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Torsten Mattuschka kam 2005 von Energie Cottbus zu Union © getty

Der Regisseur der "Eisernen" formuliert eine Kampfansage an den Lokalrivalen. Die Kluboberen zeigen sich als realistischer.

Berlin - Union Berlin, die neue Nummer eins in der Bundeshauptstadt - es ist ein Traum, den die Fans der "Eisernen" nach Herthas Zweitliga-Abstieg erstmals träumen können.

Und die Union-Spieler träumen ihn mit: Es sei ihr Ziel, "vor Hertha zu stehen", bekennt Regisseur Torsten Mattuschka in der "Berliner Morgenpost": "Für uns Spieler wäre das eine Genugtuung."

Betrachtet man die nackten Fakten, wird der Traum wohl ein Traum bleiben. Denn in der ersten Saison, in der Union in einer Liga mit dem Stadtrivalen spielt, sind die Rollen klar verteilt.

Krösus Hertha BSC drängt mit aller Macht auf den Wiederaufstieg und sieht sich als Nummer eins.

Für das Mittelfeld verstärkte sich die Hertha deshalb mit dem Bremer Peter Niemeyer. Der 26-Jährige wurde für eine Saison ausgeliehen.

Sollten die Berliner den direkten Wiederaufstieg schaffen, besitzen sie zudem eine Kaufoption

Nachbar Union Berlin indes backt kleinere Brötchen und will sich im Unterhaus weiter etablieren.

"Wenn man die Zahlen vergleicht, ist doch alles gesagt"

"Ich glaube, dass wir auf lange Sicht den Kader mit der besseren Qualität haben, wenn wir diese auch umsetzen können", sagte Michael Preetz dem "RBB" über den Vergleich mit dem Stadtrivalen.

Überraschendes sagt er damit nicht direkt: Die "Alte Dame" hat bei der Zusammenstellung des neuen Kaders geklotzt und viel Qualität an die Spree geholt. Der Etat liegt bei rund 35 Millionen Euro und bildet den Spitzenwert im Unterhaus.

"Wenn man die Zahlen vergleicht, ist doch alles gesagt", findet da auch Unions Teammanager Christian Beeck. Der Etat der "Eisernen" beträgt gerade mal zwölf Millionen Euro.

Während Hertha mit rund 26.000 Zuschauern pro Spiel kalkuliert, sind es bei den Köpenickern 12.000.

Olympiastadion? "Höchstens fürs Pokalfinale"

Auch mit Blick auf die sportlichen Perspektiven gibt man sich bei Union kleinlaut: "Es ist eine Gottesgabe, dass wir in der Zweiten Liga spielen dürfen, wenn man die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre sieht", so Beeck.

Für Union bleibt die Aufbauarbeit vorrangiges Ziel. Der Klub profitiert von der Treue seiner Fans, die beim Stadion-Umbau kräftig anpackten.

Kein Wunder, dass Präsident Dirk Zingler zum Derby gegen Hertha in sechs Wochen den Umzug ins größere Olympiastadion ausschloss, auch wenn dem Pokalfinalisten von 2001 dadurch viel Geld verloren geht.

"Das war eine Entscheidung des Herzens", sagte Beeck: "Wir gehen höchstens fürs Pokalfinale ins Olympiastadion - und zum Rückspiel natürlich."

Hertha setzt alles auf Erfolg

Beim Bundesliga-Absteiger wird alles dem Erfolg untergeordnet.

Preetz und Trainer Markus Babbel stehen unter großem Druck. Babbel will nach seinem unrühmlichen Abgang in Stuttgart auf seiner zweiten Trainer-Station vieles besser machen. Und alles andere als der Aufstieg dürfte sich für Preetz negativ auswirken.

Herthas Mannschaft gibt allerdings wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel am Wochenende im DFB-Pokal beim SC Pfullendorf noch Rätsel auf. In der Vorbereitung wechselten Licht und Schatten.

Friend nur phasenweise überzeugend

In den Testspielen gab es meist Siege, doch selten welche mit Glanz. Zuletzt gewann man 1:0 gegen AEL Limassol. Den Treffer erzielte Neuzugang Rob Friend von Borussia Mönchengladbach.

Babbels Wunschstürmer soll im 4-2-3-1-System die Ein-Mann-Spitze bilden, konnte aber nur phasenweise überzeugen.

Bleibt Ramos?

Weiterer Hoffnungsträger im Sturm ist der hochbegabte Adrian Ramos. Der Kolumbianer sollte den Klub eigentlich verlassen und wie Gojko Kacar (zum HSV) und Arne Friedrich (VfL Wolfsburg) Millionen in die Kassen spülen.

Doch das letzte Angebot von Top-Interessent 1899 Hoffenheim von rund drei Millionen Euro bezeichnete Preetz als "unangemessen".

So kann es gut sein, dass der flinke Angreifer zum Liga-Start am 20. August gegen RW Oberhausen das Trikot der Herthaner trägt.

Ein Niederländer als Drobny-Ersatz

Gespannt darf man sein, wie die Berliner die Abgänge von Torwart Jaroslav Drobny (HSV) und Arne Friedrich verkraften.

Für Drobny wird der niederländische Neuzugang Maikel Aerts das Tor hüten, dessen Vorbereitung von Rippenproblemen gestört wurden.

In der Innenverteidigung ist neben Roman Hubnik Neuzugang Andre Mijatovic gesetzt. Der Ex-Bielefelder wurde sogar zum Kapitän bestimmt.

Sein Vertreter Christian Lell von Rekordmeister Bayern München soll die rechte Seite besetzen.

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