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Peter Hyballa scheiterte mit der U19 der Leverkusener in der Gruppenphase
Peter Hyballa trainierte die Jugendteams von Dortmund, Wolfsburg und Bielefeld © imago

Aachens neuer Coach Peter Hyballa spricht im SPORT1-Interview über sein junges Alter, fehlenden Respekt und seine Ziele.

Von Christian Stüwe

München - Es war eine Personalentscheidung, die aufhorchen ließ.

Der neue Trainer von Alemannia Aachen ist der jüngste, den das Profigeschäft zu bieten hat.

Der 34 Jahre alte Peter Hyballa ist ein unverbrauchtes Gesicht, aber beileibe kein Neuling in seinem Job.

Er ist Trainer seit Teenager-Zeiten - bislang aber fast ausschließlich im Jugendbereich.

Borussia Dortmunds U 19 führte er im vergangenen Jahr zur Vize-Meisterschaft. Sein Team verlor das Finale gegen den Nachwuchs von Mainz 05 - trainiert von Thomas Tuchel 35464(DIASHOW: Die Torschützenkönige der Zweitliga-Geschichte).

Dessen Werdegang war für Aachen offenbar ein ermutigendes Beispiel.

Im Interview mit SPORT1 spricht Hyballa über den fehlenden Respekt vor Trainern aus dem Juniorenbereich und seine Ziele in Aachen. Außerdem bekennt er, in seinem Job ein wenig wahnsinnig zu sein.

SPORT1: Herr Hyballa, Sie sind der jüngste Trainer im Profifußball, aber schon seit 18 Jahren als Trainer tätig. Ist der Trainerberuf für Sie eine Berufung?

Peter Hyballa: Ich war als Spieler relativ früh verletzt. Der Trainerjob hat mir einfach Spaß gemacht. Am Anfang habe ich auch wenig Geld dafür bekommen. Aber ich habe gesehen, dass ich ein gewisses Talent dafür habe. Es hat mir großen Spaß gemacht.

SPORT1: Sie sind kaum älter als Ihre Spieler. Gibt es da manchmal Probleme?

Hyballa: Nein, überhaupt nicht. Wenn man vor den Spielern steht und eine klare Ansprache hat, einen Plan im Training, dann ist es den Spielern egal, ob man 34, 54 oder 94 ist.

SPORT1: Mainz ist mit Thomas Tuchel einen ähnlichen Weg gegangen wie die Alemannia jetzt mit Ihnen. Könnte es ein Trend werden, auf junge Trainer zu setzen, die den Beruf in Jugendmannschaften quasi von der Basis auf gelernt haben?

Hyballa: Es muss kein Trend werden, aber die Vereine müssen dahinter stehen. Es ist aber klar, dass Nachwuchsfußball bei den Vereinen ein bisschen stiefmütterlich gesehen wird. Ich habe viele Aussagen gehört wie: "Sie sind ja nur Nachwuchstrainer gewesen." Das ist den Leuten gegenüber auch ein bisschen respektlos. Wenn die Vereine schlau sind, schauen sie vielmehr in den Nachwuchsbereich. Und nicht nur auf Spieler, sondern auch auf Trainer.

SPORT1: Die Alemannia ist ein Verein mit viel Tradition, vielen Fans und großen Erwartungen. Wie schwer ist die Aufgabe?

Hyballa: Es ist genauso schwer oder leicht wie überall im Profifußball. Aber hier ist noch ein besonderer Reiz, denn die Zuschauer stehen voll hinter uns. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Deswegen macht es sehr viel Spaß. Schwierig ist natürlich jede Aufgabe im Leben, wenn man ein Ziel oder einen Plan hat. Aber ich mache mir da nicht so den Kopf drum.

SPORT1: Was ist denn das Ziel für diese Saison?

Hyballa: Die Leidenschaft an den Tivoli zurück zubringen. Offensiven Fußball, viele Kombinationen. Eine Mannschaft zu haben, die diszipliniert ist, die brennt, die will. Wir haben viele junge Spieler, das hat man in den Trainingseinheiten auch gesehen. Die sind um ihr Leben gelaufen. Auch weil sie Druck kriegen von ihrem wahnsinnigen Trainer da draußen. Da ist das Ziel. Eine Platzierung zu nennen, wäre ein bisschen unseriös. Weil ich damit erstens die Spieler unnötig unter Druck setzen würde und zweitens immer nach dem einen Ergebnisziel gefragt würde. Und letztendlich muss man das Ziel je nach Saisonverlauf doch immer wieder korrigieren.

SPORT1: Ist der Aufstieg eher mittelfristig ein Thema?

Hyballa: In dieser ersten Saison geht es darum, eine junge Mannschaft so zu formen, dass sie sich stabilisiert. Es werden viele Spieler unter 23 Jahren auch häufig unter den ersten Elf stehen. Man weiß nicht, was passieren wird. Dass Thomas Müller WM-Torschützenkönig wird, hätte wohl auch niemand gedacht, der ihn vor knapp einem Jahr noch mit der zweiten Mannschaft der Bayern in Burghausen gesehen hat. Das Thema Zeit ist im Profifußball unheimlich schwierig. Aber ein bisschen Zeit muss man uns geben.

SPORT1: Benny Auer ist verletzt, können die jungen Spieler diese Lücke schließen?

Hyballa: Müssen sie ja. Und sie werden es auch schaffen. Bei Benny Auer ist es aber auch nicht so schlimm, wie wir am Anfang befürchtet haben. Vielleicht schafft er es noch bis zu den ersten Spielen. Aber es ist ganz wichtig, über Spieler zu reden, die da sind. Verletzungen gehören nun mal zum Fußballgeschäft dazu.

SPORT1: Sie haben offensiven, kombinationsfreudigen Fußball angekündigt. Ist das nicht schwierig in der Zweiten Liga, wo Zweikampfhärte und physisches Spiel gefragt sind?

Hyballa: Nein, gar nicht. Es ist immer eine Frage, wo du angreifen willst. Es geht darum, wie vielen Spieler man sagt, dass sie mit nach vorne gehen sollen. Wenn von der Viererkette alle hinten bleiben, hat man auf den Außenpositionen ein Problem. Es ist nur die Frage, wie man das im Spiel und Training vorlebt. Wie viele Spieler dürfen beim Umschalten mit nach vorne? Bei uns dürfen viele mitmachen.

SPORT1: Ihr Team hat in der Vorbereitung einen Tag in Uniform bei der Bundeswehr eine Geländeübung gemacht. Sollte das die Spieler schon einmal an die Härte des Ligaalltags gewöhnen?

Hyballa: Das war körperliche Herausforderung. In kleinen Gruppen sollten sich die Spieler auch besser kennenlernen, gerade die jungen und die neuen Spieler. Es waren verschiedene Stationen, es sollte ein bisschen wie die Saison sein: Von Ziel zu Ziel gehen, mit allen Höhen und Tiefen.

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