke zu lassen. Willi Entenmann hat mich damals als 17-Jährigen auch einfach in die Bundesliga geworfen. Das habe ich mit guten Leistungen zurückbezahlt - und hier ist das genauso.

Sport1: Wo liegen die Stärken Ihrer Mannschaft?

Wück: Dass Fußball nicht von einzelnen Individualisten gewonnen wird, sondern von einem Team. Auch dass wir nie im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen, war eine gewisse Motivation für uns. Wir haben versucht, als Team zu funktionieren und so die eine oder andere Schwäche auszumerzen.

Sport1: Vor ein paar Jahren ist das Unternehmen "LR" in Ahlen ausgestiegen, das Ansehen des Vereins nahm durch hohe Fluktuationen im Kader Schaden. Wie ist das Image jetzt?

Wück: Durch Abzocker blieben die Zuschauer aus, weil sie sich nicht mehr mit den Spielern identifizieren konnten. Das ist jetzt anders: Wir werden in der Stadt angesprochen, alle sind mit unserer Arbeit hoch zufrieden. Wir haben mit knapp zwei Millionen Euro den mit Abstand kleinsten Etat. Es wird sehr schwer werden, aber jeder hat die gleichen Chancen.

Sport1: Sie müssen nun Ihre Fußball-Lehrer-Lizenz nachmachen. Macht das Sinn, wenn man gerade eine "mission impossible" perfekt gemacht hat?

Wück: Einerseits finde ich es absolut in Ordnung, dass nur Fußball-Lehrer in der Ersten und Zweiten Liga sein dürfen. Andererseits sollte sich die DFL eine Ausnahmeregel für jeden dieser Fälle einfallen lassen, denn ich bin sehr oft weg vom Team.

Sport1: Wie sieht Ihre Zukunft und die des Vereins aus?

Wück: Die Bundesliga ist ganz klar unser Ziel. Das ist aber nicht kurzfristig möglich. Mein Vertrag läuft noch ein Jahr, dann muss man mal gucken, wie sich die Situation entwickelt.

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